SENDETERMIN Do, 26.01.17 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Reisesommer 2017

mit Kay P. Rodegra, Rechtsanwalt

Service: Reisesommer 2017 | Video verfügbar bis 26.01.2018

Reisebüro oder Internet

Die Zufriedenheit der Kunden hat im Reisebüro einen hohen Stellenwert, darum wird auf eine gute Beratung des Kunden in der Regel sehr viel Wert gelegt. Im Gespräch kann man im Reisebüro über das Zielgebiet und das Hotel auch noch ergänzende Fragen stellen und auf Fachwissen des Beraters zurückgreifen. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, ist im Internet hingegen ein umfangreicher Preisvergleich von allen Pauschalreiseanbietern möglich.

Reisebuchung

Vor der Reiseanmeldung sollte man sich immer Zeit lassen und die Angebote der einzelnen Reiseveranstalter genau studieren und vergleichen. Traumhafter Strand, Sonne pur, die Seele baumeln lassen und einfach nur herrlich entspannen – so sieht doch ein perfekter Urlaub aus. Und so wird er in Urlaubskatalogen auch gerne dargestellt.

Katalogsprache - Ein Glossar

Doch was steckt wirklich hinter den schönen Worten der Kataloge? Damit man die Katalogsprache richtig versteht, hier einige Beispiele:

  • "Direktflug": Zwischenlandung ist erlaubt
  • "Hotel ist sauber und zweckmäßig": Einfache Unterkunft mit wenig Komfort
  • "Hotel in Strandnähe": Nicht direkt am Strand, kann mehrere hundert Meter entfernt sein
  • "Hotel mit Meerblick":  Man sieht das Meer, es kann aber weit weg sein
  • "Hotel zur Meerseite": Meerblick wird nicht versprochen
  • "Hotel im Hafen": Strand wird nicht versprochen
  • "Zimmer mit Meerblick": Meer sichtbar, aber nicht uneingeschränkt
  • "Hotel mit All-Inclusive-Verpflegung": Achten Sie auf die Detailbeschreibung des Veranstalters. Essen rund um die Uhr oder freie Verköstigung aller alkoholischen Getränke wird meist nicht zugesagt.
  • "Wenige Minuten Transfer vom Flughafen": Mit Fluglärm muss gerechnet werden
  • "Strand": Ohne genaue Beschreibung kann es ein Kies- oder Sandstrand sein
  • "Doppelzimmer": Nicht versprochen: ein Doppelbett; es dürfen auch zwei  Einzelbetten sein
  • "Hotelzimmer mit TV": Nicht unbedingt mit deutschen Programmen
  • "Nachleben rund um das Hotel": Nächtlicher Disco-Lärm
  • "Hotel in zentraler Lage": Verkehrslärm, auch nachts
  • "Unterhaltungsabende im Hotel": Musiklärm in der Hotelanlage, auch nachts
  • "Animation": Die Frage ist in welcher Sprache
  • "Kinderclub": Babysitter nicht versprochen; keine Betreuung von Kindern rund um die Uhr
  • "Kinderfreundliches Hotel": Verstärkter Kinderlärm
  • "Beheizbarer Pool“ : Heißt nicht, das die Heizung auch läuft

Wenn sich aus dem Katalog Unklarheiten ergeben, sollte der Kunde beim Reiseveranstalter nachfragen und sich die konkrete Leistungsbeschreibung, also etwa die genaue Strandentfernung, bestätigen lassen.
Wer Sonderwünsche hat, muss diese ausdrücklich bei der Buchung darlegen und darauf bestehen, dass diese auch schriftlich bestätigt werden (z.B. behindertengerechtes Zimmer). Wird nur ein unverbindlicher Kundenwunsch vermerkt, ist nicht garantiert, dass der Wunsch auch erfüllt wird.

Bei teuren Reisen oder Reisen, die lange im Voraus gebucht werden, ist eine Reiserücktrittskostenversicherung auf jeden Fall zu empfehlen. Der Urlauber, der aus persönlichen Gründen  eine Reise stornieren muss, kann sich so vor hohen Stornokosten schützen. Wer erst ein oder zwei Tage vor Antritt der Reise storniert, muss oft bis zu 90 % des Reisepreises als Stornokosten zahlen. Auf Kulanz der Reiseveranstalter oder Airlines darf man hier nicht hoffen.

Rücktrittsgründe, die die Versicherung abdeckt, sind erster Linie Tod, schwere Unfallverletzungen oder eine schwere unerwartete Erkrankung des Versicherten oder eines seiner nahen Angehörigen. Bei der Erkrankung gilt aber, dass diese bei Vertragsschluss der Versicherung nicht vorhersehbar oder bereits bekannt war.
Weitere versicherte Rücktrittsgründe sind z.B. unerwarteter Verlust des Arbeitsplatzes, Impfunverträglichkeit, Feuer- oder Einbruchschaden in der Wohnung/Haus. Man kann für die jeweils gebuchte Reise eine Versicherung abschließen oder eine Jahresversicherung für alle Reisen. Wichtig: Eine Jahresversicherung beinhaltet oftmals eine automatische Vertragsverlängerung, wenn man nicht rechtzeitig kündigt.

Gefahr am Urlaubsort

Kommt es nach der Buchung einer Pauschalreise zu einem unvorhersehbaren Ereignis, das die Reise gefährlich macht oder erheblich beeinträchtigt, kann der Urlauber den Reisevertrag wegen höherer Gewalt kündigen. Der Reisekunde bekommt dann seinen Reisepreis zurück und muss keine Stornokosten zahlen. Fälle der höheren Gewalt sind zum Beispiel Naturkatastrophen, Epidemien, Reaktorunfälle, kriegsähnliche Zustände und politische Unruhen. Einzelne Terroranschläge oder die persönliche Angst vor Unruhen in einem Land reichen für eine Kündigung nicht aus. Ein Indiz für den Fall höherer Gewalt ist eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Wer sich vorab über die Situation im Reiseland informieren will, kann das über die Seite des Auswärtigen Amts tun.

Vertragsübertragung

Kann oder möchte der Urlauber, aus welchen Gründen auch immer, nicht in den Urlaub fahren, gibt es bei Pauschalreisen eine Lösung, sich vom Vertrag zu lösen, ohne dass hohe Stornokosten anfallen. Der Reisekunde kann nach Paragraph 651 b BGB seinen Reisevertrag vor Antritt der Reise  auf eine dritte Person übertragen. Der Urlauber kann die gebuchte Reise also verschenken, verkaufen oder auch über ein Internetportal versteigern.

Der Reiseveranstalter darf nur in Ausnahmefällen einer solchen Übertragung widersprechen. Ein solcher Widerspruch ist denkbar, wenn die Ersatzperson zum Beispiel für eine Trekkingreise wegen mangelnder Erfahrung ungeeignet oder zu alt für eine Jugendreise ist oder auch ein Gruppenvisum nicht mehr rechtzeitig geändert werden kann.

Der Reiseveranstalter darf für die Vertragsübertragung aber Umbuchungskosten verlangen.

Weitere Infos zum Reiserecht und Informationen zu Zielgebieten

www.adac.de/reise_freizeit/ratgeber_reisen

Reiserecht bei Kreuzfahrten:

Stand: 31.01.2017 16:49 Uhr