SENDETERMIN Do, 07.09.17 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Stammzellenspende

mit Meinolf Siepermann, Hämatologe und Onkologe

Service: Stammzellenspende | Video verfügbar bis 07.09.2018

Wer darf spenden?

Jeder zwischen 18 und 61 Jahren darf spenden. Typisierungen finden nach dem 55. Lebensjahr nicht mehr statt. (Registrierung ab 17 J. möglich, Spende erst ab 18) Voraussetzung: grob gesagt möglichst gesund und nicht stark übergewichtig (BMI <40). Schwangere sind bis sechs Monate nach der Entbindung für die Stammzellenspende gesperrt.

Wie werde ich Spender?

Rund 30 verschiedene Spenderdateien gibt es über ganz Deutschland verteilt. Deren Aufgabe ist es, neue Spender zu finden und die Daten der aktiven Spender über Jahre hinweg aktuell zu halten. Ein Spenderregister in Ihrer Nähe findet man z.B. über die Stiftung Knochenmark- und Stammzellenspende Deutschland.
(www.knochenmarkspende-deutschland.de)

Um Spender zu werden, muss ich mich bei einem dieser Stammzellspenderregister anmelden/registrieren lassen, oder man meldet sich bei Aktionen, die immer dann statt-
finden, wenn für einen besonders heiklen Fall bisher noch kein Spender gefunden werden konnte. Grundsätzlich ist es egal in welchem Register man gemeldet ist. Alle deutschen Spender werden an das "Zentralen Knochenmarkspender-Register" in Ulm gemeldet und von dort verwaltet. Es macht also auch keinen Sinn, sich bei mehreren Registern zu melden.

Bei den meisten Spenderregistern ist mittlerweile keine Blutentnahme mehr erforderlich. Man kann über die Internetseite oder per Anruf ein Typisierungsset anfordern. Dieses enthält alle erforderlichen Unterlagen und ein Wattestäbchen für einen Wangenabstrich. Dieser Watteträger bzw. die Mundschleimhautzellen die daran kleben, werden auf wichtigste Gewebemerkmale (sog. HLA-Merkmale) untersucht, die in der Datei gespeichert werden. Diese Untersuchung nennt man "Typisierung". Anhand dieser Typisierung wird hinterher entschieden, ob ein Spender für einen Patienten passend ist.

Was kostet das?

Zwischen 40-50 Euro kostet eine Typisierung. Die meisten Dateien bieten das kostenlos an. Diese Kosten werden durch Spenden gedeckt. Von den Krankenkassen wird das nicht bezahlt. Die Spenderdateien sind daher gezwungen, die Typisierungen für die Kartei aus Spendengeldern zu finanzieren.

Was passiert, wenn ich ausgewählt wurde?

Höchstens einer von hundert potentiellen Stammzellenspendern wird innerhalb von zehn Jahren überhaupt zu einer Spende aufgefordert. Wird man wirklich ausgewählt, muss zunächst ein Gesundheitsfragebogen ausgefüllt werden. Jetzt ist auch eine Blutprobe erforderlich, mit der wird die Typisierung nochmal wiederholt, um eine Verwechslung auszuschließen und nach bestimmten Erregern gesucht. Stimmt das Blut bzw. die Gewebemerkmale wirklich mit dem des Empfängers überein, folgt eine Einladung zur ausführlichen Aufklärung und eine umfangreiche gesundheitliche Untersuchung, um die Eignung zur Stammzellspende zu prüfen.

Wenn der Spender aufgeklärt und einverstanden ist und keine gesundheitlichen Einwände oder Probleme bestehen, wird die Stammzellspende geplant.

Wie funktioniert die Stammzellenspende?

In 80 Prozent der Fälle werden heutzutage die Stammzellen aus der Blutbahn entnommen – ähnlich einer Dialyse. Zuvor muss sich der Spender über 4 Tage ein Medikament unter die Bauchhaut spritzen, das die Anzahl der Stammzellen im Blut steigert. Danach erfolgt die eigentliche Spende, bei der das Blut in einem geschlossenen Schlauchsystem in einer Maschine zentrifugiert wird und sich die verschiedenen Blutzellen dadurch auftrennen. Nun kann man die Stammzellen aus ihrer Schicht absaugen und in einen Beutel überführen. Die Sammlung dauert ca. vier bis fünf Stunden an einem, sehr selten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Danach müssen die so gewonnen Stammzellen innerhalb von 72 Stunden an den Empfänger weitergeleitet werden.

Als zweite Option besteht die Möglichkeit, die Stammzellen direkt aus dem Knochenmark zu entnehmen. Unter Vollnarkose wird Knochenmark aus dem hinteren Beckenkamm entnommen. Diese Entnahme dauert etwa eine Stunde und wird ambulant oder bei manchen Entnahmeeinrichtungen mit einer Übernachtung im Krankenhaus durchgeführt.

Was für Nebenwirkungen können auftreten?

Bei der Stammzellenspende kann es durch die Gabe des Medikaments zu grippeähnlichen Symptomen oder auch Kopfschmerzen kommen. Langzeitwirkungen sind nicht bekannt.
Bei der Knochenmarkspende kann ein lokaler Wundschmerz auftreten, ähnlich einer Prellung. Selten kommt es zu länger anhaltenden Schmerzen.

Außerdem hat man durch den Blutverlust durch die Knochenmarkentnahme in den ersten Tagen ein leichtes Schwächegefühl und ist etwas blass. Das Blut bildet sich innerhalb weniger Wochen wieder vollständig nach. Grundsätzlich sollte man zu beiden Methoden bereit sein, wenn man sich registriert.

Rücktritt

Muss ich spenden, wenn ich registriert bin?

Nein, natürlich nicht. Deshalb wird ja eine sehr ausführliche Aufklärung im Vorfeld durchgeführt, damit die Spender genau wissen, was auf sie zukommt. Wenn es aktuelle Probleme, starke Belastungen oder Erkrankungen gibt, die eine Spende nicht zulassen, wird natürlich von einer Spende abgesehen. Das Recht, das Einverständnis zur Spende zurückzuziehen hat jeder, denn es ist ja freiwillig.

INFO: Allerdings sollte man wissen: Der Patient erhält ca. eine Woche vor der Transplantation eine sehr starke Chemotherapie, die seine eigene Blutbildung komplett zerstört. Wenn die Absage kurz vor der Spende erfolgt und die Vorbereitungsphase für den Patienten schon begonnen hat, ist der Patient ab diesem Zeitpunkt ohne die übertragenen Stammzellen in Lebensgefahr.

Die Spender haben aber vorher ausreichend Zeit gut zu überlegen und sind dann meist sicher in Ihrer Entscheidung

Kann ich mehrmals spenden?

Nach einer Spende ist man 2 Jahre gesperrt. Grundsätzlich darf ein freiwilliger Spender maximal 2 Mal spenden, danach wird er aus dem Register gelöscht. Dies kommt aber äußerst selten vor.

Kann ich den Empfänger kennenlernen?

Die Spende ist zunächst anonym. „Den Empfänger darf man in vielen Ländern nach zwei Jahren kennenlernen, aber auch nur, wenn beide Seiten damit einverstanden sind. Wenn der Spender jedoch eine Rückmeldung über den Gesundheitszustand seines Empfängers möchte, kann er sich an sein Register wenden, die dann die Informationen erfragen, an den Spender weiterleiten. Nach zwei Jahren steht der direkten Kontaktaufnahme nichts mehr im Weg. Das passiert relativ häufig. Oftmals entstehen Freundschaften.

Weitere Informationen

• Düsseldorfer Knochenmarkzentrale www.kmsz.de

• Weiterführende Informationen zum Thema Knochenmarkspende und Krebserkrankungen:  
www.kmsz.de/patienten.html

Stand: 08.09.2017 12:15 Uhr