SENDETERMIN Mi, 14.06.17 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Wenn der Bauch schmerzt

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

PlayWenn der Bauch schmerzt
Service: Wenn der Bauch schmerzt | Video verfügbar bis 14.06.2018

Verdauungsprobleme können mitunter sehr qualvoll sein, sind in den meisten Fällen jedoch harmlos und lassen sich oft mit einer Umstellung der Ernährung in den Griff bekommen. In seltenen Fällen können Verdauungsstörungen aber auch Zeichen einer ernsthaften Erkrankung sein. Kommen zu Blähungen, Durchfall und Verstopfung weitere Symptome wie Blut im Stuhl, Fieber, starke Schmerzen, Krämpfe oder Gewichtsverlust hinzu, sollten Sie sich von einem Arzt untersuchen lassen.

Blähungen

Blähungen sind keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Sie entstehen entweder durch das Verschlucken von Luft oder wenn sich zu viele Gase im Darm bilden. Grund hierfür kann eine falsche Ernährung, zu üppiges, fettiges, süßes, hastiges Essen, Stress und Angst, aber auch eine Reihe von Darmerkrankungen sein. Hierzu zählen beispielsweise Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Laktose-Intoleranz, Gluten-Unverträglichkeit). Seltener werden Blähungen durch einen Reizmagen oder Reizdarm, Störungen der Bauchspeicheldrüse oder Nebenwirkung von Medikamenten ausgelöst. Je nach Ursache sind Blähungen von Bauchschmerzen, Bauchkrämpfen, Durchfall oder Verstopfung und Völlegefühl begleitet.

Ein weiterer Grund kann das Umstellen der Ernährung auf Vollkornprodukte sein, da sich der Verdauungstrakt erst an die ungewohnte Nahrung gewöhnen muss. Denn ansonsten können die darin enthaltenen unverdaulichen Ballast- und Faserstoffe unseren Darm vorobergehend überfordern, wenn wir die Nahrung zu abrupt umstellen.

Durchfall

Auch bei der Diarrhöe handelt es sich um keine Krankheit, sondern ein Zeichen auf eine körperliche Belastung. Von Durchfall spricht man, wenn die Stuhlentleerung häufiger als dreimal täglich stattfindet, der Stuhl flüssig ist und/oder die Stuhlmenge größer als sonst ist. Zusätzlich treten häufig Blähungen, kolikartige Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen auf. Diarrhöe kann durch eine Ernährungsumstellung, Bakterien-, Parasiten-, Pilz- und Virusinfektionen, verschiedene Vergiftungen, Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Antibiotika), Missbrauch von Abführmitteln, physischen und psychischen Stress oder eine Reaktion auf Zeitunterschiede bei längeren Reisen verursacht werden. Auf Reisen kann Durchfall auch die Folge einer Nahrungsinfektion von Bakterien oder aufgrund von sich epidemisch verbreitenden Viren sein.

Bei gesunden Erwachsenen ist der so genannte akute Durchfall, der bis zu zwei Wochen andauern kann, meist harmlos. Von chronischem Durchfall spricht man, wenn mehr als 14 Tage lang Durchfall-Symptome bestehen. Dann sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, denn es kann sich hierbei um den Hinweis auf eine der folgenden Krankheiten handeln: Reizdarm-Syndrom, chronische Darmentzündung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) und andere Tumorbildungen im Bauchraum (Dickdarmkarzinom).

Verstopfung

Verstopfung ist ebenfalls ein Symptom und keine eigenständige Krankheit. Sie tritt häufig bei älteren Menschen auf, da die Darmtätigkeit mit zunehmendem Alter abnimmt. So rechnet man mit 20 – 30% aller Menschen über 60 Jahre mit der sogenannten Obstipation. Eingeleitet wird die Verstopfung durch ein allgemeines Unwohlsein, Völlegefühl und/oder einen aufgeblähten Bauch, begleitet von Appetitlosigkeit, Mundgeruch, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Magen- und Muskelschmerzen, Erbrechen und/oder Schwindelgefühlen. Stuhlgang tritt dabei weniger als dreimalpro Woche auf und ist dann schwierig, unvollständig und schmerzhaft.

In den meisten Fällen ist eine Verstopfung harmlos und wird durch ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel oder Stress verursacht. Darmträgheit kann aber auch ein Hinweis auf eine Krankheit sein, wie z.B. Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Diabetes oder eine Schilddrüsenunterfunktion.

Reizmagen und Reizdarm

Reizmagen und Reizdarm sind die häufigsten Ursachen für Verdauungsstörungen und Grund für einen Arztbesuch. Etwa jeder Vierte und hier vorwiegend Frauen leiden unter den so genannten funktionellen Magen-Darm-Beschwerden. Beide Erkrankungen treten allein oder zusammen mit wiederkehrenden Schmerzen im Verdauungstrakt auf und schränken die Lebensqualität meist massiv ein. Auslöser können Infektionen, Medikamente, Nahrungsmittel und andauernder Stress sein. Übergewicht, Bewegungsarmut und Alkoholkonsum können zusätzlich die natürliche Funktion des Verdauungssystems stören.

Eine der Hauptursachen für den Reizmagen ist eine Überempfindlichkeit des Nervensystems im oberen Magen-Darm-Trakt, die wiederum psychische Gründe haben kann. Bezeichnend sind immer wiederkehrende Beschwerden im Magen und Dünndarmbereich, wie Druck- und Völlegefühl nach dem Essen, Sättigungsgefühl nach einigen Bissen und Schmerzen im Oberbauch. Häufig kommt es auch zu unangenehmem Aufstoßen und Sodbrennen.

Auch beim Reizdarm können psychische Probleme die Funktion des so genannten Bauchhirns stören und zu starken Schmerzen und Krämpfen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung oder ungewöhnlichem Stuhlgang führen. Durch diese Beschwerden werden die Betroffenen erheblich in ihrer Lebensgestaltung eingeschränkt, was weiteren Stress hervorruft und die Symptome wie in einem Teufelskreis verstärkt.

Neben dieser Hauptursache für Verdauungsprobleme gibt es viele weitere Erkrankungen, die Grund für Störungen im Magen-Darm-Bereich sein können, z.B. Allergien, Entzündungen in Speiseröhre, Dünndarm oder Blinddarm, Untersäuerung (Mangel an Magensäure), Nahrungsmittel oder Glutenintoleranz, Irritationen im Dickdarm, Nahrungsmittelvergiftung, Malabsorption (der Körper kann einen oder mehrere Stoffe nicht mehr aus der Nahrung aufnehmen), Magenkatarrh (Gastritis), Magengeschwür, Dickdarmkatarrh (Kolitis).

Foodmap

Mit Hilfe einer Ernährung nach Ausschluss-Methode kann man feststellen, welche Nahrungsmittel verantwortlich für Beschwerden sein könnten. Eine sogenannte FODMAP Liste hilft dabei und findet sich unter: https://www.fodmaps.de/fodmap-liste/

Stand: 14.06.2017 06:56 Uhr