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Service: Wie gefährlich ist Cholesterin?

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

Service: Wie gefährlich ist Cholesterin?  | Video verfügbar bis 22.02.2018 | Bild: WDR

Was ist Cholesterin?

Cholesterin ist ein Nahrungsfett und wird sowohl mit der Nahrung aufgenommen, als auch im Körper von der Leber gebildet. Es ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen.

Vor allem Menschen, die vorwiegend Fertiggerichte zu sich nehmen, laufen Gefahr einen zu hohen Cholesterinwert zu entwickeln, da Fett ein Grundbestandteil dieser Nahrung und von Fast Food sowieso ist. Außerdem kommen bei einer solchen Ernährung zu wenig Vitamine und Ballaststoffe im Körper an.

Gutes und schlechtes Cholesterin?

Bei ausreichender Sonneneinstrahlung ist der Körper in der Lage, aus Cholesterin die Vorstufe für Vitamin D zu bilden. Im Blut wird Cholesterin wegen seiner schlechten Wasserlöslichkeit an Eiweiße gebunden und erst dann transportiert.

Dieses Transport-Cholesterin heißt HDL (high density Lipoproteine = „gutes“ Cholesterin) beziehungsweise LDL (low density Lipoproteine = „schlechtes“ Cholesterin).

Der LDL-Typ soll die Entstehung von Arteriosklerose fördern, während der HDL-Komplex sie möglicherweise verzögert.

Genauer gesagt kommt es auf das Mengenverhältnis zwischen zwei Cholesterinarten an: Je größer die Menge an LDL-Cholesterin im Verhältnis zum HDL-Cholesterin ist, desto wahrscheinlicher drohen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
HDL transportiert nicht mehr benötigtes Cholesterin aus den Körperzellen und aus den Arterienwänden zurück zur Leber. Dort wird es zu Gallensäuren abgebaut und über den Darm ausgeschieden.
LDL verweilt länger im Blut und verändert dabei seine chemische Zusammensetzung. Es kann dann nicht mehr von den Zellen erkannt und aufgenommen werden. Das führt zu Arteriosklerose. Bei dieser Erkrankung setzen sich cholesterinhaltige Beläge an den Wänden der Arterien ab. Blutgerinnsel, die beispielsweise in den Herzkranzgefäßen auftreten und zum Herzinfarkt führen können, entstehen insbesondere dort, wo diese Beläge an den Gefäßen aufreißen und sich daraufhin akut viele Blutplättchen anheften 

Verbreitung hoher Cholesterinwerte

In den Industriestaaten sind erhöhte Blutfette mittlerweile fast ein „Normalzustand“. Das sollte aber definitiv nicht die Regel sein. Ein erhöhter Blutspiegel an Cholesterin bereitet keine direkten Schmerzen, aber es ist allgemein bekannt, dass sie das Risiko für die Entstehung von gefährlichen Herzkreislauf-Erkrankungen steigern. Man schätzt, dass den Industriestaaten mehr als 50 Prozent der über 40 jährigen ein zu hohes Cholesterin (>200 mg/dl) haben. Das geht regelmäßig parallel mit ebenfalls erhöhten Werten für ebenso gefäßschädigende Triglyceride einher.

Gesamtcholesterinwert ist entscheidend

Es wäre zu einfach zu behaupten, dass ein normales HDL-Cholesterin ein erhöhtes LDL-Cholesterin kompensieren könnte, Für ansonsten gesunde Menschen sollte der Quotient aus LDL/HDL unter 4 und für bereits herzkranke Patienten unter 2 liegen.

Es ist also wichtig, dass nicht allein der Gesamtcholesterinwert betrachtet wird. Denn der sagt nichts Alleinentscheidendes über das Herzkreislauf-Risiko aus. Denn nur beide Werte zusammen, lassen eine Aussage über den Fettstoffwechsel zu. Wer zu viele tierische Fette zu sich nimmt und sich dann auch noch wenig bewegt, der kann aber damit rechnen, dass seine LDL-Werte irgendwann den zulässigen Rahmen sprengen. Cortison, die Pille und andere Medikamente können sich ebenfalls negativ auf den Fettstoffwechsel auswirken. Es gibt auch einige Krankheiten, die die Blutfettwerte negativ beeinflussen. Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen gehören dazu. Familiäre Hypercholesterinämie nennt sich eine angeborene Störung des Fettstoffwechsels, die ebenfalls hohe Werte verursacht. 

Vorbeugung

Hohe Cholesterinwerte lassen sich mit regelmäßiger ausdauernder Bewegung (zum Beispiel Laufen oder Walken) und der richtigen Ernährung verhindern und sogar senken. Dann gehören weniger Fett, mehr komplexe Kohlehydrate und vor allem Obst und Gemüse auf den Speiseplan. Wichtig ist es, tierische Fette zu meiden und stattdessen regelmäßig ballaststoffreiche Kost zu sich zu nehmen.

Gesunde Knabbereien für zwischendurch

Vollkornsalzgebäck hat einen niedrigeren Fettgehalt als Salzstangen, Chips oder Erdnussflips. Nachos enthalten weniger Fett als Chips. Aus Paprika, Möhren oder Kohlrabi lassen sich Gemüse-Knabbersticks herstellen, ein Dipp dazu aus Magerquark, Kräutern und Gewürzen. Das schmeckt und ist gesund.

PEPP-Studie der Deutschen Sporthochschule

Die Teilnehmerinnen der PEPP-Studie haben mit 16 Wochen lang viermal wöchentlich 90 Minuten Walken  und einer veränderten Ernährung ihre Cholesterinwerte um 20 Prozent gesenkt – und zwar ganz ohne Einsatz von Medikamenten.

Regelmäßiges Laufen senkte dabei den Cholesterinspiegel. (Die Wissenschaftler der Kölner Sporthochschule gehen davon aus, dass Patienten mit sehr hohem Cholesterinspiegel ihren Medikamentenbedarf durch das ausgewogene Sportprogramm reduzieren könnten). Allerdings bleibt der positive Gesundheitseffekt nur nachhaltig, wenn die regelmäßige Bewegung beibehalten und nicht als Zwang empfunden wird. Der Erfolg wird in Kombination mit einer bewussten Ernährung noch vergrößert.

Literatur

  • Volker Schmiedel: Cholesterin naturgemäß behandeln, HAUG
  • Margit Rüdiger: Power Walking, Gräfe & Unzer

Stand: 22.02.2017 07:00 Uhr