SENDETERMIN Di, 12.12.17 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Ärger mit der Bahn

mit Kay P. Rodegra, Rechtsanwalt

Service: Ärger mit der Bahn | Video verfügbar bis 12.12.2018 | Bild: WDR

Ob auf dem Weg zur Arbeit, auf einer Urlaubsreise oder zu einem Städtebesuch: Millionen nutzen täglich die Bahn. Doch welche Rechte haben Bahnkunden bei Verspätungen, Zugausfällen oder anderen Problemen? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick:

Kann ich bei einer Zugverspätung mein Zugticket zurückgeben?

Ja. Kommt es zu einer Verspätung von mehr als 60 Minuten, kann man auf die Fahrt verzichten und bekommt den vollen Fahrpreis einschließlich Sitzplatzreservierung erstattet.

Bekomme ich eine Fahrpreisminderung, wenn ich verspätet am Ziel ankomme?

Ja. Wer 60 Minuten oder mehr zu spät ankommt, kann den Fahrpreis um 25% mindern, bei 120 Minuten oder mehr Verspätung gibt es 50% zurück. Ganz gleich welchen Grund die Verspätung hat, ein Bahnunternehmen kann sich nicht auf höhere Gewalt (z.B. Wetter, Unfall) berufen. Der Europäische Gerichtshof hat in einem Urteil (Az. C-509/11) klar festgelegt, dass auch bei unverschuldeter Verspätung eine Preisminderung gezahlt werden muss.

Habe ich Anspruch auf Entschädigung bei Verspätungen ab 60 Minuten, wenn ich eine Zeitkarte habe (z.B. Bahncard 100)?

Ja. Bei einer Zeitkarte des Nahverkehrs oder bei einem Wochenendticket gibt es 1,50 € in der 2. Klasse, 2,25 € in der 1. Klasse. Mit der Bahncard 100 gibt es in der 2. Klasse pauschal 10,- €, in der 1. Klasse 15,- €.

Welche Hilfe gibt es, wenn ich nachts auf dem Bahnhof strande?

Verpasst ein Bahnkunde wegen Verspätung seinen Anschlusszug, der zwischen 0 und 5 Uhr am Ziel ankommen sollte und fährt kein anderer Zug, kann er die Fahrt zum vereinbarten Ziel mit dem Taxi fortsetzen. Das gilt auch, wenn ein nächtlicher Zug (planmäßige Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr) mit einer Verspätung von mindestens 60 Minuten am Zielort ankommen würde. Die Taxikosten werden bis max. 80 € erstattet. Klappt das nicht, kann vom Bahnunternehmen die Unterbringung in einem Hotel verlangt werden.

Wie mache ich die Ansprüche geltend?

Bei den Bahnbetrieben oder auch beim Zugpersonal gibt es ein entsprechendes Formular, das ausgefüllt zusammen mit dem Fahrschein eingereicht wird. Kopieren Sie vorher alle Unterlagen! Online auch erhältlich unter https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrechte/fahrgastrechte-formular.shtml

Habe ich in überfüllten Zügen Anspruch auf meinen reservierten Sitzplatz?

Ja, die Reservierung behält ihre Gültigkeit. Fällt der Zug mit der Reservierung aus und ein anderer Zug wird genommen, kann man sich die Reservierungsgebühr erstatten lassen.

Wenn ich wegen eines verspäteten Zuges meinen Flug verpasse, zahlt das Bahnunternehmen das Ersatzticket?

Zumeist nicht. Das Wegerisiko trägt insoweit der Bahnreisende. Anders bei einem Rail&Fly-Ticket, das im Namen eines Reiseveranstalters verkauft wird. Hier hat der Kunde einen Anspruch gegen den Reiseveranstalter.

Bekomme ich Ärger, wenn ich wegen Zugausfällen zu spät oder gar nicht am Arbeitsplatz erscheine?

Nein. Aber der Arbeitgeber muss sofort informiert werden, wenn sich eine Verspätung oder ein Wegbleiben abzeichnet. Die versäumte Arbeitszeit muss nachgearbeitet werden oder der Arbeitgeber darf eine Lohnkürzung vornehmen. Eine Abmahnung droht aber nicht.

Weitere Informationen:

https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrechte/uebersicht.shtml

http://www.fahrgastrechte.info/

https://www.evz.de/de/verbraucherthemen/reisen/bus-bahn-und-schiff/bahn

Stand: 12.12.2017 07:38 Uhr