SENDETERMIN Mo, 06.03.17 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Ran an die Steuererklärung

mit Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip

PlayQuittungen für Steuererklärung
Service: Ran an die Steuererklärung | Video verfügbar bis 06.08.2018

Steuererklärung ohne Belege

Das Steuermodernisierungsgesetz bringt einige Vereinfachungen mit sich: So müssen bei der Steuererklärung ab 2017 keine Belege mehr eingereicht werden. Nur auf Anforderung des Finanzamts sind diese vorzulegen. Daher ist es ratsam, die Papiere nach Erhalt des Bescheids noch mindestens ein Jahr lang aufzuheben.

Daten werden automatisch übertragen und maschinell geprüft

Wer seine Steuererklärung digital via ELSTER oder mit Hilfe einer Steuersoftware erledigt, kann sich in Zukunft viel Arbeit sparen. Denn Angaben wie Name, Adresse, Konfession oder Steuernummer müssen nicht mehr händisch eingegeben, sondern können künftig automatisch übernommen werden. Dafür ist allerdings eine Registrierung für die „vorausgefüllte Steuererklärung“ notwendig, die etwas aufwändiger ist. Wichtig ist: Die Daten sollten trotzdem immer noch mal überprüft werden.

Die Finanzämter können ab diesem Jahr die meisten Steuererklärungen vollmaschinell prüfen. Wer möchte, dass ein Sachbearbeiter die Steuererklärung anschaut, sollte einen entsprechenden Hinweis im Freitextfeld angeben. Auch wer von der Meinung des Finanzamts abweicht, muss hier einen Vermerk machen.

Viele Rentner müssen, Leiharbeiter sollten eine Steuererklärung abgeben

Rund 4,4 Millionen Rentner müssen mittlerweile eine Steuererklärung machen – Tendenz steigend. Wer 2016 aus dem Berufsleben ausgeschieden ist, muss bereits 72 Prozent seiner Rente versteuern. Doch das heißt nicht unbedingt, dass man als Rentner tatsächlich Steuern zahlen muss. Denn auch ein Rentner kann bestimmte Aufwendungen steuerlich absetzen. 102 Euro sind mindestens in der Werbekostenpauschale drin, höhere Ausgaben müssen belegt werden. Auch Kosten für Kranken- und Pflegeversicherung lassen sich als Vorsorgeaufwendungen steuerlich absetzen. Renten werden grundsätzlich in der Anlage R angegeben.

Auch Leiharbeiter sollten eine Steuererklärung abgeben. Denn Sie können jeden gefahrenen Kilometer zum Entleiher-Betrieb mit 30 Cent absetzen und nicht nur den einfachen Weg wie bei der Entfernungspauschale. Dies lässt jetzt ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen zu, über das nun der Bundesfinanzhof entscheiden muss. Wenn der Finanzbeamte die Kosten kürzt, sollten Betroffene innerhalb eines Monats mit Verweis auf das anhängige BFH-Verfahren Einspruch einlegen.

Aktuelle BFH-Urteile zum Arbeitszimmer und Dienstwagen

Von weiteren aktuellen steuerzahlerfreundlichen Urteilen profitieren können etwa Lehrer-Ehepaare, die sich ein gemeinsames Arbeitszimmer teilen. Sie können jetzt jeder für sich bis maximal 1.250 Euro Werbungskosten absetzen, falls sie das häusliche Arbeitszimmer tatsächlich für den Beruf benötigen und kein anderer Raum beim Arbeitgeber zur Verfügung steht. Bislang haben sowohl die Finanzämter als auch der Bundesfinanzhof eine objektbezogene Betrachtung an den Tag gelegt, jetzt eine personenbezogene, sodass das Paar insgesamt einen doppelten Abzug geltend machen kann.

Ein anderes BFH-Urteil betrifft Dienstwagenbesitzer, die wegen der Privatnutzung ihrem Arbeitgeber etwas zuzahlen, zum Beispiel die Benzinkosten selbst tragen. Diese Kosten mindern den zu versteuernden geldwerten Vorteil bis maximal auf 0 Euro – unabhängig, ob der Arbeitnehmer ein Fahrtenbuch führt oder pauschal nach der Ein-Prozent-Regelung versteuert.

Wer die Steuererklärung nicht alleine machen möchte, kann sich auch an einen Lohnsteuerhilfeverein oder einen Steuerberater wenden. Dann hat man auch länger Zeit, nämlich mindestens bis zum Jahresende statt bereits zum 31. Mai 2017.

Weitere Informationen

Stand: 07.03.2017 09:41 Uhr