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Service: Rechtslage bei Ferienjobs

mit Michael Felser, Rechtsanwalt

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Rechtslage bei Ferienjobs | Video verfügbar bis 16.07.2016

Ob zur Finanzierung des Führerscheins oder zur Aufbesserung der Studienkasse, unzählige Schüler und Studenten stecken in diesen Wochen wieder in Ferienjobs. Doch auch bei diesen Arbeitsverhältnissen gilt es Regeln einzuhalten. Steuern, Urlaubsanspruch oder Arbeitsschutz sind dabei nur einige Stichworte.

Jugendarbeitsschutzgesetz beachten

Schüler können ihr Taschengeld durch einen Ferienjob aufbessern. Zwar wickeln sich solche Tätigkeiten meist nicht über die Arbeitsagenturen ab, doch muss auch in diesen Fällen von den Firmen der Jugendarbeitsschutz beachtet werden. Das bedeutet: Unter 13 Jahren geht regulär gar nichts – von Ausnahmen abgesehen, wie Teilnahme an Filmen oder Werbeaufnahmen.

Mindestens 13jährige dürfen Zeitungen und Werbezettel (bis zu 2 Stunden täglich) austragen, als Babysitter tätig sein, Nachhilfeunterricht geben, Botengänge aus- und Hunde „Gassi führen“, ferner in Sportarenen oder in der Landwirtschaft (bis zu 3 Stunden täglich) mithelfen - alles gegen Bezahlung.

Wer darf wie lange arbeiten?

Und mindestens 15jährige dürfen darüber hinaus Ferienjobs übernehmen: bis zu vier Wochen im Jahr. Dabei muss es sich allerdings um Arbeiten handeln, die für junge Leute „geeignet“ sind, sie also körperlich nicht überfordern. Das Gesetz legt für die künftigen Arbeitnehmer maximal die 5-Tage-Woche (bei einer 40-Std.-Woche) fest.

Ruhepausen

Auch die Ruhepausen für Jugendliche sind im Jugendarbeitsschutzgesetz geregelt. Schüler, die viereinhalb und sechs Stunden pro Tag arbeiten, haben Anspruch auf eine mindestens 30 minütige Pause; bei mehr als sechs Stunden sind es 60 Minuten.

Die Pausenzeiten sind allerdings unbezahlt. Das Gewerbeaufsichtsamt wacht über die Einhaltung der Vorschriften des Jugendarbeitsschutzgesetzes, zum Beispiel die Arbeitszeiten betreffend. Arbeitgeber, die der Missachtung überführt werden, müssen mit Bußgeldern bis zu 15.000 Euro, bei Vorsatz sogar mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, rechnen.

Im Übrigen gelten auch für schulpflichtige Kinder ab 15 Jahren dieselben Arbeitsschutzvorschriften wie für die jüngeren. Und arbeitsrechtlich sind dieselben Regelungen wie für erwachsene Arbeitnehmer (wozu auch der 18jährige Schüler zählt) maßgebend. Das bedeutet: Sie haben zum Beispiel Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und für gesetzliche Feiertage. Außerdem gibt es ab 18 Jahren „mindestens“ den Mindestlohn von 8,50 Euro.

Urlaubsanspruch

Ferienjobber haben auch den gleichen Anspruch auf Urlaub wie die „festen“ Beschäftigten; mindestens aber auf den gesetzlichen Mindesturlaub (20 Tage oder 24 Werktage gleich vier Wochen im Jahr, die auf die Dauer des Ferienjobs umzurechnen sind). Als Teilzeitbeschäftigte dürfen auch Ferienjobber nicht schlechter behandelt werden. Erhalten die anderen Arbeitnehmer Urlaubsgeld, steht ihnen auch dies zu.

Sozialversicherungsbeiträge

Sozialversicherungsbeiträge brauchen für Ferienjobs nicht aufgebracht zu werden - unabhängig von der Höhe des Verdienstes. Völlig, also auch für die Arbeitgeber, sozialabgabenfrei sind nämlich Beschäftigungen von Schülern, die nur während der Ferien ausgeübt werden. Die Grenze liegt hier seit 01. Januar 2015 bei „drei Monaten oder 70 Arbeitstagen innerhalb eines Kalenderjahres“ – ohne Verdienstbeschränkung (sog. kurzzeitige Beschäftigung).

In der gesetzlichen Unfallversicherung sind Schüler auf jeden Fall - auf Rechnung ihres Arbeitgebers – versichert. Der Versicherungsschutz beginnt am ersten Arbeitstag und bezieht sich auch auf den Weg zur Arbeitsstelle und zurück nach Hause.

Und der gesetzlichen Krankenversicherung gehören sie kostenfrei über ihre Eltern an, wenn das Gesamteinkommen des Schülers regelmäßig 405 Euro monatlich nicht übersteigt, zusammen mit dem Entgelt aus einem Minijob muss die Grenze von 450 Euro monatlich beachtet werden. Liegt nur eine kurzzeitige Beschäftigung vor, ist egal wie viel ihr verdient.

Achtung! "Auf Steuerkarte“ kann (in Klasse I und IV) bis zu rund 918 Euro im Monat steuerfrei verdient werden. Versteuert der Arbeitgeber den Verdienst pauschal (mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag plus gegebenenfalls Kirchensteuer) und ist er bereit, die Steuer zu tragen, dann kann er für bis zu "18 zusammenhängende Arbeitstage" á maximal 62 Euro = 1.116 Euro steuerfrei an seinen Mitarbeiter auszahlen. Mehr als genug, damit der davon für den Rest der Ferien „Ferien“ machen kann. Doch aus Firmensicht ist die Übernahme der Steuer regelmäßig "unnötig" – wegen der zuvor erwähnten Möglichkeit der Schüler, den Arbeitsverdienst bis zu knapp 918 Euro "brutto" monatlich steuerfrei einstreichen zu können. Im Übrigen könnte sich ein Schüler, der wegen eines höheren Verdienstes steuerpflichtig geworden ist, die Abgabe im folgenden Jahr per Einkommensteuer-Erklärung vom Finanzamt meistens zurückholen.

Kindergeld

Keine Sorge brauchen sich volljährige Schüler hinsichtlich des ihren Eltern zustehenden Kindergeldes zu machen: Unabhängig davon, wie hoch ihr Arbeitsverdienst durch Ferienjobs ist – das Kindergeld wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Regelleistungen

Nebenverdienste von Schülern, die während der Schulferien erzielt werden, werden nur selten auf die Regelleistungen der Familie angerechnet, wenn die Eltern Bezieher von Arbeitslosengeld II sind. Für Schüler der Allgemein- oder Berufsbildenden Schulen, die noch keine 25 Jahre sind und keine Ausbildungsvergütung erhalten, wird ein als Arbeitnehmer erzielter Lohn nicht „bedarfsmindernd“ angerechnet, der 1.200 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigt. Ferner muss er „in den Schulferien in einem Zeitraum von höchstens vier Wochen“ im Jahr erzielt worden sein (auch aufgeteilt, nicht nur „am Stück“).

Wichtig: Diese Vergünstigung gilt nicht für die von Azubis erzielte Ausbildungsvergütung. Hierfür und für andere regelmäßige Einkünfte des Nachwuchses ist vorgesehen: Der Verdienst eines Kindes, das mit seinen Eltern in einer Hartz IV-Bedarfsgemeinschaft lebt, darf pro Monat nur bis zu 100 Euro komplett behalten werden. Von bis zu 800 Euro im Monat sind 100 Euro anrechnungsfrei, die restlichen 700 Euro aber nur zu 20 Prozent. Von einem 800 Euro Monats-Nebenverdienst bleiben deshalb nur (100 + 140 =) 240 Euro zusätzlich in der Familienkasse. Das ist dasselbe, als würden Mama oder Papa einen Nebenjob haben...

Schüler, deren Eltern Arbeitslosengeld I beziehen, brauchen sich keine Sorgen zu machen, gegebenenfalls „vergebens“ zu arbeiten: Ihr Verdienst beeinträchtigt die Leistungen der Arbeitsagentur für ihre Eltern nicht.

Stand: 16.07.2015 11:58 Uhr

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