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Service: Risiko Schlaganfall

mit Prof. Dr. Volker Limmroth, Neurologe

PlayEin Schlaganfallpatient in der Stroke-Unit
Service: Risiko Schlaganfall | Video verfügbar bis 05.02.2019 | Bild: WDR

In Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 270.000 Menschen einen Schlaganfall: Etwa 15 Prozent sind jünger als 50. Auch Kinder können betroffen sein. Etwa jeder fünfte Schlaganfall-Patient stirbt innerhalb von vier Wochen, mehr als ein Drittel innerhalb eines Jahres.

Ein Schlaganfall ist die häufigste Ursache von Behinderungen und die dritthäufigste Todesursache in Deutschland – nach Herzinfarkt und Krebserkrankungen. Kassen schätzen die Folgekosten von Schlaganfällen auf mehr als 10 Milliarden Euro pro Jahr. Trotzdem: Viele Schlaganfälle lassen sich durch richtiges Verhalten und Vorsorgemaßnahmen vermeiden.

Ursachen

Verstopfte oder „platzende“ Blutgefäße können einen Schlaganfall auslösen. Ein möglicher Grund: Arteriosklerose, bei der sich Ablagerungen an Innenwänden der Arterien festsetzen und sie so langsam verengen. Auch ein Blutgerinnsel aus dem Herzen bei Herzrhythmusstörungen kann eine Arterie verschließen und dadurch Durchblutungsstörungen des Gehirns hervorrufen. So entsteht ein plötzlicher Sauerstoff- und Nährstoffmangel in den Nervenzellen der betroffenen Gehirnregionen. Dies führt zur Beschädigung oder sogar zum Absterben der betroffenen Nervenzellen. In selteneren Fällen sind Blutungen im Gehirn Ursachen für einen Schlaganfall. Solche Blutungen können besonders bei durch Arteriosklerose und Bluthochdruck dauerhaft geschädigten Gefäßen entstehen.

Symptome

Ein Schlaganfall tut nicht weh und erwischt die Betroffenen meist ohne Vorwarnung. Zu den häufigsten Symptomen zählen halbseitige Lähmungen, Taubheitsgefühle, Gangunsicherheit (das Gefühl, auf eine Seite gezogen zu werden), Ausfallerscheinungen des Sprech- oder Sehvermögens (Doppelbilder) sowie Schluckstörungen. Im Gesicht können sich die Lähmungen durch einen herunterhängenden Mundwinkel oder eine gekrümmte Zunge bemerkbar machen. Oft gibt es schon Warnsymptome vor einem großen Schlaganfall wie z. b. vorübergehende Sehstörungen auf einem Auge.

Vorbeugung

Mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden. Neben Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen (erhöhter Cholesterinspiegel) fördern Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen das Schlaganfall-Risiko. Bei Frauen kann sich die Einnahme der Antibabypille zusätzlich negativ auswirken.

Wer das Risiko für einen Schlaganfall so gering wie möglich halten möchte, sollte sich viel bewegen, nicht rauchen und sich mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten gesund ernähren. Auch die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks und der Blutwerte vom Arzt ist zu empfehlen. Die Krankenkassen bieten Vorsorgeuntersuchungen an, auf die gesetzlich Versicherte ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre kostenfrei Anspruch haben.

Das richtige Verhalten

Da ein Schlaganfall nicht mit Schmerzen verbunden ist, neigen Betroffene, Angehörige – manchmal auch Ärzte – dazu, erst einmal abzuwarten. Ein fataler Fehler, denn in der Akutphase des Schlaganfalls zählt jede Minute. Treten verdächtige Symptome auf, sollte keine Zeit mit einem Anruf oder Besuch beim Hausarzt verschwendet, sondern sofort die Notrufnummer 112 gewählt werden. Die Gefahr, an einem Schlaganfall zu sterben, kann durch schnelle Behandlung in einer spezialisierten Schlaganfallstation („Stroke Unit“) halbiert werden. Darüber hinaus reduziert rechtzeitige Behandlung das Ausmaß einer bleibenden Behinderung drastisch.

Obgleich in Deutschland ein annähernd flächendeckendes Netz von Schlaganfallspezialstationen, spezialisierter Stroke Units vorhanden ist, wird dennoch nur fast die Hälfte aller Schlaganfallpatienten hier behandelt.

Akut-Behandlung

Liegt der Beginn der Symptome weniger als viereinhalb Stunden zurück, wird versucht, den Gefäßverschluss mit einer so genannten Lysetherapie (spezielles, blutverdünnendes Medikament) wieder aufzulösen. Bei Fällen, in denen die Lysetherapie nicht ausreicht oder die in einem Zeitfenster von sechs Stunden kommen, steht eine kathetergestützte Entfernung des Gerinnsels zur Verfügung (sog. Thromektomie, ähnlich einem Herzkatheter). In vielen Fällen bilden sich so die Beschwerden zurück, teilweise können Patienten sogar beschwerdefrei aus dieser Behandlung herausgehen. Nicht jeder Schlaganfall bildet sich wieder komplett zurück. Trotz schneller Hilfe gibt es immer wieder sehr schwere Verläufe.

Fünf Symptome im Vorfeld eines Schlaganfalls

Halbseitige Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühle, Sprach- und Verständnisstörungen sowie Sehstörungen Schwindelgefühle mit Unsicherheiten beim Gehen oder sogar Bewusstseinsstörungen treten häufig auf. Wer solche Körperreaktionen hat, sollte schnellstmöglich unter der Notrufnummer 112 den Rettungsdienst rufen.

Schlaganfall-Symptome überprüfen

Kann der oder die Betroffene ein gleichmäßiges Lächeln formen? Kann er beide Arme mit den Handflächen nach oben gleichmäßig in die Höhe halten? Einen einfachen Satz nachsprechen? Wenn die betroffene Person dazu nicht in der Lage ist, liegt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Schlaganfall vor. Doch auch wenn dieser Schnelltest kein eindeutiges Ergebnis zeigt, sollte so schnell wie möglich ein Arzt gerufen werden. Dieser kann einen Schlaganfall eindeutig feststellen und entsprechend handeln.

Weitere Informationen

www.kliniken-koeln.de/Merheim_Neurologie_Startseite.htm?ActiveID=1534

www.kliniken-koeln.de/Merheim_Neurologie_Akutzentrum.htm?ActiveID=1923

Literatur

  • Alexander Hartmann: Schlaganfall vorbeugen und behandeln – Risikofaktoren, Früherkennung und Erscheinungsformen, Südwest-Verlag 2007, ISBN-10: 3517082821, 6,95 Euro
  • Stefan Kiechl, Wolfgang Lalouschek, Wilfried Lang: Nach einem Schlaganfall, Holzhausen Verlag 2006, ISBN-10: 3854931301, 12,90 Euro
  • Brigitte Mohn, Monika Kirschner, Alexandra Panz, Tanja Dürdoth: Risiko Schlaganfall, Egmont-vgs-Verlagsgesellschaft 2005, ISBN: 3802516966, 14,90 Euro
  • Radaj, M; Müller U.; Bleiben Sie herzgesund, Herzlichst Dr. Mo, 2015; 160 S.,  ISBN: 9783830482390

Stand: 05.02.2018 07:37 Uhr

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