SENDETERMIN Mi, 07.03.18 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Ich habe Rücken

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

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Service: Ich habe Rücken | Video verfügbar bis 07.03.2019 | Bild: dpa

Unser Rücken besteht aus 24 Wirbeln, rund 150 Muskeln, zahllosen Sehnen und Bändern. Dazu kommt noch ein eigenes Nervensystem, das ebenso umfangreich ist wie das im Gehirn. Dieser filigrane, aber erstaunlich stabile Apparat gibt uns Halt und lässt uns Haltung bewahren. Die Muskeln sind die Motoren des Rückens, denn ohne Muskeln kann es zu Schmerzen, Haltungsschäden und Rückenschmerzen kommen.

Fakt ist, dass Rückenbeschwerden die häufigsten krankheitsbedingten Arbeitsausfälle bedingen, gefolgt von den psychischen Erkrankungen. Mehr als einmal im Leben hat jeder Mensch mal Rückenbeschwerden. Erstaunlich ist, dass 90 Prozent aller Fälle von Rückenschmerzen keine eindeutige Diagnose haben, sondern unspezifisch sind und keine klare Ursache haben.

Die meisten Rückenbeschwerden kann man mit einem Schnupfen vergleichen, der einen für kurze Zeit beeinträchtigt und dann genauso plötzlich weg ist, wie er angeflogen kam. Der Schmerz gerät in Vergessenheit und man findet schnell wieder zu seinen alten, nicht unbedingt rückengerechten Gewohnheiten zurück.

Das rächt sich oft in der Weise, dass die Rückenschmerzen nach ein bis zwei Jahren wieder auftreten. Es ist eben sehr schwer, sein Verhalten zu verändern, und wer keinen Spaß an der Bewegung findet, wird sich nicht langfristig dazu motivieren können. Erst wenn der Rückenschmerz einen wieder dazu zwingt, aktiv zu werden, überdenkt man sein Verhalten erneut. Der Weg vom Bewegungsmuffel zum Sportfan ist lang. darum ist es wichtig, etwas zu finden, was einem Spaß macht.

Die Ursachen für Rückenprobleme sind vielfältig, doch in den meisten Fällen ist Bewegungsmangel schuld, gefolgt von einseitigen oder schweren körperlichen Belastungen, aber auch psychische Überforderung und Stress können mögliche Gründe sein. Der zunehmende Leistungsdruck, Zeitmangel und die ständige Erreichbarkeit halten uns und unsere Rückenmuskulatur unter Dauerspannung und können langfristig zu Muskelverspannungen und somit zu Rückenbeschwerden führen.

Rund 85 % aller Rückenbeschwerden liegen keine krankhaften Prozesse zugrunde, das heißt, sie können durch gesundheitsorientiertes Verhalten vermieden werden. Regelmäßiges Muskeltraining  kräftigt  Bauch- und Rückenmuskulatur. Das macht den Rücken stark und beugt Rückenbeschwerden vor. Auch werden Konzepte zur Stärkung der physischen Widerstandfähigkeit gefordert. Die Stärkung der inneren Kraft, die einem hilft, auch den Rückenschmerz zu begegnen.

Wohltaten für den Rücken

Die richtige Sitzposition

Es gibt keine ideale Sitzposition. Die nächste Sitzposition ist immer die beste und der beste Stuhl ist der, auf dem man gerade nicht sitzt. Man sollte dynamisch sitzen: einmal aufrecht, dann wieder lümmeln, zurücklehnen, vorbeugen, zusammensacken, dann wieder durchstrecken. Eine starre Haltung mögen die Bandscheiben gar nicht, denn die Bandscheiben leben von der Bewegung.

Viel Bewegung

Die beste Arznei für den Rücken heißt: Bewegung. Ein täglich durchgeführtes Bewegungstraining fordert und stärkt die Muskulatur. Für einen lebenslang fitten Rücken geht es nicht darum, bestimmte Bewegungen zu erlernen, da es keine falschen Bewegungen gibt und jede Bewegung für die Rückengesundheit zählt. Wer mit Spaß aktiv ist, bleibt dabei und Bewegung kann zum Genuss werden. Man sollte natürlich bei starken Rückenschmerzen nicht gleich kilometerweit laufen, aber sich auch auf keinen Fall regungslos ins Bett legen und warten.

Auch im Alltag lässt sich einiges mehr an Bewegung erreichen: Lassen Sie öfter mal das Auto stehen und meiden Sie Rolltreppe und Aufzug. Steigen Sie zwei Stationen früher aus dem Bus und gehen Sie den Rest des Weges zu Fuß. Aber auch am Arbeitsplatz gibt es Bewegungstricks: Gehen Sie beim Telefonieren umher, gehen Sie selbst zum Drucker und zum Faxgerät. Machen Sie in der Mittagspause einen Spaziergang.

Vermeidung von Rückenschmerzen am Arbeitsplatz

Die meisten von uns bekommen ihre Rückenschmerzen nach stundenlangem Sitzen am Schreibtisch vor dem Computer oder abends vor dem Fernsehgerät.

Damit erst gar keine Rückenschmerzen aufkommen, sollte man sich alle 30 Minuten aufrecht hinsetzen oder aufstehen, die ausgestreckten Arme so weit wie möglich ausbreiten, sie soweit es geht nach hinten drücken, sodass man zwischen den Schulterblättern ein Ziehen verspürt. Diese Übung jeweils eine Minute ausführen, kurze Pause machen und wiederholen.

Das ist ein wunderbarerer Ausgleich gegen das stundenlange leicht vorgeneigte Sitzen. Oder einfach zum Telefonieren aufstehen und tief ein- und ausatmen.

Literatur

• Batrow, Kay; Schwachstelle Rücken
Trias Verlag 2014, ISBN: 9783830469025

Brunkhorst, H.: Rücken Qi Gong
 Trias Verlag 2015, ISBN: 9783132003118


Wolter T., Knoeller S., Berlis A., Hader C.: CT-Guided Cervical Selective Nerve Root Block with a Dorsal Approach
In: American Journal of Neuroradiology 2010 Nov;31(10):1831-6

Stand: 07.03.2018 11:50 Uhr

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