SENDETERMIN Mi, 24.01.18 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Gesundheit für die Schilddrüse

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

PlaySchilddrüse, Schilddrüsenuntersuchung
Service: Gesundheit für die Schilddrüse | Video verfügbar bis 24.01.2019 | Bild[1]: WDR

Schilddrüsenerkrankungen werden oft spät diagnostiziert, weil viele Symptome zwar typisch, aber kein Beweis für eine Schilddrüsenerkrankung sind. Da fast alle Organe von der Schilddrüse beeinflusst werden, können die Symptome ausgesprochen vielfältig und unterschiedlich ausgeprägt sein. Unter einer Fehlfunktion der Schilddrüse leiden etwa 33 Prozent. Frauen sind fünfmal so häufig betroffen wie Männer.

Schilddrüsenunterfunktion

Bei dieser Funktionsstörung wird dem Körper zu wenig Schilddrüsenhormon für seine Stoffwechselvorgänge zur Verfügung gestellt. Daraufhin können sich typische Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme, Haarausfall, vermehrtes Frieren, geringere Körpertemperatur etc. einstellen.

Ursachen für eine Unterfunktion der Schilddrüse:

  • Die häufigste Ursache ist die Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto. Unser Immunsystem entwickelt hierbei Antikörper, die die Schilddrüse angreifen und zu einer Unterfunktion führen.
  • Auch aus einer Schilddrüsenoperation kann eine Unterfunktion resultieren, da von dem verbliebenen Restgewebe nicht mehr genug Hormon produziert werden kann. Das ist natürlich davon abhängig, wie viel Organgewebe bei der Operation entfernt werden musste. Danach richtet sich neben dem Befinden des Patienten auch die Dosis der erforderlichen Hormongaben in Tablettenform.
  • Gleiches gilt im Prinzip nach einer Radiojodtherapie. Sie kommt zum Einsatz wenn autonome und übermäßig stimulierte Schilddrüsenzellen eine Überfunktion auslösen. Dabei werden zellzerstörende, radioaktive Substanzen verabreicht, die sehr zielgerichtet und nur auf Schilddrüsenzellen wirken.
  • In einigen Fällen kann eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion vorliegen. Hier wurde das Organ in der frühkindlichen Entwicklung nicht oder fehlerhaft angelegt. Eine nach der Geburt nicht erkannte Hypothyreose hätte fatale Folgen. Es würde sich ein irreversibler Intelligenzdefekt (Kretinismus) entwickeln.

Schilddrüsenüberfunktion

Typische Symptome sind starkes Schwitzen, Nervosität, erhöhter Blutdruck, Abnahme des Körpergewichts, Schlafstörungen, beschleunigter Herzschlag. Oft treten nur einzelne Symptome auf, so dass man nicht gleich an eine Schilddrüsenüberfunktion denkt. Auch kommt es vor, dass die Menge der ausgeschütteten Hormone schwankt. Dies macht es oft schwer, eine Schilddrüsenautonomie zu entdecken.

Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion:

  • In der Regel führt eine Schilddrüsenautonomie oder aber eine Autoimmunerkrankung vom Typ Morbus Basedow zu einer Überfunktion der Schilddrüse. Bei einer Autonomie haben sich Verbände von Schilddrüsenzellen dem eigentlich übergeordneten Regelkreis entzogen und sich selbstständig gemacht. Damit unterliegen sie nicht mehr den korrekten Steuerungsmechanismen. Wenn der betroffene Patient plötzlich einer höhergradigen Jodexposition ausgesetzt ist, geraten die autonomen Gebiete in der Schilddrüse außer Kontrolle. Sie produzieren so viel Hormone, dass es zu einer gefährlichen Schilddrüsenüberfunktion kommt.

Vergrößerung der Schilddrüse: Drüsenschwellung (lat. Struma)

Vergrößert sich die Schilddrüse, die im Normalzustand nach außen hin meist nicht sichtbar ist, über ein bestimmtes Maß hinaus, spricht man von einem Kropf oder einer Struma. Er entsteht meist durch einen Mangel an dem Hormonbaustein Jod in unserer Nahrung. Da es der Schilddrüse mit ihrer normalen Größe nicht gelingt, ihre Aufgabe weiterhin zu erfüllen, vermehren sich die einzelnen Schilddrüsenzellen bei Jodmangel und vergrößern sich, so dass die Schilddrüse zunehmend wächst.

Eine wachsende Schilddrüse bereitet im Allgemeinen keine Beschwerden, wenn sie eine bestimmte Größe noch nicht überschritten hat. Wenn die Schilddrüse größer wird, kann sich ein Kloßgefühl im Halsbereich verbunden mit Druckgefühl sowie Beschwerden beim Atmen und Schlucken entwickeln. Spätestens dann hat der Kropf Krankheitswert. Manchmal wächst ein Kropf in den Brustraum hinein. Er kann Luftröhre und Speiseröhre bedrängen und Atemnot, Heiserkeit und Beschwerden beim Schlucken verursachen.

LITERATUR:

Hainel, A.; Ermer, M.  Hotze, L.-A.; Schilddrüse in Balance; TRIAS VERLAG, 2015, 
ISBN 978-3-8304-6933-9;

Radjai, M.; Müller U.: Bleiben Sie herzgesund Herzlichst Dr. Mo, TRIAS VERLAG 2015,
ISBN:978-3-8304-8239-0

INFORMATIONEN:

Homepage der Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.

Stand: 24.01.2018 07:18 Uhr

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