SENDETERMIN Mi, 13.12.17 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Sicher durch die Erkältungszeit

mit Dr. Mohsen Radjai, Allgemeinmediziner

Service: Sicher durch die Erkältungszeit | Video verfügbar bis 13.12.2018 | Bild: WDR

In der kalten Jahreszeit fängt man sich schnell einen grippalen Infekt – im Volksmund auch Erkältung genannt- ein. Die ist selten wirklich schlimm, aber man fühlt sich ein paar Tage abgeschlagen und antriebsschwach.

Harmlose Erkältung oder doch Grippe?

Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Halsschmerzen, eventuell mäßiges Fieber, Kopf-, Glieder- und leichte Muskelschmerzen sowie Mattigkeit – diese Symptome sprechen für eine lästige in der Regel aber ungefährliche Erkältung. Wir fühlen uns schon etwas krank, meistens gehen wir aber trotzdem arbeiten und schonen uns nicht. Das ist ein Fehler, denn um eine an sich harmlose Erkältung auszukurieren, benötigt unser Körper Ruhe und Schonung.

Auslöser von Erkältungen sind Viren  und wenn die unser Körper nicht ausreichend bekämpfen kann, gelangen sie mit dem Blutstrom in unseren Körper und die inneren Organe. Dort können sie beispielsweise den Herzmuskel befallen und eine Entzündung verursachen, die die Herzleistung dramatisch verschlechtert.

Die Symptome einer echten Grippe sind von Beginn an dramatischer: die Betroffenen fühlen sich richtig krank. Beschwerden setzen oft so plötzlich und heftig ein, dass die Patienten sogar die Uhrzeit nennen können. Hinzu kommen plötzliche Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost und trockener, schmerzhafter Husten. Der Patient fühlt sich sehr abgeschlagen, müde und schwach. Oft treten auch Halsschmerzen, Schluckbeschwerden auf. Auslöser einer Grippe sind ebenfalls Viren, die sogenannten Influenza-Viren.

Ansteckung mit Grippeviren

Die Grippeviren werden in der Regel über Tröpfcheninfektion von einem Menschen auf den anderen übertragen, z .B. durch Niesen oder Husten. Auch eine Übertragung durch Kontakt der Hände ist möglich, daher ist häufiges Händewaschen unbedingt erforderlich. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit liegen ein bis drei Tage. Infizierte können in dieser Zeit schon andere Menschen anstecken. Eine Woche nach Krankheitsbeginn endet die Infektionsgefahr für andere.

Wann zum Arzt?

  • Wenn ich mich kranker fühle als sonst üblich und mich meiner Aufgaben nicht mehr gewachsen fühlen
  • Wenn ich mich nach zwei, drei Tagen statt besser eher schlechter fühle
  • Wenn das Fieber länger als 3 Tage dauert
  • Wenn Medikamente, die sonst wirken, nicht helfen

Behandlung

Gegen Fieber, Husten und Schnupfen gibt es zahlreiche Medikamente, die zum großen Teil rezeptfrei in den Apotheken verkauft werden. Diese sollten aber zurückhaltend angewendet werden, da die Reaktionen des Körpers auf die Infektion teilweise sinnvolle Abwehrmechanismen darstellen. Nur wenn das Fieber sehr hoch steigt (über 39 Grad Celsius) empfiehlt es sich, etwas dagegen zu tun. Aber auch dann müssen es nicht unbedingt Medikamente (z.B. Acetylsalicylsäure- oder Paracetamolpräparate) sein. Lauwarme Wadenwickel wirken ebenso gut und sind frei von Nebenwirkungen. Kinder sollten bei fiebrigen Erkrankungen nicht mit Medikamenten behandelt werden, die Acetylsalicylsäure oder ähnliche Substanzen enthalten. Diese erhöhen die Gefahr eines so genannten Reye-Syndroms, einer schweren Erkrankung von Gehirn und Leber, die tödlich verlaufen kann. Das Risiko ist zwar gering, lässt sich aber durch den Verzicht auf derartige Medikamente weiter reduzieren.

Vorbeugen

Es gibt viele einfache, aber wirksame Möglichkeiten, um das Ansteckungsrisiko für Atemwegserkrankungen zu senken. Dazu gehört, sich in der Grippesaison die Hände häufig mit normaler Seife (für ca. 30 Sekunden und auch zwischen den Fingern) zu waschen und sich nicht ins Gesicht zu fassen. Wer sich schon angesteckt hat, kann andere Menschen vor Ansteckung schützen, indem er es vermeidet, anderen die Hand zu geben, und benutzte Taschentücher schnell entsorgt. Wenn wir husten oder niesen müssen, sollte dies am besten in die Ellbeugen und nicht in unsere Hände erfolgen.

Eine US-amerikanische Studie lieferte einen wissenschaftlichen Beweis, dafür, dass wer regelmäßig Sport treibt und sich fit hält, im Herbst und Winter seltener eine Erkältung bekommt. Auch die Symptome sind nicht so stark ausgeprägt, wenn es einen gut trainierten Menschen dann doch einmal erwischt. Allerdings muss man sich für diesen Effekt an fünf oder mehr Tagen in der Woche ausreichend bewegen - und zwar mindestens zwanzig Minuten und so, dass man leicht ins Schwitzen gerät. Die Wissenschaftler führen diesen Effekt auf eine Aktivierung des Immunsystems zurück. (David Nieman (Appalachian State University, Kannapolis) et al.: British Journal of Sports Medicine, doi: 10.1136/bjsm.2010.077875)

Nasensprays oder -tropfen gegen Schnupfen können sehr erleichternd wirken. Da sie die Nasenschleimhaut abschwellen, indem sie die Blutgefäße verengen, kann man besser atmen und die Schleimproduktion wird verringert. So lässt sich auch das Risiko von Komplikationen wie Nebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen verringern. Allerdings müssen diese Mittel nach spätestens einer Woche abgesetzt werden, da sie die Schleimhaut extrem schädigen können: Eine regelrechte Abhängigkeit kann entstehen, im Extremfall sogar die so genannte „Stinknase“, bei der die Schleimhaut praktisch verwest.

Stand: 17.12.2017 18:11 Uhr