SENDETERMIN Sa, 24.03.18 | 16:30 Uhr | Das Erste

Weltspiegel-Reportage: SOS Südsee

PlayDie Marshall-Inseln
Weltspiegel-Reportage: SOS Südsee | Video verfügbar bis 24.03.2019 | Bild: NDR

Anflug auf Tarawa, die Hauptinsel von Kiribati. Spült der Klimawandel jemals Land von der Karte, dann hier – im Pazifikstaat an der Datumsgrenze. Die Menschen hier lebten lange am, mit und vom Wasser. Jetzt kämpfen sie gegen das Wasser. Uwe Schwering und das Team des ARD-Studios Tokio reisen an Orte, die die dort lebenden Menschen flüchten lassen. Für den "Weltspiegel" erzählen die Filmemacher deren Geschichten.

Maria Kabiriera knüpft Pflanzen-Matten und zählt nach, wie oft sie wegen der Fluten schon umgezogen ist: "Viermal haben wir unsere Hütten versetzt", erzählt sie. "Die Wellen sind direkt bis ins Haus geschwappt. Wir haben Angst, dass die großen Wellen wiederkommen und unser Heim zerstören." Der Ozean frisst die Insel auf. Bei Ebbe liegt der Küstensockel frei, eine Korallenwüste. Bis vor 15 Jahren standen hier noch Palmen am Strand. Die Palmen sind weg, der Strand auch, stellenweise über hunderte Meter.

Flucht nach Fidschi?

Hier oben in den Bergen auf Fidschi sollen die Menschen von Kiribati eine Zuflucht finden.
Hier oben in den Bergen auf Fidschi sollen die Menschen von Kiribati eine Zuflucht finden. | Bild: NDR / Uwe Schwering

Fidschi liegt drei Flugstunden entfernt. Fidschi ist nicht nur flach, hier gibt es auch Berge. Kiribatis Ex-Präsident hat auf Fidschi für knapp neun Millionen Dollar Land gekauft – für sein Volk. Das brachte ihm viel Publicity im Klima-Kampf und seinen Leuten ein Gefühl von Sicherheit. "Wir müssen uns doch überlegen: wohin?" sagt er. "Bauen wir Inseln, leben wir auf schwimmenden Inseln oder ziehen wir anderswo hin?" Er will sein Land evakuieren, wenn das Wasser steigt. Eine radikale Lösung. Denn wer Kiribati einmal verlässt, muss lernen, weit weg vom Meer neu zu leben. Etwa als Bauer im bergigen Tropenwald.

Die immer häufiger überfluteten Marshall-Inseln zu verlassen, ist für Staatschefin Hilda Heine keine Option. Zu viele Einwohner leben nach den Atomtests der US-Amerikaner seit den 1960er Jahren als Migranten im eigenen Land. Sie wissen, wie es sich anfühlt, heimatlos zu sein. Die steigenden Fluten bedrohen sie doppelt. Ihre Häuser werden fortgespült und der Beton-Sarkophag, der die strahlende Hinterlassenschaft der Amerikaner abschirmen soll, ist undicht, sodass Plutonium entweicht.

Mauern gegen das Meer

Trotzdem lässt sich Hilda Heine nicht unterkriegen. "Man kann ja leicht die Hoffnung verlieren – aber das können wir uns nicht leisten. Der Klimawandel raubt mir auch nicht den Schlaf. Ich denke positiv und sage: Wenn wir es schaffen können, dann lasst es uns tun." Die Staatschefin ist unermüdlich, wenn es darum geht, die Gefahren zu entschärfen und das Leben immer wieder neu an die steigenden Fluten anzupassen. Sie lässt Flutwälle und -mauern bauen, setzt auf Sandvorspülung und Landgewinnung.

Ein Film von Uwe Schwering

Stand: 22.03.2018 09:32 Uhr

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