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Südkorea: Die Nordkorea-Krise und die Waffendeals "Made in USA"

Südkorea: Die Nordkorea-Krise und die Waffendeals "Made in USA"

Südkoreas Soldaten, immer wachsam im Grenzgebiet. Kang Woon-woel war acht Jahre alt, als sie aus Nordkorea floh, im Ruderboot nur mit ihren Geschwistern.1950 im Krieg. Ihrer Enkelin Yoo-na wollte sie die Grenze zeigen. Denn im Norden leben vielleicht noch Verwandte, vielleicht sind sie auch tot – nicht herauszufinden. "Wir wollen die Wiedereinigung" oder "Eines Tages werden wir eins sein": Viele Wünsche nach Frieden hängen am Zaun, obwohl der Norden mit Atomwaffen droht. "Ich hoffe, dass Nordkorea endlich aufhört, in unserem Verhältnis so ein Chaos anzurichten", sagt Kang Woon-woel. "Immer, wenn etwas passiert, wenn die dort drüben wieder für Probleme sorgen, habe ich schlaflose Nächte. Natürlich kommt dann die Angst."

Kritischer Blick auf die USA

Schaulustige am Grenzzaun zu Nordkorea
Angst vor Krieg als Touristenattraktion: Von hier kann man nach Nordkorea blicken.

Angst vor Krieg als Touristenattraktion: Drüben hinterm Hügel ist Nordkorea. Auf der Aussichtsplattform wird Schulunterricht zum Live-Event, inklusive Kampfhubschraubern hinten am Himmel. Zum Schutz vor dem Norden sind Tausende US-Soldaten hier stationiert, doch über die USA denken viele kritisch. "Meiner Meinung nach ist Präsident Trump verrückt und unterscheidet sich nicht besonders von Kim Jong-un, die sind doch beide gleich", sagen sie. "Die USA sagen, sie sind unsere Verbündeten, andererseits schlagen sie doch wirtschaftlichen Profit aus der Krise. Das enttäuscht mich, so verhalten sich Verbündete nicht."

Kriegsgedenkstätte wirbt für Frieden

Friedensaktivistin AhnKim Jeong-ae
Friedensaktivistin AhnKim Jeong-ae wäre es am liebsten, Trump würde wieder ausgeladen.

Profite machen mit der Angst vor Nordkorea? Nur 50 Kilometer entfernt, in der Hauptstadt Soul und der angrenzenden Metropolregion, leben knapp 26 Millionen Menschen – fast die Hälfte aller Südkoreaner. Geschosse aus nordkoreanischen Kanonen von der Grenze bräuchten hierher nur zwei bis sechs Minuten. Die Kriegsgedenkstätte in Seoul wirbt für den Frieden. Mit allerlei Kriegsgerät aus 70 Jahren. AhnKim Jeong-ae blickt dem Besuch von US-Präsident Trump argwöhnisch entgegen. Denn solche Waffen seien für Trump Waren, und die Krise mit Nordkorea verschaffe ihm beste Verkaufsargumente. "Für mich ist Trump ein Geschäftsmann", sagt sie. "Sein außenpolitisches Ziel ist es Waffen an Südkorea zu verkaufen. Daher sehe ich ihn als sehr negativ, er betreibt eine Geschäftsstrategie für Waffenhandel." Am liebsten wäre der Friedensaktivistin: Trump ausladen, Staatsbesuch absagen.

"Je stärker die Spannungen, desto mehr Waffen kann Trump verkaufen"

Militärhubschrauber
Rüstungsexperten zufolge profitieren die USA von Waffen-Deals mit Südkorea und Japan.

Am Stadtrand von Seoul ist eine Militärmesse. Waffenanbieter aus 33 Staaten sind gekommen. Bei den Produkten "made in USA" sind auch Kampfjets vom Typ F-35. 40 Stück hat Südkorea geordert, schon unter Präsident Obama. Jetzt reist Trump durch Asien und ist auch in Japan. Tokio, noch ein Millionenballungsraum in Reichweite nordkoreanischer Atomraketen. Wenn sich Trump und Japans Ministerpräsident Abe treffen, geht es auch um Milliarden-Deals, sagt Rüstungsexperte Kosuke Takahashi. Trump heize deshalb seit Monaten bewusst die Krise mit Nordkorea an. Per Twitter kündigte Trump bereits an, Japan und Südkorea deutlich mehr High-Tech-Waffen verkaufen zu wollen. "Je stärker die Spannungen mit Nordkorea, desto mehr Waffen kann Trump an Südkorea und auch an Japan verkaufen, zum Beispiel das sehr teure 'Aegis'-Raketensystem", sagt Kosuke Takahashi. "Er ist Business-Mann, und schon seit dem Wahlkampf sagt er 'America first'. Das hat er sich zum Ziel gesetzt. Er will, dass US-Firmen Profite machen, darum geht es." Allein Japan plane Ausgaben von mehr als zwei Milliarden Euro. Auch für das "Aegis"-Raketensystem. US-Firmen wie Lockheed Martin, Boeing Defense oder Raytheon sind daran beteiligt und können sich über Aufträge aus Japan und Südkorea freue

Hoffen, dass der Frieden hält

Zurück in Südkoreas Grenzgebiet. Fünf Kilometer von Nordkorea entfernt verbringt Kim San-Lan als Rentner die meiste Zeit im Gemüsegarten. Davor war er Jahrzehnte als Soldat hier an der Grenze stationiert. Dass Trump im Dauer-Clinch mit Nordkorea sei, müssten sie hier im Süden leider aushalten. "Wer auch immer US-Präsident ist, regiert zum Wohl seines eigenen Landes. Daher bringen uns unsere Beziehungen zu den USA manchmal auch Nachteile. Aber das muss unsere Staatsführung verwinden, denn wir sind nun mal die Schwächeren." Mit diesem starken Verbündeten leben sie hier schon seit fast 70 Jahren, seit dem Korea-Krieg. Die Nachbarinnen sind zuversichtlich: Trump drohe mit Vernichtung, starke Worte, aber es seien eben nur Worte. "Obwohl ich mir manchmal Sorgen mache, fühle ich mich hier im Dorf sicher. Wir vertrauen darauf, dass Trump keinen Krieg anzettelt, wir werden hier weiter glücklich leben – so ein Krieg bricht ja nicht einfach so aus."

Die Krise schüren, aber gut dosiert, damit es nicht zum Äußersten kommt. Eine riskante Politik der USA, denn niemand weiß, ob die Diktatur im Norden auf Dauer mitspielen wird.

Autor: Daniel Satra, ARD-Studio Tokio

Stand: 05.11.2017 19:59 Uhr

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