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Ein Spitzenbeamter packt aus
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Bildunterschrift:
Panagiotos Karkatsoulis mit Mitarbeitern
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Für Panagiotis Karkatsoulis ist es heute ein richtig guter Tag: Der Professor für öffentliche Verwaltung trifft im Athener Akropolis-Museum seine Studenten und die zukünftige Elite der öffentlichen Verwaltung.
Für sie ist der temperamentvolle Professor ein Idol, denn seit fünf Jahren kämpft er gegen den aufgeblähten griechischen Verwaltungsapparat. Dass er von US-Amerikanern zum weltbesten Beamten gekürt worden ist, hat ihm und seinen Mitstreitern Rückenwind gegeben.
Panagiotis Karkatsoulis:
"Ich glaube, dass die junge Beamtengeneration uns aus der Krise führen wird. Denn sie alle sind bestens ausgebildet und sie vertreten eine andere Denkkultur. Und das ist der entscheidende Punkt."
Mit Karkatsoulis in das Ministerium für Verwaltungsreformen: Er ist Chef der Abteilung für strategische Planung und Projektorganisation. Seine Aufgabe: die Prüfung von über 5000 staatlichen oder vom Staat geförderten Ämtern, Instituten und Stiftungen. Das Ziel: optimieren oder schließen.
Die Verwaltungsangestellte Effi, ist seine wichtigste Verbündete.
Assistentin Effi:
"Ich habe hier etwas über ein Zentrum für chronische Krankheiten auf Kreta erfahren. Es gibt nur zwei Dokumente. Das eine ist eine Lohnzahlung für den Buchhalter - 1000 Euro."
Karkatsoulis:
"Und die 3000 Euro hier?"
Effi:
"Die sind für die monatliche Reinigung."
Karkatsoulis:
"Haben wir kein Budget, keinen Rechenschaftsbericht?"
Effi:
"Nein, auch keine Telefonnummer oder Adresse. Doch ihr Geld bekommen sie - vom Gesundheitsministerium."
Effi soll es nun bei den lokalen Behörden weiter versuchen.
So manches Mal scheint der weltbeste Beamte frustriert. Die Ministerien der Regierung blockieren, meiden die Öffentlichkeit. Das Jahrzehnte alte System der Vetternwirtschaft lebt weiter.
Panagiotis Karkatsoulis:
"Das alles ist politisches Kalkül. Denn die Voraussetzung für ein System des Klientelismus war und ist es, keine Belege, keine Beweise bei dem jeweils verfolgten Ziel zu hinterlassen. Und wenn man dann miteinander spricht, man versucht, gemeinsam Fortschritte zu organisieren, dann merkt man ganz plötzlich: 'Da geht was schief, es wird misslingen.' Es ist, als wenn du mit einem unsichtbaren Gegner kämpfst."
Wie Karkatsoulis haben auch wir uns auf die Suche nach einer typisch griechischen Institution gemacht und uns mit dem gemeinnützigen Forschungsinstitut für Zitrusfrüchte in der Provinz Korinth verabredet.
Die Provinz auf der Halbinsel Peloponnes ist ein wunderbarer Flecken Erde. Auf einem Hügel leuchtet malerisch das rote Dach des Instituts. Hier, auf 300 Hektar Grund, soll den Orangen und Zitronen zu neuer Vielfalt verholfen werden.
Der siebenköpfige Vorstand, mit Bürgermeister, zwei regionalen Gewerkschaftsmitgliedern und vier Beamten des Landwirtschaftsministeriums, will uns zeigen, was man so alles tut.
Doch wir treffen nur zwei einfache Angestellte. Der Präsident habe das Treffen mit der ARD im Institut leider absagen müssen, heißt es. Er sei an seiner Arbeitsstelle im Landwirtschaftsministerium unabkömmlich. Und, keine Interviews bitte! Aber wir dürfen uns umschauen.
Die Plantage scheint in einer wenig guten Verfassung. Viele Orangenbäume sind von einem Virus befallen - da gibt es nicht mehr viel zu forschen.
Wirklich überrascht sind wir aber erst beim Betreten des vom Landwirtschaftsministerium finanzierten Institutsgebäudes, denn, da ist ja fast gar nichts drin! Im Konferenzraum stehen zwar Bestuhlung und Tisch bereit, aber, beschäftigen kann einen hier allein der herrliche Blick auf das Meer.
Und schließlich die Laborräume: Hier wurde definitiv noch keine Zitrone filetiert und auf Geschmack, Aromen oder Schälverhalten untersucht.
880.000 Euro soll der Bau gekostet haben – und das für Staub, Spinnweben, gelbe Türen und gestrichenen Beton? Und wieso bezahlt das Landwirtschaftsministerium seit 14 Jahren die Gehälter für inzwischen fünf Beschäftigte? Was können die hier denn tun? Und warum darf ein Institut sich gemeinnützig nennen, wenn es doch eigentlich gar keinem nützt?
Was sagt Panagiotis Karkatsoulis zu unserer Entdeckung? Kann das denn der Alltag sein? Keine Ansprechpartner, keine ordentliche Buchführung und immer die Frage: Was passiert da wirklich?
Panagiotis Karkatsoulis:
"Ja, ich denke schon. Wir haben allein im Bereich des Landwirtschaftsministeriums 450 solche Rechtskörper identifiziert, und sie sind über das ganze Land verteilt. Wir überprüfen nun genau: Wer macht was? Zu welchem Zweck und welches Geld bekommen sie wofür?"
Und Karkatsoulis ärgert sich, kritisiert die Verantwortlichen, die nicht reformieren wollen:
Panagiotis Karkatsoulis:
"Ich denke, dass Öffentlichkeit doch ein Grundsatz der Transparenz ist. Und das gilt in allen westlichen Staaten. Warum sollten gerade wir davon ausgeschlossen sein?"
Karkatsoulis und sein Team werden weiter sammeln und planen. Doch sie bleiben abhängig vom guten Willen des Verwaltungsapparats. Deshalb fordern sie, dass die Europäer weiter Druck machen. Nur dann kann man das alte System der Vetternwirtschaft zur Reformen zwingen.
Panagiotis Karkatsoulis:
"Ich möchte hier bleiben und kämpfen. Aber, nun ja, ich bin natürlich auch nur ein Mensch und ich brauche ein paar Signale, dass die Dinge wirklich angestoßen werden, dass wir mehr Unterstützung bekommen."
Ans Aufgeben hat der weltbeste Beamte jedoch auch schon gedacht. Nur, Griechenland sei schließlich seine Heimat und die gibt man nicht so einfach auf.
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 07.10.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.