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Menschen auf dem Dach eines Güterzugs
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Einfahrt des Güterzuges, den man hier La Bestia – die Bestie nennt. "Willkommen in Ixtepec“, ruft Pater Solalinde. "Bei mir in der Herberge gibt es was zu essen.“
Sie sind vor Gewalt und Armut geflohen – aus San Salvador, Guatemala und Honduras.
"Seid vorsichtig!“
Ihr Ziel: Die USA. Arbeit.
Am Eingang der Herberge: Kontrolle auf Waffen.
Pater Solalinde empfängt die Migranten mit Respekt und Liebe, und das verlangt er auch von seinen Mitarbeitern. Er ist mit Herz und Seele Katholik. Für ihn heißt das auch politisches Engagement.
Die Migranten werden fotografiert und registriert. Wer im Archiv des Paters ist, geht auf der Weiterreise nicht verloren. Wer ein Problem hat, kann jederzeit anrufen und sich helfen lassen.
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Horror Zugfahrt
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Eine Nacht Erholung im Schlafsaal der Herberge. Die meisten fahren auf dem nächsten Zug weiter. Manche ruhen sich noch ein paar Tage aus, vor allem von der Angst.
Der nächste Zug: Drei Mal in der Woche kommt der Güterzug mit blinden Passagieren nach Ixtepec. 2400 Kilometer haben sie schon hinter sich seit dem Grenzübertritt von Guatemala nach Mexiko, illegal, ohne Papiere.
Die "Herberge der Brüder auf der Reise“ hat Pater Alejandro Solalinde 2007 gegründet. Da war er schon 62. Der Zug bestimmt seitdem den Rhythmus seines Lebens. Rückzugsgebiet ist seine Hängematte, ein Bett hat er nicht.
Jede Woche hält er Reden, streitet mit Politikern um den Schutz der Migranten. Politik ist die eine Mission, die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Herberge die andere.
Huhn und Ei gibt es jeden Tag. Pater Solalinde hat dafür Pedro, Landwirt aus Honduras, engagiert, gegen Kost, Logis und Taschengeld, alles finanziert aus Spenden. Auch er kam mit dem Zug – beim dritten Versuch.
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In dieser Halle wurden die Toten Einwanderer gefunden
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Das war noch Glück! Auf dieser Farm wurden 72 tote Migranten entdeckt, entführt von Banden der Drogenmafia. Sie verlangen Mitarbeit oder Telefonnummern von Verwandten in den USA, um Geld zu erpressen. Migranten sind Freiwild, werden gefoltert oder getötet. Dahinter stecken die mächtigen Drogenbarone Mexikos, die sich damit ihr Kleingeld verdienen.
Dass er sich da einmischt, hat der Politik und seiner Kirche noch nie gefallen. Schon gleich nach der Gründung wurde die Herberge von der Polizei im Sturm genommen, weil sie Illegale beschützt. Auch der Pater wurde mit Gewalt ins Gefängnis geschafft. Morddrohungen bekommt er regelmäßig.
Die eigene Angst zu überwinden ist für ihn die größte Herausforderung.
Am anderen Ende von Ixtepec liegt inmitten der Äcker der Friedhof. Etwa 25 tote Migranten, vom Zug gefallen, ermordet, sind hier namenlos begraben. Sie hatten es nicht mehr in die Herberge geschafft. Beto, die rechte Hand des Paters, zeigt uns das letzte Grab vom Tag zuvor.
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Pater Alejandro Solalinde
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Zurück in der Herberge: Huhn und Mole, eine pikante Paprika-Sauce, für bis zu 400 Gäste werden hier täglich zubereitet, finanziert aus Spenden, auch von Adveniat und Misereor aus Deutschland.
Die mexikanische Amtskirche tut sich dagegen schwer mit einem Solalinde, der auch international als Symbolfigur für die Kirche von unten gilt. Ein Kirchenrebell, der in seiner Jugend aus dem Orden flog.
Alltag in der Herberge der Brüder auf der Reise: warten auf den nächsten Güterzug nach Norden.
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Junges Paar auf dem Weg in die USA
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So viele Hoffnungen, so viele Träume. Das Pärchen aus San Salvador, sie 15, Schülerin, er 19. Maurer will er werden in den USA.
Nelly aus Guatemala: Drei erwachsene Söhne, die die Mutter auf den Zug setzten, damit sie ihnen irgendwann Geld aus den USA schickt.
Und Irene: In wenigen Tagen wird sie ein Kind in Solalindes Herberge gebären. Auch sie und ihr Mann sind auf der Flucht ausgeraubt worden.
Der Pater kämpft erfolgreich dafür, dass Migranten einen Anspruch auf Sicherheit haben und Verbrechen anzeigen können. Mittlerweile haben sie in Mexiko auch ein Recht auf gesundheitliche Versorgung.
Erst dann, sagt Pater Solalinde, könnte aus der Bestie wieder ein normaler Güterzug werden.
Autorin: Susanne Sterzenbach, ARD Mexiko-City
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 02.12.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.