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Die Idylle trügt. Goma, die Perle am Kivu-See. Hier werden die Rohstoffe des Ostkongo in alle Welt verschickt. Doch die Stadt kommt nicht zur Ruhe.
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Rebellen in Goma
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Zwar ziehen sich die Rebellen von M23, Abtrünnige aus der kongolesischen Armee, seit gestern aus der Wirtschaftsmetropole zurück, doch nur in die umliegenden Wälder und nur, weil das die Bedingung ist, um mit Präsident Kabila zu verhandeln.
Anders als andere Milizen, die hier seit fast zwei Jahrzehnten um Gold, Diamanten und seltene Erden kämpfen, geht es diesen Rebellen um mehr. Sie wollen den kongolesischen Präsidenten in die Knie zwingen.
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Vianney Kazarama, M23-Militärsprecher
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Vordergründig verlangen sie eine professionelle Armee und bessere Bedingungen für Soldaten, doch darüber hinaus fordern sie den Bau von Straßen, Schulen und Krankenhäusern. Alles das, was Präsident Kabila 2006 bei den ersten freien Wahlen den östlichen Provinzen versprochen hatte.
Für die Menschen in dieser rohstoffreichen Gegend ist es nicht das erst Mal, dass sie zwischen die Fronten von Milizen geraten und vertrieben werden. Dauernd liefern sich hier verfeindete Truppen Scharmützel und marschieren raubend und mordend durch die Dörfer: Milizen gegen Regierungssoldaten. Tutsi gegen Hutu. Denn, neben all den wirtschaftlichen Interessen, wird auch immer wieder der alte Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen geschürt, der im Nachbarland Ruanda zum Völkermord führte.
Kein Wunder also, dass die Menschen in den Flüchtlingslagern Angst haben. Richtigen Frieden kennen hier nur wenige, nur die Alten, die die Zeit unter Diktator Mobutu verklären, als es ihnen wirtschaftlich gut ging.
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Dominik Kayzer
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Der Kampf um die Bodenschätze wird auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen. Das beklagen die Hilfsorganisationen seit Jahren. Mit jeder Flüchtlingswelle errichten sie neue Lager.
Schätzungsweise 500.000 Vertriebene leben mittlerweile von den Zuwendungen der Helfer. Durch die jüngsten Gefechte sind noch einmal 100.000 Menschen dazu gekommen – für die internationalen Hilfsorganisationen ein weites Betätigungsfeld. Eine ganze Region am Tropf der Gebergemeinde in einer der fruchtbarsten Regionen Afrikas.
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Eine Familie aus Sake
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Diese Familie aus Sake, 30 Kilometer von Goma entfernt, ignoriert die Aufrufe der Hilfsorganisationen in die Dörfer zurückzukehren. Sie trauen dem vermeintlichen Frieden nicht.
Für diese kleine Familie aus Sake geht es ums Überleben. Jedes Maiskorn zählt.
Die Situation ist angespannt. Nach Tagen im Flüchtlingslager liegen die Nerven blank. Da wird um jedes Maiskorn gerungen.
Diese Frau soll mehr Mais bekommen haben, als ihr zusteht. Eine Diebin sei sie nicht, zetert sie.
Von der Hand in den Mund: Die meisten haben gelernt, sich irgendwie durchzuschlagen. Überlebensstrategien. Manche hier sind schon mehrmals vertrieben worden.
In ihrem Dorf, in Sake steht der Mais gut im Saft. Eigentlich könnten sie ihn jetzt ernten. Doch sie trauen sich nicht auf die Felder. Stattdessen fühlen sie sich hier zu Bettlern degradiert.
Rund um Sake wachse alles, schwärmen sie mir zum Abschied vor: Kakao, Kaffee, Bananen und Palmöl.
Wir fahren hin, 30 Kilometer über Holperpisten, um uns das anzuschauen. Im Umland haben sich die Rebellen eingenistet. Oben in den Bergen gibt es Gold, Diamanten und Koltan.
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Der Ort Sake
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Das kleine Örtchen Sake. Früher kannte man hier keinen Hunger. Doch jetzt sind fast alle Häuser verbarrikadiert. Das kleine Straßendorf wirkt wie ausgestorben.
Die Rebellen durchsuchen jeden, der durch das Dorf fährt.
Bananenstauden soweit das Auge reicht.
Nur Jean-Claude einer der Kioskbesitzer aus Sake hat sich zurückgewagt. Vorsichtig räumt er aus. Er ist mit einem Koffer voller Lebensmittel heimgekehrt. Zu mehr reichte das Geld nicht. Seine Regale haben Rebellen oder Regierungssoldaten leer geräumt. Er weiß es nicht.
Deshalb packt Jean-Claude auch nur einen Teil seiner Waren aus. Der Rest bleibt in seinem kleinen Koffer, damit er jederzeit mit ihm flüchten könnte.
Die Verunsicherung wird voraussichtlich auch noch bleiben, auch wenn die Blauhelme jetzt wieder auf Patrouille gehen.
Den Glauben an die internationale Schutztruppe haben die Kongolesen schon lange verloren. Dem Einmarsch der Rebellen nach Goma haben die UN-Soldaten machtlos zugeschaut.
Und auch jetzt können sie nur zusehen, wie sich die Rebellen im Umland von Goma mit ihren erbeuteten Waffen einrichten, um der geschwächten Zentralregierung ein paar Zugeständnisse abzuringen.
Autorin: Birgit Virnich, ARD Nairobi
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 02.12.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.