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Kenia: Wie Menschen und Tiere unter der Dürre leiden

Kenia: Wie Menschen und Tiere unter der Dürre leiden

Wenn die Kühe in die Stadt kommen, wissen die Kenianer: es ist wirklich schlimm. Als letzten Ausweg bringen die Maasai ihre Tiere nach Nairobi, das heißt die, die noch leben. Da, wo der Viehzüchter Williamson Parkirey herkommt, hat es seit Monaten nicht geregnet: "Es ist so anders hier als zu Hause. Es ist gefährlich für meine Kühe. Sie fressen ständig Abfall. Die Autos nehmen keine Rücksicht auf uns. Aber ich habe keine andere Wahl. Drei Viertel meiner Kühe sind schon gestorben und ich musste in die Stadt kommen, um wenigstens diese zu retten."

Williamson Parkirey
Williamson Parkirey

Drei Tage ist Parkirey mit seiner Herde gelaufen, schneller haben die erschöpften Tiere es nicht geschafft. In der Hauptstadt kommt eine Dürre meist später an. Wer weiter weg wohnt, sucht mit seinen Tieren Zuflucht in Nationalparks. Eigentlich sind das Schutzzonen für Wildtiere, aber wenn die Not so groß ist wie jetzt, haben die Viehhirten Ausnahmegenehmigungen. Auch in den Parks sind viele Wasserstellen ausgetrocknet. Patrick Kilonzo liefert Wasser für die Wildtiere im berühmten Tsavo-Nationalpark, seit es so trocken ist: "Nutztiere leben mit Menschen zusammen – wilde Tiere nicht. Bisher bin noch nie auf die Idee gekommen, Kühen oder Ziegen zu helfen, weil ich dachte, dass ihre Besitzer sich um sie kümmern."

Tierzählung in der Dürre

Ganz in der Nähe machen am nächsten Morgen Ranger und Tierschützer Flugzeuge startklar. Ausgerechnet in die schlimme Dürre fällt die turnusmäßige Zählung der Wildtiere im Tsavo-Park.

Martha Nzisa
Martha Nzisa

Martha Nzisa vom Kenya Wildlife Service erklärt ihre Arbeit: "Wir schauen uns alle Wasserstellen an. Wir zählen dort die Ziegen, Schafe und Rinder. Unser Hauptaugenmerk gilt aber den Wildtieren, speziell den Elefanten; die zählen wir alle, aber auch Giraffen und Büffel."

Mit Spannung und auch ein wenig ängstlich machen sie sich in diesem Jahr ans Zählen. Der Kenianer Frank Pope beobachtet die Entwicklung im Land mit Sorge: immer weniger wilde Tiere, immer mehr Menschen, Wilderei, Klimawandel… Die Auswertung wird Wochen dauern. Hier werden Tiere gezählt, dabei leiden Menschen Hunger, Existenzen stehen auf dem Spiel. Es klingt zynisch, dabei hat das eine mit dem anderen zu tun.

Frank Pope von der Hilfsorganisation "Save the Elephants": "Kenias Bevölkerung wächst rasant: 2050 werden es doppelt so viele Menschen sein wie heute, wir rechnen mit 80 Millionen. Dabei sehen wir jetzt schon, wie Druck auf das gesamte Ökosystem ausgeübt wird. Wir haben sehr viele Viehherden im Nationalpark gezählt, weil es so trocken ist."

Zunahme der Viehherden

Eine Viehherde
Eine Viehherde

Mit der Bevölkerung wachsen auch die Herden der Nomaden. Kühe und Ziegen sind ihr Bankkonto, ihre Speisekammer. Doch das Weideland wächst nicht mit.

Heute will der Viehzüchter Williamson Parkirey zu Hause nach dem Rechten sehen. Seine Kühe in Nairobi betreut so lange ein Freund. Mittlerweile ist es so trocken, dass die Frauen die Ziegen nur noch mit Zweigen der widerstandsfähigen Akazien füttern können.

Williamson Parkirey: "Die Zicklein sehen ein bisschen besser aus. Aber über den Berg sind sie noch nicht. Ein paar Ziegen behalten wir zu Hause, damit unsere Kinder Milch trinken können. Sie leiden am meisten unter der Dürre. Essen zu kaufen ist so teuer geworden!"

Eine Kuh bekommt Wasser
Eine Kuh bekommt Wasser

Parkirey besucht seine Cousine Mercy: sie hat es schlimm erwischt. Von 50 Kühen sind ihr zehn geblieben, drei davon liegen im Sterben. Der Kuh Elumpwani geht es besonders schlecht. Mit Wasser und Heu, das sie extra kauft, versucht Mercy verzweifelt, sie am Leben zu halten: "Ich kann sie doch nicht einfach schlachten! Sie hat mir sechs Kälber geboren und meine eigenen Kinder mit ihrer Milch ernährt. Wir Maasai und unsere Kühe, das ist Liebe. Sie sind unser Herz. Wenn unsere Kühe sterben, sterben wir mit ihnen."

Enge Verbindung zwischen Mensch und Tier

Wenn die Tiere verenden, sind auch die Menschen vom Hungertod bedroht. Die Lage in vielen Teilen Kenias ist verzweifelt. Und die Dürren kommen in immer kürzeren Abständen.

Williamson Parkirey: "Es macht mich wirklich traurig. Wenn ich die Macht hätte, würde ich Dürren stoppen. Dieses Klima macht uns kaputt, jedes Jahr mehr. Ich wünschte, es wäre wieder wie in meiner Kindheit. Da gab es noch genug Regen."

Aber die Macht, die Bevölkerungsexplosion oder den Klimawandel zu stoppen, hat der Viehzüchter Williamson Parkirey nicht. Er kann nur mithelfen, die sterbende Lieblingskuh seiner Cousine vor der stechenden Sonne zu schützen.

Autorin: Sabine Bohland, ARD Nairobi

Stand: 03.04.2017 16:11 Uhr

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