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Iran: Söldner für Assad

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Iran: Söldner für Assad | Bild[1]: dpa / picture-alliance

Mit eigenen Soldaten greift der Iran in keinen der Kriege im Nahen Osten ein. Aber er bezahlt und bildet aus, die Hisbollah im Libanon aber auch ganze Söldnerheere, die die Interessen des Iran in der Region militärisch durchsetzen, z. B. in Syrien auf der Seite von Assad.

Wir sind in Yazd, einer Stadt im Süden Irans. Beim Drehen sehen wir ein Poster, das auf eine Trauerfeier am Nachmittag hinweist. Es ist die Trauerfeier eines in Syrien gefallenen Märtyrers. Wir fahren hin. Hunderte sind gekommen, um zu trauern und um die Feinde zu beschimpfen: Tod Amerika, Tod Israel und Tod Saudi-Arabien. Man erzählt uns, der Mann, ein Afghane, ist einer von tausenden, die der Iran nach Syrien zum Kämpfen geschickt hat. Viele dieser Kämpfer kommen nur noch im Sarg zurück. Fatemiyoun nennt man sie. Offiziell heißt es, diese Miliz verteidigt einen schiitischen Schrein in Damaskus.

Rekrutierung von Flüchtlingen

Plakat mit Hinweis auf Trauerfeier für gefallenen Söldner
Plakat mit Hinweis auf Trauerfeier für gefallenen Söldner | Bild: SWR

Auf dem Teheraner Friedhof finden wir Dutzende Grabsteine von afghanischen Kämpfern auf denen steht: gefallen in Syrien: Homs, Aleppo. Drei Millionen afghanische Flüchtlinge leben in der Islamischen Republik, sie sind hier Bürger zweiter Klasse, anfällig für Rekrutierung. Ich frage afghanische Tagelöhner auf der Straße wie man sie hier im Iran rekrutiert, keiner will antworten. Ich spreche mit dem Bruder eines Gefallenen, vor die Kamera traut er sich nicht. Er erzählt mir, dass die iranische Revolutionsgarde, sowie die Basij-Milizen ihnen ein geringes Gehalt und eine Aussicht auf eine Aufenthaltsgenehmigung im Iran versprechen. Hoffnung auf eine Existenz geben.

Wir fragen einen, der der Revolutionsgarde nahesteht, einen Kenner der Islamischen Republik. "Das sind nur freiwillige Kräfte", meint der politische Analyst Ali Montazeri, "Kräfte aus Syrien und auch andere Freiwillige die nach Syrien geschickt wurden. Sie haben es geschafft den IS und andere Terror-Gruppen in Syrien zu bekämpfen. Wenn sie nicht gewesen wären, wäre die Situation jetzt ganz anders."

Der Iran ist seit Jahren im Syrien Krieg involviert. Politisch gewollt, aber offiziell kleingeredet. Jahrelang dadurch gerechtfertigt, dass sie nur militärische Beratung für Baschar al-Assad leisten. Inzwischen lässt sich ihre militärische Präsenz aber nicht mehr leugnen. Israel signalisiert mit Luftangriffen auf iranische Militärbasen in Syrien, ihre Expansion muss stoppen. Amerika droht wegen Irans Raketenprogramm, aber auch vor allem wegen seiner Einmischung in der Region, das Atomabkommen aufzukündigen.

Die Bevölkerung lehnt das Engagement ab

Ali Montazeri
Ali Montazeri äußert sich zum Atomabkommen | Bild: SWR

"Die Amerikaner behaupten, dass der Iran Verpflichtungen in Bezug auf die Region einzuhalten hat, das ist eine komplette Lüge", sagt der politische Analyst Ali Montazeri. "Denn das Abkommen beinhaltet für beide Seiten Bedingungen, an die sie sich alle halten müssen. Die Bedingungen die beide verpflichten, ist die Hauptvoraussetzung für das Bestehen oder Nichtbestehen des Atomdeals. Doch die Amerikaner picken sich einen kleinen Satz, der die Region betrifft, heraus. Doch der betrifft nicht die Verletzung des Abkommens von iranischer Seite."

Das militärische Engagement wird von einem Großteil der iranischen Bevölkerung abgelehnt. Sie protestierte schon vor Jahren auf der Straße gegen Irans Einmischung in der Region. "Ich opfere mich nur für den Iran", rufen sie. Heute sind viele von ihnen im Gefängnis oder im Exil. Nur noch als anonyme Anrufer hinterlassen sie in einem iranischen Radiosender im Ausland ihre Meinung: "Warum hat der Iran noch nie Bashar al-Assads Taten in Syrien verurteilt?" Ein anderer meint: "Die Zukunft Syriens gehört den Syrern sagen sie Herr Rohani? Die Syrer haben schon vor sieben Jahren gesagt, wir wollen Assad nicht. Sie sind es doch, die auf ihn beharren und die Syrer zahlen dafür mit ihrem Blut." Die Bevölkerung weiß, dass sie schon lange einen hohen Preis für die Machtambitionen der Islamischen Republik zahlen.

Natalie Amiri, ARD-Studio Teheran

Stand: 23.04.2018 13:22 Uhr

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