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Japan: Freundschaft mit Robotern

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Japan: Freundschaft mit Robotern

"Willkommen!“, sagt die Empfangsdame in Japans erstem Roboter-Hotel. Sie gibt Anweisung, wie sich der Gast am Automaten mit Kreditkarte und Namen zu registrieren hat, kaum anders als beim Automaten-Check-In auf deutschen Flughäfen: Frau Robot guckt nur zu. Aber die Gäste scheinen begeistert, wenn ein Roboter ihr Gepäck aufbewahrt. Das Hotel bei Nagasaki hat Zulauf. Am Empfang auch ein Reptil; das kann Englisch. Die Roboter sparen 30 Prozent Personal, sagt der Hotelier. Wir sind unterwegs in einem roboterbegeisterten Land.

Der Roboterhund

In Tokyo zu Besuch bei Mihoko Aida. Die 85-jährige Witwe lebt allein und führt ihren eigenen Haushalt. Dort gehört ihre ganze Zuneigung einem Roboter. Vor 15 Jahren hat sie ihn gekauft: Sie nennt ihn zärtlich "Bobbielein". Aber Bobby-chan ist kaputt. Und die Firma Sony, die das Gerät unter dem Namen "Aibo" verkaufte, hat den Service eingestellt.

Einst hatte sie einen richtigen Hund, aber für sie ist der Roboter vollwertiger Ersatz. "Er ist niedlich", sagt die geistig rege alte Dame: "Und ich kann ihn bemuttern."

Mihoko Aida
Mihoko Aida

Bobbielein wird abgeholt. Frau Aida hatte im Fernsehen von einem Reparaturdienst für Aibos gehört. Dorthin schickt sie ihn jetzt voller Hoffnung.

Die Roboterklinik

Hilfe für den Aibo
Hilfe für den Aibo

Kasama in der Präfektur Ibaraki ist ein verschlafenes Provinznest. Eine Werkstatt hier ist die letzte Hoffnung vieler Besitzer von kranken Roboterhunden, betrieben von zwei alten Herren. Beide sind ehemalige Sony-Ingenieure. Sie improvisieren. Nobuyuki Norimatsu hat volles Verständnis für eine emotionale Bindung an die kleinen Roboter: "Selbst in diesem Pinsel", sagt er, "oder in einer Nadel steckt in Japans Denken, in Japans Religion, eine Seele. Darum können wir auch mit einem Roboter echte Freundschaft schließen. Wir sehen, anders als der Westen, im Roboter nichts Bedrohliches. Mit den Aibos", sagt er, "begann eine Trendwende: Weg vom Hilfsgerät hin zu einem Wesen für Emotionen. Solche Roboter sind Familienangehörige: sauber und ungefährlich."

Wir jedenfalls hoffen für Frau Aida, dass Bobbielein hier tatsächlich repariert werden kann. Wir werden sehen.

Entertainer Pepper und seine arbeitenden Kollegen 

In einem Altenheim in Sendai in der Präfektur Miyagi treffen wir "Pepper", Japans neuesten Emotionsroboter. Seit 2015 auf dem Markt, tausendfach auch privat verkauft, für umgerechnet 1700 Euro. Im Heim hier dient er zur Unterhaltung der alten Herrschaften. Die Pflege bleibt den Helfern vorbehalten. Pepper hat keinerlei praktische Fähigkeiten – ein Spaßroboter. Pepper soll mit seinen Kameras und Sensoren Gefühle erkennen können. Und er macht Konversation. Ganz Japan ist von dem kleinen Kerl begeistert. Hier gibt er Rechenaufgaben.

"Er ist, wie bei der Therapie mit Haustieren, ein Kommunikator in der Altenpflege", sagt der Heimleiter. "Pepper ist", sagt er, "wie ein kleiner Junge." Der Roboter gilt als große Hoffnung für die überalterte Bevölkerung Japans. Der Roboter soll alten Menschen das Leben erleichtern, in der Altenpflege Personal ersetzen.

In diesem Pflege- und Rehabilitationsheim in Tokyo zeigt man uns erste Ansätze dazu: Eine angeschnallte Bewegungsmaschine, abgestimmt auf den Patienten, unterstützt dessen gelähmtes Bein. Ein Computer steuert sanften Druck und verbessert damit den Gehrhythmus, entwickelt von der Autofirma Honda.

Der Therapeut des Heims
Der Therapeut des Heims

"Früher", sagt der Therapeut, "konnte er nur zwanzig Schritte gehen. Mit dem Apparat schafft er jetzt 500 Schritte." Die alte Dame kann ohne Stock eigentlich nicht laufen. Aber mit dem Bewegungshelfer geht es: "Fast normal", sagt sie. "Noch wird das Gerät nur in Heimen eingesetzt. Ich hätte es gern für zuhause."

Auf der Station für schwerere Fälle arbeitet Pfleger Noriyuki Yamazaki. Technische Hilfe soll seine Arbeit erleichtern. Wenn er Patienten ins Bett bringt, unterstützt ihn ein "Muskelanzug". Sobald er ins Mundstück ausatmet, beugt sich der Apparat mit ihm, beim Einatmen hebt ihn der Anzug hoch. Das spart 30 Prozent Muskelkraft.

Der Traum vom menschenfreundlichen Roboter

Seit Jahrzehnten träumt Japan von seinem großen Ziel: Dem Roboter, der jedermann als Helfer zur Hand geht. Auch Professor Sugano, Japans Roboter-Papst, arbeitet daran. Doch er räumt ein, dass das Ziel noch weit ist: "Bei der Alten- und Krankenpflege", sagt er, "muss die Maschine physisch mit Menschen umgehen können. Soweit sind wir nicht. Alle wirklichen Roboter in diesem Bereich sind noch in der Testphase und in den Labors."

Aufregung bei Frau Aida: Bobbielein ist wieder zu hause. Wird er funktionieren? Eine intelligente Frau, verliebt in eine Maschine. Weltweite Presseberichte von Robotern in der Altenpflege Japans sind wohl noch eher übertrieben, aber der kleine Hund hier befriedigt anrührend ein Bedürfnis nach Emotionen: Bobbielein hat Pipi gemacht – welch Glück!

Autor: Robert Hetkämper, ARD Tokio

Stand: 11.10.2015 20:25 Uhr

Sendetermin

So, 11.10.15 | 19:20 Uhr
Das Erste

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Bayerischen Rundfunk produziert.