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Kuba: Was kommt nach Fidel Castro?

Kuba: Was kommt nach Fidel Castro?

Wenn Luis Adrian Betancourt heute durch die Straßen von Havanna läuft, kann er es immer noch nicht fassen: Er war einer von Fidel Castros Weggefährten: "Das ist ganz eigenartig, was gerade passiert: Jetzt ist er weg, aber es kommt mir gar nicht so vor, als wäre er gestorben."

Luis Adrian Betancourt
Luis Adrian Betancourt

Als junger Marinesoldat half Luis bei der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen in Kuba. In wenigen Minuten hätten sie die USA erreichen können – eine Provokation für den Erzfeind. Kubakrise! Die Welt stand kurz vor dem Atomkrieg. Luis Adrián Betancourt erinnert sich: "Ich habe zu ihm gesagt: Comandante, das ist aber ein ganz schön großes Risiko. Da antwortete er mir: Lerne folgendes: Im Leben muss das genauso sein. Wenn du nur eine halbe Sache machst, dann hätte es auch gar keine Revolution gegeben."

Idol für die Kubaner

Flagge auf Halbmast
Flagge auf Halbmast

Fidél Castro – Idol für viele Kubaner. Am Platz der Revolution in Havanna laufen die Vorbereitungen für eine Massenkundgebung am Dienstag. Dort wollen sie ihn noch einmal hochleben lassen. Ein Passant: "Er hat so vielen Ländern geholfen, afrikanischen, südamerikanischen. Er war eine wertvolle Person. Sein Tod ist ein unwiederbringlicher Verlust."

Bis zur Beisetzung am kommenden Sonntag wurde Staatstrauer verhängt. Konzerte, Partys und Sportveranstaltungen - abgesagt. Ansonsten geht das Leben ganz normal weiter. Vor allem in den touristischen Vierteln scheint es fast, als wäre nichts gewesen – nur ist es ruhiger ist es als sonst. Ein Tourist: "Wir sind wegen der Musik hergekommen und um zu Tanzen. Aber damit ist jetzt wohl nichts. Wir fliegen am Donnerstag zurück. Wird wohl nichts mit Tanzen und Party, wird eher eine ruhige Woche."

Bildung und Gesundheit für das Volk

Maria del Carmen Arbona
Maria del Carmen Arbona

Maria del Carmen Arbona war 33, als Fidel Castro mit seinen Rebellen in Havanna einzog. Sie ist ein Fan der ersten Stunde. Er habe Kuba gerechter gemacht, ermöglicht, dass ihre drei Kinder studieren können. Heute ist Maria 90, so alt wie Fidel. Dass er nun nicht mehr da ist – für sie unfassbar: "Ich erinnere mich, damals zur Revolution, in seiner Uniform, mit seinem Bart… Und ich sage immer: Wenn es Fidel nicht gegeben hätte, dann wären wir jetzt nur ein kleines Sternchen mehr auf der Fahne der USA."

Und dann fällt ihr noch etwas ein: Sie hat sich doch schon vor Jahren seelisch auf diesen Moment vorbereitet. Und zusammen mit ihrer Schwester ein Gedicht für Fidel geschrieben: "Wenn das Vergängliche vorbei ist, wirst du ein freundschaftliches Lächeln auf allen guten Lippen haben und einen Sockel des Ruhmes in jedem guten Herzen."

Unterdrückung der Opposition

Ein jubelnder Exilkubaner
Ein jubelnder Exilkubaner

Doch nicht alle Kubaner werden Fidel Castro in so guter Erinnerung halten, wie Maria, denn um den Sozialismus und seine Macht zu erhalten, ließ er Andersgesinnte und Gegner unterdrücken, einsperren, mundtot machen. Das ist das hässliche Gesicht der Revolution. Viele Kubaner versuchten zu fliehen, um jeden Preis, die meisten von ihnen in die USA: Für die Exilkubaner in Miami ist die Nachricht von Fidels Tod, auch zwei Tage später noch Grund zum Feiern. Ein junger Mann: "Ich feiere nicht den Tod eines Mannes, sondern den Beginn des Niederganges der Tyrannei, die mein Volk so lange unterdrückt hat. Ich kann euch nicht sagen, wie viele Menschen in Kuba, mit denen ich aufgewachsen bin, verhungern, wie viele Menschen leiden, wie viele Menschen im Militär umgebracht werden, weil sie versuchen zu fliehen. Das ist schrecklich."

In Kuba selbst hören wir nach Fidéls Tod kaum kritische Stimmen. Meinungsfreiheit und Pluralismus werden bis heute unterdrückt. Selbst die jungen Leute, Studenten, wie hier bei einer Mahnwache an der Universität in Havanna sind, zumindest nach außen auf Linie.

Und wie wird es nun weitergehen in Kuba, ohne den Maximo Lider? Maria del Carmen Arbona ist sich sicher: "Was passieren wird? Nichts! Fidel lebt, vielleicht nicht mehr körperlich, aber in der Seele der Kubaner. Und das ist, was zählt."

Autorin: Joana Jäschke, ARD Mexiko-Stadt

Stand: 28.11.2016 16:52 Uhr

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