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Myanmar: Ölförderung in Handarbeit

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Es wird früh Tag in Minhla. Der Geruch von Öl und Diesel steht in der Luft. Und zwischen der Armee aus Bambusstangen, Metallrohren und Planen erwacht langsam das Leben.

In sengender Hitze nach Öl bohren

Myanmar: Ölförderung in Handarbeit
Myanmar: Ölförderung in Handarbeit

Das Rattern der Generatoren ist Alltag. 24 Stunden am Tag, 7 Tage pro Woche. Tarnaka – Paste als Schutz gegen die Sonne. In ihrer Bambushütte bereiten sich Ma Myint Aye und ihre Tochter auf einen langen Tag in der sengenden Hitze vor. Ihr Mann ist schon seit fünf Uhr morgens draußen am Bohrloch. Ma Myint Aye aber nimmt sich noch ein paar Minuten Zeit. "Wir müssen sehr früh raus aufs Ölfeld, denn schon um neun Uhr wird die Sonne unerträglich", erzählt Ma Myint Aye.

Mit Sack und Pack sind sie vom Bauernhof der Eltern hierhergezogen, um nach Öl zu suchen. Eine Seilwinde, ein Generator. Ma Myints Mann Moe Win ist gerade 21 Jahre, aber schon seit vier Jahren Ölbauer. Die ganze Verwandtschaft hat zusammengelegt, damit er und Ma Myint sich die teuren Geräte leisten konnten. Inzwischen besitzen sie hier vier Bohrlöcher.

"Wir nutzen Luftdruck, um das Öl hier hochzupumpen. Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip. Aber je länger wir hier sind, desto tiefer müssen wir bohren, um noch an Öl zu kommen", sagt Moe Win.

Mit schwarzem Gold aus bitterer Armut

Myanmar: Moe Win bohrt seit vier Jahren nach Öl
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Zwischen all den Generatoren kommen Kinder zur Welt. Auch Ma Myint zieht hier ihre vierjährige Tochter auf. Kein idealer Ort zum Großwerden, gibt die 25-jährige zu, aber sie hat keine Zeit sich darüber allzu viele Gedanken zu machen. Denn das schwarze Gold, das sie hier fördert, verhilft ihr zu einem Leben jenseits bitterer Armut. "Wenn wir daheim die Felder unserer Eltern bestellen würden, hätten wir vielleicht so 1 oder 2 Dollar pro Tag. Das ist doch nichts", so Ma Myint Aye.

500 Dollar kosten die Rechte an einem Bohrloch. Viel zu viel für Zin Min Oo. Er kam deshalb vor einem Jahr mit seiner Frau als Tagelöhner hierher. Jetzt verdient er etwa 120 Dollar im Monat.

"Ich bin hier um reich zu werden. Irgendwann will ich ein glückliches Leben führen ohne Sorgen", sagt Zin Min Oo, Tagelöhner am Bohrloch.

Aus etwa 400 Metern Tiefe holt Zin Min Oo das Öl. An Arbeitsschutz denkt hier keiner. Es ist eine Welt mit ganz eigenen Regeln und die Behörden schauen einfach weg. Seit Jahrzehnten schon. Doch inzwischen wird es immer schwieriger noch Öl zu finden.

"Ich kann immer nur ein paar Stunden am Tag arbeiten, weil wir nach einer Weile nur noch Wasser aus dem Boden holen. Dann muss erst wieder Öl in das Bohrloch nachlaufen", sagt Zin Min Oo, Tagelöhner am Bohrloch.

Ein Leben wie zu Goldgräberzeiten im Wilden Westen

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Noch arbeitet Zin Min für einen anderen Ölbauern. Der das Öl dann an die Raffinerien in der Nähe verkauft. Doch der 21-jährige würde sich gern auch selbständig machen. "Eine Ölmühle ist richtig teuer, selbst eine gebauchte kostet um die 1.000 US Dollar. Ich werde wohl noch eine Weile sparen müssen, aber der Job hier ist auch erst mal ok. Viel einfacher als Feldarbeit", sagt Zin Min Oo, Tagelöhner am Bohrloch. Ein Leben wie zu Goldgräberzeiten im Wilden Westen. Und das 2018.

Die Mittagshitze ist jetzt unerträglich, doch noch keine Pause für Moe Win. Er hat sich Verstärkung von einem Kollegen geholt. In einem seiner Bohrlöcher ist ein Rohr stecken geblieben. Jetzt will er es mit einem Haken und einer Seilwinde wieder herausziehen. Auch hier draußen ist Zeit Geld.

"Es geht hier oft was kaputt. Die ganzen Teile müssen ja viel aushalten. Wir reparieren das alles selbst. Man wächst da so rein", so Moe Win.

Myint Aye kocht das Essen für ihre kleine Familie. Eine richtige Küche wie im Fernsehen wäre schön, sagt sie. Aber dieser Traum muss noch warten.

"Das Ölgeschäft schwankt. Manchmal machen wir auch Verluste. Es ist ein Auf und Ab ohne Garantien. Aber immerhin haben wir genug zum Leben und können unsere Familien unterstützen", erzählt Ma Myint Aye.

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Minhla – ein Ort der Träumer

Myanmar: Ölförderung in Handarbeit – tausende Ölbauern hoffen auf ein besseres Leben
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Gegen Abend lässt die sengende Hitze ein wenig nach. Die Nachbarn treffen sich, kauen zusammen Betelnüsse. Ein billiges Rauschmittel, das Zin Min Oos Frau in Blätter einrollt. "Ich hoffe, dass wir in ein paar Jahren genug gespart haben, dass wir hier wegkönnen. Ich würde so gern meinen eigenen kleinen Krämer-Laden aufmachen", sagt Maw Maw, Frau des Tagelöhners. Am Wegesrand treffen wir May Cho Win. Wenn die Ölbauern ihre Schicht beendet haben, geht sie mit Eimer und Lappen herum und saugt die Reste auf. Ihr Ältester gehe jetzt in die 9.Klasse. Damit die Familie sich das leisten kann, brauche sie jeden Cent.

"Wenn ich genug zusammen habe, dann koche ich die Flüssigkeit aus. So trenne ich Wasser und Öl. Und das kann ich dann verkaufen. Das bringt nicht viel, aber immerhin", berichtet May Cho Win.

Minhla ist ein Ort der Träumer. Ein Wassertrog statt Dusche. Moe Win wünscht sich ein richtiges Haus und einen SUV. Ein Leben in Wohlstand eben, jenseits des hastigen Essens in ihrer kleinen Hütte.

"Unsere Tochter soll mal werden können, was sie möchte. Vielleicht Ärztin. Das wäre doch schön", erzählt Moe Win.

Feierabend für die Glücksritter von Minhla. Morgen ist ein neuer Tag zum Arbeiten und Träumen.

Bericht: Sandra Ratzow / ARD Studio Singapur

Stand: 10.06.2018 20:00 Uhr

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