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"Weltspiegel" – Roter Tourismus

Chinas KP überlässt bekanntlich nichts dem Zufall. Ver-brämt in kommunistische Propaganda wird deshalb in ei-nem eigens dafür eingerichteten Freizeit- und Vergnü-gungspark in Wuxiang in der Provinz Shanxi dem Geschichtsverständnis der eigenen Bevölkerung auf die Sprünge geholfen. | Bild: NDR

Chinas KP überlässt bekanntlich nichts dem Zufall. Ver-brämt in kommunistische Propaganda wird deshalb in ei-nem eigens dafür eingerichteten Freizeit- und Vergnü-gungspark in Wuxiang in der Provinz Shanxi dem Geschichtsverständnis der eigenen Bevölkerung auf die Sprünge geholfen.

Weil der Widerstand gegen die japanische Besatzungsarmee im Zweiten Weltkrieg noch immer eines der Lieblingsthemen der Führung ist, darf dort jetzt hemmungslos selbst Krieg gespielt werden – auch gern mal im Rahmen eines Betriebsausflugs. Diese Gruppe hat für das fiktive Kriegstreiben die grauen Uniformen der Chinesen ergattert.

Die andere Gruppe hingegen windet sich in den ockerfarbenen Jacken der Japaner.

Der Herr von der Tourismusbehörde sagt: „Wir bringen den Besuchern bei, welche Schlachten die Armee damals schlagen musste, sie sollen diesen Teil unserer Ge-schichte nie vergessen. Wir wollen, dass die Menschen wissen, wie wertvoll der heutige Frieden ist."

Die Exkursion in den Krieg führt die die Bänker zum Balanceakt. Sie mühen sich über eine Hindernisbahn. So sollen sie erahnen, wie hart das Training der Guerillakämpfer damals war.

Der Japaner als Feind – die Partei wird nicht müde, ihr Volk nationalistisch anzustacheln.

Ein Teilnehmer sagt: "Mich inspiriert das hier – wir sollten dem Geist der Revolutionäre folgen, die damals einen entbehrungsreichen Kampf ausfochten."

Auch die Kleinen nehmen an der Zeitreise in den Krieg von vor über 70 Jahren teil. Es ergibt sich ein groteskes Bild, wenn ein kleines Mädchen im Anti-Japaner-"Schießbudenplatz" mit der Waffe kämpft.

Das skurrile Freizeiterlebnis endet mit dem obligatorischen Foto. Dabei darf die Parteifahne nicht fehlen.

Die Exkursionen in diese 'roten Tourismusstätten' sind also staatlich erwünscht. Sie werden sogar gefördert, um die 'revolutionäre' Gesinnung zu stärken.

Wuxiang ist eine Pilgerstätte für den roten Tourismus. Hier war die 8. Marscharmee einst stationiert. Mao adelte die Region schon 1951 als leuchtendes Beispiel für revolutionäre Tradition.

So kennt die Propaganda viele Facetten, so auch eine Aufführung. Die Geschichte: Die Dorfbevölkerung begehrt gegen die japanischen Unterdrücker auf und gemeinsam mit den Truppen der 8. Marscharmee werden die Japaner geschlagen.

Am Ende steht die Siegesparade – eine kommunistische Propagandashow.

Von offizieller sollen die Chinesen auf unterschiedliche Weise den Frieden schätzen lernen. Vielmehr ist das Ziel jedoch, der Bevölerkung klar zu machen, wie wertvoll das heutige Regime ist.

"Sie sollen diesen Teil unserer Geschichte nie vergessen." Doch der Spaß an Waffen und das klar defintierte Feindbild unterstützt vielmehr einen ewigen Krieg.