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USA - Wohin swingt Florida?

Markt in Plant City, Florida (Bild: NDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Markt in Plant City, Florida. ]
In Sachen Obst macht ihm keiner was vor. Jeden Morgen kommt Jim Meeks auf den Großmarkt, gemeinsam mit Jim junior. Vater und Sohn führen gemeinsam einen Laden für Obst und Gemüse. Einig sind sie sich dennoch selten - ob es nun über die hohe Politik geht oder einfach nur übers Familiengeschäft. "Unsere Kunden wollen vor allem günstige Produkte. Ich würde lieber auch Bio-Produkte anbieten, aber das ist dann teurer. Trotzdem, ich möchte das machen", sagt der Junior. "Ach, das klappt doch nicht, das kaufen nur Yuppies. Die finden es cool, bio zu essen", sagt der Senior.

Bekannt für politische Treffsicherheit

Cool ist hier kein Kompliment. In Plant City passiert eigentlich selten etwas. Selbst die Züge fahren nur noch dran vorbei. Bekannt ist das Städtchen für seine Erdbeeren, die in vier Wochen reif sein werden und für die politische Treffsicherheit seiner Einwohner. Die wählen nämlich traditionell genau so, wie die große USA. Und sie sind zudem unberechenbar:

"Wir haben hier so viele Wechselwähler, die ein Kandidat gewinnen kann. Viele lassen sich gar nicht für eine Partei registrieren, wählen aber doch. Oder sie sind für eine Seite registriert, wählen aber spontan anders. Die Menschen hier wählen eher Personen, als Parteien", sagt Politikwissenschaftlerin Susan MacManus.

Extra-Video: Interview mit Susan MacManus in voller Länge (engl.):

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Obstladen der Meeks eine Legende

Obsthändler Jim Meeks Junior Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Obsthändler Jim Meeks Junior. ]
Deshalb ist das kleine Plant City ein großer Punkt auf der politischen Landkarte, der Obstladen der Meeks sogar eine Legende. Denn Kandidaten, die in Plant City Wahlen gewinnen wollen, müssen persönlich vorbeischauen, um die Wechselwähler zu überzeugen. Und hier machen sie gerne Pause.

Es heißt, keiner wird Präsident, der nicht den berühmten Erdbeermilchshake der Meeks getrunken hat. Bei Obama hat es funktioniert. "Seine Leute kamen inkognito in den Laden, wie normale Kunden. Und dann fragten sie, ob er in zwei Stunden kommen kann“, erinnern sich die Meeks. "Jim rief mich an und sagte - willst Du Obama sehen, dann komm ganz schnell. Wir hatten so viel Glück - ein Foto unserer Tochter mit dem künftigen Präsidenten!"

Krise macht Wähler unberechenbar

Die Krise trifft viele Menschen hier hart, sie sind enttäuscht - und laut Umfragen deshalb noch unberechenbarer. Jim junior aber, jahrelang republikanisch wählender Klein-Unternehmer und Bush-Anhänger, wechselte zu den Demokraten. Seinem Vater hat er es erst verheimlicht, inzwischen steht er offen dazu: "Die Republikaner werden immer radikaler bei Themen, die mir wichtig sind - Recht auf Abtreibung zum Beispiel, oder ihre Einwanderungspolitik. Das kann ich nicht mehr mittragen."

"Dann wählen wir den eben wieder raus"

Mitt Romney auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida (Bild: picture alliance / dpa) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Mitt Romney auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida ]
Ein Kleinunternehmer, der Demokrat wird - in Florida ist dies nicht selten. Und in die andere Richtung gibt es auch Überraschungen. Wir treffen Gregory Brwon. Sein geliebtes Motorrad muss er verkaufen, die Krise hat alle Ersparnisse geschluckt. Seine Frau ist krank und bekommt staatliche Hilfe, er findet Jobs auf dem Bau, über die Gewerkschaft.

Er ist ein Obama-Stammwähler - möchte man meinen, doch von wegen: "Der Typ joggt zum Sprecherpult und plustert sich auf. Ich will das nicht mehr, der Nächste soll die Dinge ernst nehmen. Das geht vielen so, und wenn einer es nicht bringt, dann geben wir dem anderen eine Chance. Und wenn der es nicht hinkriegt, dann wählen wir den eben wieder raus.“

Nach vier Jahren haben sie hier, in dieser ärmlichen Nachbarschaft, keine Geduld mehr. Und sind doch gespalten. Mitt Romneys Aussage, dass Prozent der Amerikaner ohnehin keine Steuern zahlten und keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen, hat Obama hier Punkte gebracht. Die meisten hier zählen zu genau dieser Gruppe, fühlen sich von Millionär Romney verachtet.

Selbst Gregory ist irritiert: "Ich weiß nicht, warum er so etwas sagt. Ich will das nicht zu persönlich nehmen, er wird seine Gründe haben Naja, er ist halt der einzige, der gegen Obama antritt. Und wir brauchen einen Wechsel." Den Fernsehkanal wechseln sie gar nicht mehr – die konservativen Fox News liefern den Browns alle Analysen und Meinungen, die sie hören wollen. Zumindest diese beiden scheinen jetzt schon entschieden zu sein.

Bezirk politisch exakt geteilt

Einen Milchshake würde Jim Senior Barack Obama geben, und höflich mit ihm plaudern - so wie schon vor vier Jahren. Und wer weiß, vielleicht wechselt sogar er noch mal die Seiten: "Wenn einer einen besseren Job macht, wähle ich den - auch wenn er unabhängig oder gar Demokrat ist. Das habe ich sogar schon bei Kongresswahlen gemacht - zum Beispiel bei Richtern oder Senatoren. Man wählt doch jemanden nicht, nur weil er in der falschen Partei ist. Ich finde, das sollte jeder so tun!“

Jim junior hofft jedenfalls, dass sein Favorit noch auftaucht, gut zwei Wochen sind es ja noch. In aktuellen Umfragen ist der Bezirk politisch exakt geteilt. Und weil das hier wirklich etwas bedeutet, bereiten die Parteien jetzt schon das gerichtliche Nachspiel vor: "Die Republikaner beobachten genau, ob sie ein knappes Ergebnis wegen Wahlbetrugs anfechten könnten – wenn zum Beispiel irgendwo Ausländer oder Tote auf die Wählerlisten geraten. Und die Demokraten bereiten auch schon Klagen vor - sie würden argumentieren, dass neue Wahlgesetze Vertreter von Minderheiten benachteiligt haben“,  erzählt Susan MacManos von der Universität Süd-Florida.

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass wegen Florida Gerichte über ein Wahlergebnis entscheiden müssen. Schon Al Gore hat so gegen Bush verloren. Vielleicht schauen wir alle bald wieder nach Plant City, dem Städtchen, das nur auf den ersten Blick so harmlos wirkt.

Autorin: Karin Dohr, ARD-Studio Washington

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 18.11.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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So, 18.11.12 | 19:20 Uhr