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China: Olympia 2022 in Peking? Skifahren am Fuß der Großen Mauer

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China: Olympia 2022 - Skifahren am Fuß der Großen Mauer
Vater mit seiner Tochter in Zhangjiakou im Schnee
Schneevergnügen in Zhangjiakou.

Skifahren ist ein relativ neues Hobby in China, das sich die Mittelschicht in Peking gerne leistet: raus aus der Großstadt, bessere Luft, Spaß und Ablenkung. Gute drei Stunden fährt man von Peking in das Skigebiet von Zhangjiakou.

Wang ist Architekt, seine Frau arbeitet in der Personalabteilung eines Unternehmens - sie lernen Skifahren im Alter von 40 Jahren. So oder so ähnlich haben die meisten in China begonnen. "Als absolute Anfänger fahren wir ganz langsam, aber wenn man nicht bremst, wird es trotzdem sehr schnell. Ein paar Freunde von uns haben sich schon richtig verletzt, ich habe auch ein bisschen Angst, wenn es schnell wird", erzählt Wangs Ehefrau. 

Wintersport steckt noch in den Kinderschuhen

Der Wintersport steckt in China noch in den Kinderschuhen, bald aber könnte er großen Auftrieb erfahren: Peking bewirbt sich gemeinsam mit Zhangjiakou um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022. 

Es ist klirrend kalt in Zhangjiakou. Am frühen Morgen sind es minus 18 Grad, aber es ist auch sehr trocken. Schnee fällt so selten, dass alle Pisten zum großen Teil aus Kunstschnee bestehen. Im Nachbartal sollen die nordischen Skisport- und Biathlon-Wettkämpfe stattfinden. Auch hier - weit und breit kein Schnee. Aber die Organisatoren sind zuversichtlich, dass sie das Problem lösen können: "Wir müssen verhindern, dass so etwas wie in Vancouver passiert, wo die Winterspiele wegen des Schneemangels stark beeinträchtigt wurden. Also brauchen wir fortschrittliche Technologien, wie sie zum Beispiel in Europa schon genutzt werden, wo man den Schnee des letzten Winters sammelt für die Wettkämpfe im nächsten Jahr", erklärt Zhang Chunsheng vom Organisationskomitee.

"Es wird eine China-Miniatur"

Logo für die Bewerbung Pekings um die Olympischen Winterspiele 2022
Die Chancen, den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2022 zu erhalten, stehen für Peking gut.

Ganz in der Nähe der Skipisten und Loipen soll das Olympische Dorf entstehen. Noch wohnen hier Bauern. Die werden dann umgesiedelt und entschädigt, erklärt der Vertreter des Organisationskomitees. Mehr als 90 Prozent seien für die Olympischen Spiele, weil sie sich neue Verdienstmöglichkeiten erhofften. Herr Zhang hat eine Vision: "Wenn Sie 2020 wiederkommen, wird es hier ganz anders sein. Dann sehen Sie an dieser Stelle eine hübsche kleine Stadt, in der man seine Ferien verbringen kann, sie wird einen großartigen Eindruck machen. Es wird wie eine China-Miniatur, ein Ort, der sich mit hoher Geschwindigkeit entwickelt." 

Zhangjiakou ist gute 50 Kilometer von den Skigebieten entfernt. 900.000 Menschen leben hier, eine kleine Altstadt ist geblieben. Sollte sich das IOC im Juli für China entscheiden, wird man sich den Namen merken müssen.  Insgesamt gibt es in den Bergen schon vier Skigebiete mit 69 Kilometern Piste und 82 Abfahrten. Die Zahl der Skitouristen steigt rasant, zuletzt um 40 Prozent im Jahr.

Skifahren in China ist teuer

Snowboarder
Snowboarder

Gao Xiaoping und ihr 22-jähriger Sohn Xu Yefeng kommen regelmäßig. Er fährt seit fünf Jahren, seine Mutter seit drei. Und sie können nicht mehr davon lassen. Xu will nach seinem Studium sogar sein privates Vergnügen in den Vordergrund rücken. Eine Spaßgeneration wächst nun auch in China heran: "Ich mache meinen Abschluss in Finanzwissenschaften, aber mir gefällt Skifahren besser. Also will ich erst einmal mein Hobby ausleben und hier einen Job suchen, bevor ich mich um eine richtige Arbeit kümmere." 

Wintersportler an der Weltspitze gibt es in China nur in wenigen Disziplinen - Alpinski gehört nicht dazu. Der Nachholbedarf ist zu groß. Die meisten haben erst als Erwachsene fahren gelernt wie Gao Xiaoping mit 56. Jetzt träumt die Ärztin vom Skiurlaub im Ausland: "Wir haben gerade eine Zeitschrift gekauft mit den besten Skigebieten weltweit. Da gibt es welche in Neuseeland, in der Schweiz, in Japan, in Frankreich und in Kanada. Ich glaube, ich fange mit Kanada an."

Skifahren in China ist teuer, die Tageskarte in diesem Skigebiet kostet umgerechnet 70 Euro, dazu kommen die Anreise und gegebenenfalls die Leihgebühr für die Ausrüstung. Ein Sport für gutverdienende Großstädter: Die Olympischen Spiele würden helfen, den Wintersport beliebter zu machen. Vor allem aber wäre der Zuschlag für China ein Riesen-Propaganda-Erfolg und die Chance, sich erneut als aufstrebendes und bedeutendes Land zu präsentieren.

Autorin: Ariane Reimers, ARD-Studio Peking

Stand: 05.01.2015 09:34 Uhr