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Paradise Papers: Ein Datenleck erschüttert die Offshore-Welt

Paradise Papers: Ein Datenleck erschüttert die Offshore-Welt

Sie haben ein Jahr lang recherchiert, einen riesigen Datensatz ausgewertet: 13,4 Millionen Dokumente. Reporter von NDR, WDR und "SZ" zusammen mit 400 Journalisten weltweit. Die Daten stammen zum größten Teil von der Anwaltskanzlei Appleby. Sie zeigen, wie Superreiche und Konzerne Gewinne in Steueroasen verschieben. Das Ziel: Keine Steuern zahlen, Geschäfte verschleiern. "Wie bei den Panama Papers geben die Appleby-Daten Einblick in das Leben von Reichen, wie sie Reichtum anhäufen und sichern", erklärt Mike McIntire von der "New York Times". "Es geht nicht so sehr um Illegales, vielmehr darum, wie sie Steuern ganz legal vermeiden. Das ist eigentlich noch empörender als kriminelle Energie."

Eine Spur führt direkt an Trumps Kabinettstisch

Mike McIntire
Mike McIntire hat für die "New York Times" eine besonders heiße Spur verfolgt.

Mike McIntire hat eine besonders brisante Spur verfolgt. Die Daten führen direkt an den Kabinettstisch des US-Präsidenten. Zu einem alten Freund von Trump, Milliardär und Handelsminister Wilbur Ross. Bei ihm geht es offenbar nicht um Steuertricks, sondern darum, wie man seine Geschäfte verschleiern kann. "Das interessante an Ross ist, dass große Teile seines Geschäftsimperiums auf den Cayman Islands angesiedelt sind", sagt Mike McIntire. "In den Appleby-Daten haben wir dort mindestens 60 Firmen gefunden, die mit ihm in Verbindung stehen, einige auch auf den Bermudas."

Kompliziertes Firmengeflecht

Schiff der Reederei Navigator
Die Reederei Navigator betreibt eine Flotte von Transportschiffen für Flüssiggas.

Bevor Ross als Handelsminister vereidigt wird, stößt er zahlreiche Unternehmensbeteiligungen ab. Denn seine privaten Geschäfte könnten zu Interessenskonflikten führen, wenn er als Minister wirtschaftspolitische Entscheidungen trifft. Einige Beteiligungen auf den Cayman Islands aber behält Ross. Darunter vier Briefkastenfirmen, verwaltet von der Kanzlei Appleby. Über ein kompliziertes Firmengeflecht ist Ross indirekt beteiligt an Navigator. Die Reederei betreibt eine Flotte von Transportschiffen für Flüssiggas. Einer der wichtigsten Kunden: der russische Energiekonzern Sibur. Und da ist man dann schon ganz nah an Wladimir Putin. "Sibur ist eine faszinierende Firma", erläutert Mike McIntire. "Sie ist so organisiert wie russische Firmen das klassischerweise sind: Die drei Haupteigentümer sind politisch miteinander verbandelte russische Oligarchen." Einer der Teilhaber: Gennadi Timtschenko, ein Freund des russischen Präsidenten. Besonders heikel: Seit der Krim-Annexion ist Timtschenko mit US-Sanktionen belegt. Auch er hält Anteile: Kirill Shamalov, Russlands jüngster Milliardär und mutmaßlich der Schwiegersohn Putins.

Ross spielt Interessenskonflikt herunter

Interessante Geschäftspartner, die Ross da hat. Als er vor seiner Vereidigung im US-Senat befragt wird: Kein Wort über die Firma Sibur, Timtschenko und Putins Schwiegersohn. Leutselig versichert Ross: "Ich werde sehr gewissenhaft beim Thema Befangenheit, sehr gewissenhaft sein, wann immer es das kleinste Fünkchen von Zweifel gibt." Ein US-Handelsminister, der privat Schiffsbeteiligungen hält und im Amt genau diese Branche regulieren und über Sanktionen gegen Russland entscheiden soll? Ross spielt den Interessenskonflikt herunter. Er sei für US-Sanktionen gegen Russland. Auf Nachfrage antwortet er den Journalisten: Als Handelsminister halte er sich bei allen Angelegenheiten heraus, bei denen es um Überseeschiffe gehe, wegen Befangenheit. Aber geht das wirklich?

"Das geht einfach nicht"

Richard Painter
Wilbur Ross müsse seine Anteile an Navigator verkaufen, sagt der frühere Ethik-Anwalt Richard Painter.

Richard Painter ist entsetzt. Er war unter Georg W. Bush Ethik-Anwalt im Weißen Haus. "Ich habe keine Ahnung, was er sich dabei denkt. Er muss seine Anteile verkaufen. Wir können keinen Handelsminister haben, der Anteile an einer Reederei hält. Das geht einfach nicht. So etwas darf nicht sein." Die Enthüllungen aus den Paradiese-Papers kommen für Trump sicher ungelegen. Wegen fragwürdiger Russlandkontakte wird bereits gegen einen seiner außenpolitischen Berater ermittelt. "Jede Enthüllung, die weitere Geschäftsbeziehungen oder sonstige Verbindungen der Regierung zu Russland nahelegt, ist potenziell problematisch", meint Mike McIntire.

Neben Ross finden sich in den Applby-Daten Dutzende andere Politiker, Prominente, Super-Reiche. Weltweit berichten Medien ab heute über sie und ihre schäbigen Finanztricks.

Autoren: Jan Lukas Strozyk und Christine Adelhardt

Stand: 06.11.2017 10:38 Uhr

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