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Schweiz: Warum wird in der Schweiz Sauberkeit eigens vermessen?

Schweiz: Warum wird Sauberkeit eigens vermessen?

In der Schweiz ist alles blitzblank. Die Straßen gekehrt, der Müll in der Tonne. Wie kommt das? Zufall oder Strategie?

Smileys beurteilen den Sauberkeitsgrad

Piccobello sauber – klar, so kennen wir die Schweiz. Aber ist das einfach nur normal, oder steckt dahinter etwa eine ausgeklügelte Strategie? Ich treffe Niels Michel von der Stadtreinigung. Er zeigt mir seinen Job: Die Vermessung der Sauberkeit. "Was ich zuerst beurteile ist der Gesamteindruck den ich von diesem Platz habe. Dafür habe ich Smileys zur Verfügung. Von sehr sauber bis sehr dreckig.", so Niels Michel. Aber es sieht doch ganz gut aus heute Morgen. "Würde ich auch sagen. Kein Riesen-Smiley, aber doch ein Smiley. Jetzt werde ich 14 Arten von Schmutz im Detail bewerten."

Zigarettenkippen sind Störkategorie 1

Jetzt, wo wir genau hinschauen, fällt er auch mir auf: Der Müll in Zürich. Eigentlich nicht viel, und dennoch: Für Niels Michel sind es "Störfaktoren". Diese Zigarette – welchen Störfaktor stellt das dar? "Zigarettenkippen sind bei uns Störkategorie eins. Gleiche Kategorie wie Kaugummis.", verrät Michel. Aha. "Mir fällt die Dose auf. Da fällt mir dieser Trinkbecher auf. Da liegt Verpackungsmüll, da. Das zähl ich so mit." Sauberkeits-Arithmetik. 0 heißt verdreckt, 3 bedeutet perfekt sauber.

"Beim Abfalleimer sind uns zwei Dinge wichtig. Zum einen der Füllgrad.", erzählt der Schweizer. Der Füllgrad? "Hier ist noch genug Volumen, damit Leute ihren Abfall entsorgen können. Das ist gut." Er ist noch gut befüllbar, was heißt das in Sachen Störfaktor? "Störfaktor beim Füllgrad ist zwei.", schildert Michel weiter.

Schweizerische Art der Obsession

8.000 Kontrollen machen sie hier pro Jahr. Damit die Straßenreiniger schweizerisch effizient gesteuert werden. Es gibt Leute, die sagen, das ist ein Sauberkeitswahn, ein Fimmel. Ob Michel das auch so sieht? "Ich denke nicht. Wir haben nicht unendliche Ressourcen und es geht darum, die Ressourcen optimal einzusetzen.", antwortet er. Darufhin frage ich ihn weiter, wenn er mit seiner Frau sonntags spazieren geht, ob er sich dabei erwische, dass er mehr auf die Sauberkeit achte als die Familie? "Nicht nur am Sonntag. Ich mache das automatisch. Ja." Es ist die Perfektion der Sauberkeit – wohl eine ziemlich Schweizerische Art der Obsession.

Stand: 03.08.2015 14:24 Uhr

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