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Schweiz/Nordkorea: Luxus-Ski-Resort für Kim

Schweiz/Nordkorea: Luxus-Ski-Resort für Kim

Kim Jong-un hat viele Pläne für sein ausgehungertes Volk. Gerade lässt der Große Führer in Nordkorea ein luxuriöses Skigebiet bauen. Mit Nobelhotels, gigantischen Skilifts und 110 Kilometer Piste. Seine Liebe zum Schnee hat er wohl aus der Schweiz mitgebracht. In dem Alpenland hat er als Kind Skifahren und Schwyzerdütsch gelernt. Ein Schweizer Unternehmen sollte ihm jetzt eine moderne Liftanlage liefern. Das Millionenprojekt wurde aber von der eidgenössischen Regierung kurz vor der Auslieferung gestoppt mit Hinweis auf bestehende UN-Sanktionen. Daniel Hechler, ARD Genf

Soldaten bei Bauarbeiten
8000 Soldaten sind im Einsatz

Schaufeln, schleppen und singen für das Prestigeprojekt des obersten Führers. 8.000 Soldaten im Großeinsatz mit primitivem Werkzeug und viel Pathos. „Lasst uns die Befehle ausführen!“ Sie planieren die Pisten des neuen Skiressorts an Nordkoreas Masik-Pass. Aufnahmen eines Schweizer Filmemachers. 110 Pistenkilometer. Chalets. Zwei Luxushotels. Hubschrauberlandeplatz. Es soll an nichts fehlen. Eine Nobelanlage, die zum Träumen einlädt. „Wenn wir hier fertig sind, komme ich zurück mit meiner ganzen Familie und dann fahren wir alle zum ersten Mal in unserem Leben Ski“, sagt der Offizier Song Gwang Chol.

Kim Jong Un will es der Welt mal wieder zeigen. Dreimal schon hat er die Bauarbeiten höchst selbst in Augenschein genommen. Und scheint zufrieden. Der junge Diktator mit der größten Armee der Welt spielt nicht nur mit der Atombombe. Seinem Volk will er nun auch Skivergnügen auf höchstem Niveau bieten - trotz UN-Sanktionen und Hungersnöten. Leutnant Pak Sung Won soll das Projekt im Rekordtempo von zehn Monaten durchpeitschen. Er ist Kims Mann am Masik. Doch nicht alles flutscht wie geplant. „Erst mal müsst Ihr nachdenken, dann die Erde ausheben“, ärgert sich Leutnant Pak Sung Won. „Es macht wenig Sinn, erst zu graben und anschließend zu denken.“ Gerade einmal 5.000 Skifahrer gibt es in Nordkorea. Wohl eher ein Luxusressort für Nordkoreas Elite also statt für die Massen. Das aber hält der Leutnant für eine bösartige Unterstellung. „Unser oberster Führer will dem Volk die Chance geben, Ski zu fahren. Er selbst kam auf diese Idee.“

Skipiste im Bau
Zurzeit gibt es nur ca. 5000 Skifahrer in Nordkorea

Womöglich hat Kim seine Schwäche fürs Skifahren hier entwickelt. Auf diese öffentliche Schule bei Bern soll er im zarten Alter von 15 Jahren gegangen sein, getarnt als Diplomatensohn. Eine gewisse Ähnlichkeit auf dem Klassenfoto ist nicht zu leugnen. Nur einem Mitschüler soll er seine wahre Identität anvertraut haben. Seine Leistungen: mäßig, ebenso sein Schwyzerdütsch. Der Gemeinderat will all das nicht bestätigen. Nur so viel: „Er wurde als sehr sympathisch eingestuft und interessiert an allem, und vor allem an Sport“, sagt Ueli Studer, Gemeinderat in Köniz. "Basketball war etwas, was ihn sehr interessiert haben soll.“ Marco Imhof war einer seiner Sportsfreunde. Zum Training reiste der junge Nordkoreaner stets mit Entourage an. „Er war immer in Begleitung von einer Frau und seinem Chauffeur. Die haben am Spielfeldrand Klappstühle aufgestellt und zugeschaut.“ In diesem schlichten Zweckbau hat er gewohnt, umsorgt von Bediensteten. Schon damals mit der Attitüde des kleinen Herrschers.  „Er hat einer Frau gesagt, sie soll Spaghetti machen. Dann hat sie Spaghetti mit Spiegeleiern gemacht. Ihm hat das aber nicht gepasst. Und deshalb hat er sie schwer zusammengeschissen.“

Nun also schuften sie für ihn. Zwölf Stunden täglich und mehr. Selbst Jugendliche wurden zum Pistenbau am Masik abkommandiert. Angeblich eine große Ehre. Und damit das niemand vergisst, sind eigens ein paar Damen aus der Propagandaabteilung angereist. „Unser oberster Führer Kim Jong Un macht all das nur, um uns Glück und Zufriedenheit zu bringen.“  Am Ende aber half die Propagandashow nicht viel. Das Skigebiet sollte längst fertig sein, ist es aber nicht. Eine böse Enttäuschung.

Schuld daran sind ausgerechnet die Eidgenossen. In dieser Fabrik in Flums nämlich orderte Kim den Skilift für sein Luxusressort. Inhaber Roland Bartholet witterte das ganz große Geschäft. Immerhin ging es um knapp 25 Millionen Euro. Gewissensbisse hatte er keine. „Wir freuen uns über jede Anfrage, die wir kriegen und wir haben uns da auch drum bemüht, dass wir da zum Zug kommen mit unseren modernen Anlagen.“ Doch daraus wurde nichts. Drei Tage vor der geplanten Auslieferung über den Umweg China stoppte die Schweizer Regierung den Deal. Es handele sich bei dem Skilift um ein Luxusprodukt. Und Luxusgüter stehen nun mal auf der Liste der UN-Sanktionen.  „Das war ein harter Schlag, einerseits natürlich finanziell, aber auch von der Auslastung her, wo wir das sauber eingeplant haben.“

Nordkoreanischer Offizier
Der Offizier ist optimistisch, daß bald alles fertig ist

Auch Kims Führungsriege tobte. Der Lieferstopp sei ein schwerer Verstoß gegen die Menschenrechte. „Auf diesen Abhängen sind keine Atombomben“, so Leutnant Pak Sung Won. „Und dennoch können wir den Lift nicht einführen. Das macht mich verrückt. Die Schweiz ist doch ein neutrales Land mit ehrlichen Menschen.“ Ersatzweise musste schnell ein anderer Lift her. Aus einem Skigebiet 200 Kilometer weiter nördlich. Das Manko: Er ist zu kurz. Hauptsache aber, das Prestigeprojekt wird wenigstens zur Skisaison im Dezember fertig. „Die Volksarmee kann Berge bewegen, notfalls auch den Ozean, wenn unser oberster Führer es befiehlt.“ Bald ziehen die 8.000 Soldaten wieder ab. Dann endlich können auch die ersten Parteifunktionäre die frisch planierten Hänge am Masik herabgleiten.

Stand: 20.06.2017 10:41 Uhr

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