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Syrien – Die andere Seite des Kriegs

Exklusive Bilder von der kurdischen Seite

PlayTürkisches Militär beschießt Stellungen der YPG in der Nähe von Hatay am 27.1.2018
Syrien – Die andere Seite des Kriegs | Bild: dpa
Ein beschädigtes Haus
Ein beschädigtes Haus | Bild: BR

Die andere Seite des Krieges: Beschädigte Wohnhäuser, Fahrzeuge, Geschäfte. Straßenzüge in Afrin: übersät mit Trümmerteilen, überall zerborstene Scheiben. "Schaut, was Erdogan mit den Kurden macht", sagt ein Mann aus dem Hintergrund. "Er wirft Bomben auf Zivilisten. Die Welt soll das sehen. Er hat die Häuser von Zivilisten bombardiert." Es ist die zentrale Botschaft dieser Aufnahmen, gedreht von Anwohnern, die der Kurdenmiliz YPG nahestehen. Nur wenige solcher Fragmente erreichen uns aus der Region. Das Mobilfunknetz ist die meiste Zeit gestört. Ein Befreiungskrieg, von dem Erdogan so gerne spricht, sieht anders aus.

Widerstand gegen die Türken

Einige hier geben sich trotzig, ja siegesgewiss. Womöglich aber nur vor der Kamera: "Wir haben keine Angst vor Erdogan. Er kann machen, was er will. Wir bleiben da. Er soll sich um sich selbst kümmern!" Ein Haus in Trümmern: Kampfjets hätten es getroffen, sagt die YPG, mitten im Zentrum der Stadt Maabati nördlich von Afrin. Sechs Menschen seien dabei ums Leben gekommen: Flüchtlinge aus Idlib, die hier Zuflucht gesucht hätten. Überprüfen lässt sich das nicht.

Ali Ellotum
Ali Ellotum | Bild: BR

Ali Ellotum, ein Anwohner, schildert: "Hier leben nur Zivilisten. Es gibt keine Truppen oder Ähnliches. Wir sind ein friedliches Volk, das in Sicherheit leben will. Hier hat eine Familie den Tod gefunden, von einem Tag auf den anderen. Ihr Haus wurde getroffen: wir haben sie aus den Trümmern gezogen und für immer verloren."

30 Zivilisten sollen in dem Krieg schon gestorben sein, meldet die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Ganz genau aber weiß das niemand. Nur so viel ist sicher: täglich werden es mehr. Bilder von heute Morgen: Ein verletztes Kind wird in der Klinik von Afrin behandelt, angeblich Opfer der jüngsten Offensive türkischer Einheiten, eines von mehreren, wie es heißt. Etliche solcher verstörenden Aufnahmen teils schwer verletzter Kinder erreichen uns in den vergangenen Tagen: "Ich heiße Fadi", sagt dieser Junge aus Majana. "Ich bin zehn Jahre alt."

Pulat Joan
Pulat Joan | Bild: BR

Seit Beginn der Offensive wurden hier schon 61 Verwundete behandelt, sagt der Klinikchef. Einigen hätten sie nicht mehr helfen können, wie Pulat Joan vom Krankenhaus Afrin erklärt: "Es sind zu viele Verwundete. Das macht uns Probleme. Wir haben nicht genug Medikamente. Wir versuchen das Beste, aber haben einfach nicht die Mittel."

In solchen Kellern suchen Menschen Schutz vor den Bomben: ein Leben in Angst. Immer wieder seien Einschläge zu hören, erzählen uns Aktivisten in Afrin. Die YPG aber will lieber Geschichten todesmutiger Kämpfer erzählen. Mit bizarren Aufnahmen wie dieser: "Auch wir Frauen tragen Waffen. Wenn wir sterben, dann für unsere Heimat. Wir werden sie mit unseren Waffen verteidigen. Das ist eine Ehre für uns."

Aus solchen Puzzleteilen ergibt sich ein anderes Bild vom Krieg, anders als das von Präsident Erdogan, der versprach, Zivilisten zu schonen, ja zu befreien. Die Operation "Olivenzweig", so scheint es, sie wird zum schmutzigen Krieg.

Autor: Daniel Hechler, ARD Kairo

Stand: 04.02.2018 20:50 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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