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USA: Wahrheit und Alternativen Fakten

PlaySchild mit der Aufschrift "Trump is fake news"
USA: Wahrheit und Alternativen Fakten | Bild: dpa / picture-alliance

Viele Journalisten in den USA leben in einem Dilemma. Selbst wenn sie gegen offensichtliche Lügen und Halbwahrheiten des US-Präsidenten Donald Trump Fakten setzen, transportieren sie indirekt dessen Lügen weiter. Wie also damit umgehen, wenn die eigene Regierung Unwahrheiten zu "Alternativen Fakten" deklariert? Wenn Reporter zu "Volksfeinden" erklärt und sogar von offiziellen Pressekonferenzen ausgeschlossen werden? Wie kann dann eine öffentliche Meinungsbildung funktionieren?

Eine Analyse von ARD-Korrespondentin Ina Ruck (ARD-Studio Washington).

Es war seine erste Pressekonferenz nach der Wahl. Zum ersten Mal trat er als gewählter Präsident vor die Medien – jene Medien, die er im Wahlkampf so oft beschimpft hatte. Das Amt würde ihn ändern, hatten viele erwartet. Und manche auch gehofft. Sie wurden eines besseren belehrt. Eine Auswahl: "Die Website Buzzfeed ist ein versagender Haufen Müll. Was sie schreiben, das wird Folgen für sie haben." "Ihnen gebe ich keine Frage. Sie sind Fake News." "Wie sie wissen bin ich im Krieg mit den Medien. Sie zählen zu den unehrlichsten Menschen auf der Welt."

Wie reagieren auf dei Kriegserklärung des Präsidenten

Donald Trump
Donald Trump hat den Medien den Krieg erklärt. | Bild: SWR

Seit sieben Wochen berichten Amerikas Medien über einen Präsidenten, der sie "Volksfeind" nennt. Wie geht man damit um? Bleibt man gelassen? Schießt man zurück? Manchen platzt vor laufenden Kameras der Kragen. "Der Berater des Präsidenten hat der New York Times gerade gesagt, die Presse soll den Mund halten. Nein!" Selbst beim gewöhnlich Trump-freundlichen Sender Fox-News liegen die Nerven blank. "Sind wir Idioten, weil wir diese Fragen stellen? Nein, Sir. Wir sind keine Idioten. Wir verlangen Antworten. Die schulden sie dem amerikanischen Volk."

Es sei nicht leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren, sagen sie beim renommierten Radiosender NPR. Doch genau den verlangen sie hier. Die Kriegserklärung des Präsidenten nehmen wir nicht an, sagt Nachrichtendirektor Michael Oreskes. "Es ist sein Krieg. Er mag im Krieg sein, wir sind es nicht. Wir sind bei der Arbeit. Die Trump-Administration will uns wie eine Oppositionspartei aussehen lassen. Das ist ein sehr durchsichtiges Manöver. Sie stellen uns als parteiisch dar, damit sie unsere Arbeit, wann immer sie stört, als Werk von politischen Feinden abtun können. Das ist gefährlich. Wir sind Journalisten, wir sind auf niemandes Seite."

Für jede Aussage einen Faktencheck

Bildschirme mit US-Nachrichtensendungen
Die Medien stecken in einem Dilemma. | Bild: SWR

Die White House Press sitzt im Westflügel des Weißen Hauses. Alle großen Medien haben hier Reporter akkreditiert. Dass ihr Präsident sie als Feind sieht, ist neu. Und neu ist auch, dass sie jede seiner Aussagen jetzt einem Faktencheck unterziehen müssen. Berühmtestes Beispiel: die Inaugurationsfeier. Links, bei Obamas Amtseinführung, sind mehr Leute als rechts, bei Trump. Trump behauptet das Gegenteil. Dass das nicht stimmt ist offensichtlich, doch sein Sprecher muss es verteidigen. "Es war das größte Publikum einer Amtseinführung überhaupt, Punkt." Dann schickt Trump auch noch seine Beraterin Kellyanne Conway vor die Kameras. Die kreiert jenen Begriff, der längst für Trumps Umgang mit der Wahrheit steht: "What he gave is Alternative Facts". Alternative Fakten? Michelle Kosinski, die für den Sender CNN aus der Hauptstadt berichtet, nennt es anders: Lüge. Und das sei nicht parteiisch. "Eine Lüge Lüge zu nennen – das ist objektiv. Wenn du es belegen kannst. Und wenn du eine Lüge nicht aufdeckst, dann machst du deine Arbeit nicht."

Doch um eine Lüge aufzudecken, muss man sie ansprechen – und trägt dadurch zu ihrer Verbreitung bei. Ein Dilemma, in dem die Medien jetzt oft stecken. Etwa, wenn der Umweltminister sagt, die Erderwärmung habe nichts mit Co2-Abgasen zu tun. "Das ist Strategie", sagt Michael Oreskes, von Radio NPR. "Es ist ihnen egal, wenn die Qualitätsmedien sagen: das ist falsch. Die Message kommt ja bei den Anhängern an, und darum geht es. Und trotzdem. Wir müssen darüber berichten, wenn ein Umweltminister eine Position vertritt die jeglicher wissenschaftlicher Beurteilung widerspricht. Wir können nicht einfach ignorieren, wenn er die Unwahrheit sagt. Das wäre viel schlimmer als zu sagen: Hier ist, was der Minister sagt. Und es ist falsch."

Angriffe als Ablenkungsmanöver

Weißes Haus
Journalisten wollen sich vom Weißen Haus nicht einschränken lassen.  | Bild: SWR

Hinter den vielen krassen Behauptungen und Angriffen aus dem Trump-Lager vermuten manche noch etwas ganz anderes: oft seien das schlicht: Ablenkungsmanöver. "Wann immer es beunruhigende neue Vorwürfe gibt, zum Beispiel dass Russland sich in die Wahl eingemischt hat – dann sehen wir 24, spätestens 36 Stunden später eine neue Eskalation an Attacken gegen die Medien." Vernebeln sei ein Teil der Trump-Strategie, sagen die Washingtoner Journalisten. Der andere: nur wenig an Information herauslassen. Doch das, sagt Michelle Kosinski, sporne ihre Kollegen nur an. "Die Leute werden weiter ihre Arbeit machen. Wenn man sie einschränken will, werden sie eben hartnäckiger. Informationen findet man auch bei anderen Quellen." Viele der großen Medien haben aufgestockt – mit Rechercheteams, die Trumps Administration genau unter die Lupe nehmen. Die Kriegserklärung an die Medien könnte nach Hinten losgehen.

Stand: 31.03.2017 10:43 Uhr

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