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USA: Ende der Partnerschaft mit der EU?

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USA: Ende der Partnerschaft mit der EU?  | Bild: NDR

Ein tiefer Riss klafft zwischen Amerika und der EU seit Donald Trump im Weißen Haus ist. Es seien "Zeiten, in denen der Atlantik breiter und rauer geworden ist", sagt Bundesaußenminister Maas. Trump ist ein Mann ohne Selbstzweifel. Ein US-Präsident, der gerne seine Macht demonstriert – überall auf der Welt und auch gegenüber dem langjährigen Verbündeten Europa. Ein Gebilde, das ihm fremd ist.

Stolz, ein Amerikaner zu sein. Das ist Donald Trumps Elixier. Das ist nicht nur ein Wahlkampfspruch, es bestimmt tatsächlich seine Politik. Bei seinen Anhängern verfängt es noch immer – wie im Mai in Nashville: "Wir haben Imperien besiegt. Wir haben Kontinente gezähmt. Wir haben über die schlimmsten Übel in der Geschichte triumphiert. Wir haben über das Böse triumphiert, wie das niemand zuvor gesehen hatte."

Zwischen Europa und Trump fehlt das Vertrauen

Donald Trump
Der US-Präsident liebt die Konfrontation. | Bild: NDR

Trump will Respekt von den Europäern und Anerkennung für seine politischen Entscheidungen. Verhandeln will er am liebsten mit Einzelpersonen. "Er ist ein großer Anhänger von nationaler Souveränität und Selbstbestimmung. Er glaubt nicht an supranationale Institutionen", erklärt Nile Gardiner von der Heritage Foundation, konservativer Thinktank. Und Uri Friedman von der konservative Zeitschrift "The Atlantic" sagt: "Zwischen europäischen Regierungschefs und Donald Trump fehlt das Vertrauen. Das schafft für die Europäer eine echte Herausforderung, wie sie auf Trump zugehen sollen."

Es ist immer das gleiche Muster: Die Europäer suchen den Kontakt, verhandeln, bieten Kompromisse, hoffen:

Rückzug aus dem Klimaabkommen – verkündet von Trump am 1. Juni. Aufkündigen, um dann neu zu verhandeln – das ist Trumps Strategie.

Jerusalem und die Nahostpolitik: Im Dezember verkündet, im Mai ernst gemacht: Die USA verlegen ihre Botschaft nach Jerusalem. Trump will so Bewegung in die Nahostverhandlungen bringen. Im Alleingang.

Ausstieg aus dem Iran-Abkommen: Emmanuel Macron versucht, Trump für sich einzunehmen. Sie demonstrieren eine Männerfreundschaft. Angela Merkel folgt zum nüchternen Arbeitsbesuch. Zwei europäische Strategien – beide ohne Erfolg.

Der US-Präsident gibt den Ton an. Er fordert mehr Geld fürs Militär. Und die Europäer folgen.

Zölle: Eine Unterschrift, besiegelt, dass nichts mehr so ist, wie es immer war, dass langjährige Verträge mit einem Federstrich ausradiert werden können. Für die Wähler Trumps, gegen alle Expertenwarnungen.

"Dieses Herumtasten, um die richtige Strategie im Umgang mit Trump zu finden, hat ergeben, dass man sich auf Interessen konzentriert, nicht auf Werte. Viele Europäer denken, dass man bei gemeinsamen Werten nicht viele Fortschritte machen kann. Also muss man herausfinden, wo sich Interessen überschneiden. Wo sie das nicht tun, muss man einen Weg finden, diese zu verteidigen, selbst wenn das eine Konfrontation mit den USA bedeutet", sagt Uri Friedman.

Kompromisse sind nicht die Welt von Trump

Uri Friedman
"Die Europäer könnten ihm stärker drohen und ihm auf seinem Spielfeld begegnen", sagt Journalist Uri Friedman. | Bild: NDR

Was heißt das jetzt für Europa? Aufbegehren oder nachgeben? Die Europäer brauchen Einigkeit und jemanden auf Augenhöhe mit Trump. "Ich würde diese Regierung nicht als isolationistisch bezeichnen. Sie verfolgt einfach konsequent die nationalen Interessen der USA", sagt Nile Gardiner von der Heritage Foundation. Uri Friedman von "The Atlantic" sagt: "Ich erwarte nicht, dass Europa in dieselbe Rhetorik wie Trump verfällt, aber die Europäer könnten ihm stärker drohen und ihm auf seinem Spielfeld begegnen." 

Darauf zu warten, dass Trump sich ändert – eine Sackgasse. Er fühlt sich stärker denn je. Der US-Präsident liebt die Konfrontation. Er will gewinnen. Kompromisse sind nicht seine Welt. Das muss Europa lernen.

Autorin: Claudia Buckenmaier, ARD-Studio Washington

Stand: 03.06.2018 20:07 Uhr

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