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Vietnam: Nah am Herzen

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Vietnam: Nah am Herzen

Die kleine Han hilft ihren Eltern beim Kochen. Die Neunjährige hat ein gutes Herz. Aber ein krankes. Das Mädchen kann nicht richtig atmen, sie ist oft müde. Seit der Geburt hat Ngyuen Hai Han einen schweren Herzfehler. Ihr Herz wird nicht richtig durchblutet. Die Lungenfunktion ist eingeschränkt. "Als ich noch klein war, wusste ich nichts von meinem Herzfehler. Aber später hat mir meine Mama alles erzählt. Ich habe geweint. Ich war einfach nur traurig", erzählt sie.

Eltern können sich die Operationen nicht leisten

Die neunjährige Han hat ein fröhliches und gutes Herz, aber auch ein krankes.
Die neunjährige Han hat ein fröhliches und gutes Herz, aber auch ein krankes.

Die Eltern, einfache Reisbauern, können sich die Operation ihrer Tochter einfach nicht leisten. Dabei braucht Han dringend Hilfe. Ein Fall wie gemacht für Claus Ruff. Der frühere Manager kommt aus dem Schwarzwald. Jetzt ist er unterwegs mitten im Mekong Delta. Ein Helfer mit Herz. "Ich bin kein Samariter. Ich denke, das muss man auch nicht sein. Man soll nur die Fähigkeit haben, auf die Not anderer Menschen zu reagieren. Hier sprechen wir bei den herzkranken Kindern, ums Überleben." Seit fast 20 Jahren sammelt Ruff bei Geschäftspartnern und Freunden Geld für herzkranke Kinder in Vietnam. Und ermöglicht so die manchmal riskanten, aber immer lebensrettenden Operationen.

Besuch bei Han. Claus Ruff will das Mädchen am liebsten gleich mitnehmen ins Krankenhaus nach Ho Chi Minh City. "Wie alt bist Du?", fragt er. "Ich bin neun Jahre alt. Ich gehe noch in die Grundschule. Meine Lehrer lieben mich. Aber ich bin oft sehr erschöpft", antwortet sie. Nicht immer geben die Eltern ihre Kinder leichtherzig weg. Aber diesmal schon. Die Verzweiflung der Eltern ist zum Greifen. Sie wollen das Leben ihrer Tochter retten. "Ich bin so unendlich traurig. Meine Tochter ist so schwach. Ich habe kein Geld, sie ins Krankenhaus zu bringen. Sie leidet. Bitte helfen sie meiner Tochter", fleht der Vater. "Bitte rette mich", fügt Han hinzu.

Versorgung für Kinder mit schweren Krankheiten ist mangelhaft

Die neunjährige Han hat mit deutschen Spendengeldern ein neues Herz und ein neues Leben bekommen.
Die neunjährige Han hat mit deutschen Spendengeldern ein neues Herz und ein neues Leben bekommen.

Ho Chi Minh City – hier pocht das Leben. Vietnam hat in den letzten Jahren riesige Sprünge gemacht. Vom Sozialismus mitten hinein in die Marktwirtschaft. Die Kindersterblichkeit ist drastisch zurückgegangen. Aber die Versorgung für Kinder mit schweren Krankheiten ist mangelhaft. Vor allem auf dem Land. So haben Claus Ruff und seine Helfer in den letzten Jahren mehr als 1000 lebensrettende Herz-OPs ermöglicht. Allesamt finanziert über Spenden. Heute sollen drei Kinder am Herzen operiert werden.

"Ich hab keine Angst. Ich hoffe nur, dass es mir bald besser geht. Damit ich wieder mit meinen Freunden spielen kann", sagt Han. Professor Phan ist ein weltweit gefragter Herzspezialist. Seit vielen Jahren arbeitet er mit den Helfern aus Deutschland zusammen. "Es wird ein kleiner Schnitt. Und dann nähen wir die Wunde wieder zu. Du wirst gesund. Mach Dir keine Sorgen."

Eine Herz-Operation ist nie Routine

Auch in der vierten Generation nach dem Krieg gibt es in Vietnam auffallend viele Kinder mit schweren Herzfehlern.
Auch in der vierten Generation nach dem Krieg gibt es in Vietnam auffallend viele Kinder mit schweren Herzfehlern.

Am nächsten Vormittag liegt die kleine Han im Operationssaal. Die OP am offenen Herzen wird etwa eine Stunde dauern. Für zehn Minuten steht das Herz des Mädchens still. Professor Phan ist einer der erfahrensten Herzspezialisten in Vietnam. Aber so eine Operation ist nie Routine. Und schon gar nicht bei einem neunjährigen Mädchen. "Alles ist okay. Blutdruck ist sehr gut. Die Herzklappe funktioniert. In einer Viertelstunde kommt unser Patient aus der OP und dann auf die Intensivstation."

In Deutschland kostet eine solche Herz-OP vielleicht 30.000 Euro oder mehr. In Vietnam, so hat es der Geschäftsmann Claus Ruff ausgehandelt, sind es gerade 3000 Euro. Nicht viel Geld für ein Menschenleben. "Ich weiß, ich kann die Welt nicht retten. Aber da wo wir hingehen, bei den Familien, wollen wir versuchen, die Welt ein bisschen liebevoller und menschlicher zu gestalten", erklärt Ruff.

Eine gesunde Tochter und ein neues Haus

Mit deutschen Spendengeldern konnte dem Mädchen geholfen werden.
Mit deutschen Spendengeldern konnte dem Mädchen geholfen werden.

Am nächsten Tag ist das Schlimmste überstanden für Han und ihre Eltern. Der Eingriff am offenen Herzen war erfolgreich. Das Mädchen ist noch geschwächt. Aber überglücklich. "Ich habe eine Spritze bekommen. Und dann bin ich eingeschlafen. Jetzt tut meine Brust ganz schön weh. Aber das muss ich wohl aushalten. Bald geht es mir besser", sagt sie. Die Genesung dauert. Zwei Monate später besuchen wir Han in ihrem Dorf am Mekong. Von den Spendengeldern ist noch etwas übrig geblieben. So bekommt die Familie nicht nur eine gesunde Tochter geschenkt. Auch ein neues Haus. Aus Stein mit festem Dach. "Mein Leben ist jetzt ganz anders. Ich bin nicht mehr müde. Ich kann sogar meiner Mama und meinem Papa helfen. Ich kann ihnen ein bisschen die Last von ihren Schultern nehmen", erzählt Han.

Mit ihren neun Jahren hat Nguyen Hai Han schon viel durchgemacht. Jetzt beginnt für sie ein neues Leben. Mit gesundem Herz.

Autor: Philipp Abresch/ARD Studio Singapur

Stand: 02.10.2016 21:17 Uhr

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