SENDETERMIN So, 16.09.12 | 16:30 Uhr

Tanken für die Hälfte mit Autogas

Auto wird betankt
Tanken mit Gas ist deutlich günstiger.

Die günstige Alternative zum Benzin heißt Autogas. Einen Liter Autogas gibt es an der Tankstelle schon ab 65 Cent. Diesen Preisvorteil nutzen mittlerweile über eine halbe Million PKW-Besitzer.

Viele nutzen den Preisvorteil

Können Sie sich daran noch erinnern? Es gab Zeiten, da drehte sich beim Tanken die Literanzeige schneller als die Preisanzeige. Das ist lange, lange her – mit Autogas geht das aber heute noch. Autogas ist ein Abfallprodukt, das bei der Benzinförderung und -herstellung anfällt – der gleiche Stoff, mit dem Sie beim Camping auch kochen können.

Einen Liter Autogas gibt es an der Tankstelle schon ab 65 Cent. Diesen Preisvorteil nutzen mittlerweile über eine halbe Million PKW Besitzer. Zu ihnen gehört unsere Protagonistin Eleonore B.: "Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ganz entspannt an einer Tankstelle vorbeifahre und weiß, ich muss da nicht tanken. Ich habe mich vor sechs Jahren entschieden, auf Autogas umzurüsten, als es abzusehen war, dass die Spritpreise kontinuierlich steigen werden. Es ist ja nicht so, dass die sinken, sondern es ist so, dass die steigen. Und ich bereue bis heute nicht, dass ich das Auto umgerüstet habe."

Etwas höherer Verbrauch

Zurzeit zahlt man rund 67 Cent für einen Liter Flüssiggas. Im Bundesdurchschnitt kostet Autogas etwa 78 Cent. Beim Fahren merkt man keinen Unterschied, dafür beim Tanken. Die Zapfpistole muss lediglich mit dem Einfüllstutzen fest verschraubt werden.

Der Verbrauch beim Fahren mit Autogas steigt leicht an – das macht der niedrige Preis aber wieder wett. Ein Vergleich: Ein 1,6 Liter Golf braucht auf 100 Kilometer 7,3 Liter Benzin – das entspricht 12,36 Euro. Das gleiche Modell verbraucht 9,2 Liter Autogas – Kosten: 6,15 Euro.

Autogas ist deshalb so preiswert, weil der Staat darauf weniger Steuern erhebt. Zumindest bis 2018 - was danach kommt, ist derzeit unklar. Doch vor dem Sparen muss man erstmal investieren - in die Umrüstung.

Wann lohnt sich die Umrüstung?

Viele Autos lassen sich einfach auf Gasverbrauch umrüsten
Viele Autos lassen sich einfach auf Gasverbrauch umrüsten.

Welche Modelle lassen sich überhaupt umrüsten? Dr. Klaus-R. Frisch vom Deutschen Verband Flüssiggas e. V.: "Theoretisch lässt sich im PKW Bereich jeder Benzinmotor auf Autogas umrüsten. Praktisch stellt sich das etwas anders dar. Als Endkunde geht man zu einer Umrüstwerkstatt und diese Umrüstwerkstatt kann ihnen genau anhand von Listen recherchieren, ob ihr Fahrzeug auch auf Autogas nachträglich umgerüstet werden kann."

Eine Umrüstung funktioniert allerdings nur bei Benzinern – Dieselmotoren lassen sich nicht umrüsten. Anders als bei Erdgas ist der Autogas-Umbau relativ problemlos. Der Gastank kommt in die Reserverad-Mulde – der Benzintank bleibt unangetastet, so dass man jederzeit auch mit Benzin fahren kann. Wichtig: Man sollte sich an einen Autogas-Fachbetrieb wenden und nicht an einen Hinterhofschrauber.

Eine Umrüstung kostet z.B. bei dem von uns besuchten Betrieb in Wesel ab 2300 Euro. Die muss man erst mal wieder reinfahren. Ein Amortisationsrechner spuckt nach Eingabe von Verbrauch, Fahrleistung und Umbaukosten die Amortisationsdauer aus. Im Schnitt hat man die Investition nach zwei Jahren wieder eingespart. Der Umbau lohnt also nur, wenn man das Auto mindestens noch so lange fahren will. Einen Amortisationsrechner finden Sie unter folgender Adresse: www.amortisationsrechner.de

Wer einen Umbau scheut, kann auch Neuwagen ab Werk mit Autogas-Betrieb kaufen – viele Hersteller bieten mittlerweile LPG-Varianten an. LPG steht für Liquefied Petroleum Gas und bezeichnet Flüssiggas. Allerdings wird dafür kaum Werbung gemacht – weil die Hersteller lieber ihre teuren Dieselmodelle verkaufen?

Zum Tankstellennetz

Derzeit gibt es in Deutschland rund 6550 Gas-Tankstellen. Dem gegenüber stehen rund 14.000 Benzin-Tankstellen. Auch in den meisten unserer Nachbarländer sieht es gut aus – nur in der Schweiz und in Österreich ist das Netz nicht so dicht wie bei uns, in den Beneluxstaaten oder in Polen.

Wenn unterwegs der Gasvorrat einmal zur Neige geht, ist es praktisch, ein Smartphone oder Tablet dabei zu haben. Eine spezielle App zeigt alle Gastankstellen in der Nähe an. Sogar mit den aktuellen Preisen, so dass man sich die günstigste Tankstelle aussuchen kann. Ein Fingertipp genügt - und das Navi übernimmt die Adresse der Tankstelle und zeigt den Weg dorthin.

Ist Autogas auch sicher?

Viele Autofahrer haben Bedenken - sie befürchten Explosionen bei einem Zusammenstoß oder einem Brand. Wie es um die Sicherheit von Gasfahrzeugen bestellt ist, hat der ADAC getestet. Was passiert bei einem Unfall, bei dem das Gasauto in Brand gerät? In jedem Gastank ist ein Sicherheitsventil verbaut. Das öffnet sich bei einem bestimmten Innendruck im Tank und lässt Gas stufenweise und kontrolliert entweichen – eine Explosion bleibt damit aus. Laut ADAC sind Gasautos mindestens genauso sicher wie Benziner.

Die Zahl der Gasfahrer dürfte weiter stetig wachsen – die beste Werbung für den alternativen Kraftstoff sind derzeit die Preistafeln an den Tankstellen.

Weitere Informationen

Deutscher Verband Flüssiggas e.V.
www.autogastanken.de

Verzeichnis Autogas- und Erdgas-Tankstellen
www.gas-tankstellen.de

Stand: 07.11.2012 19:23 Uhr

Sendetermin

So, 16.09.12 | 16:30 Uhr