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Rechte: Verspätungen bei der Bahn

Warten am Bahnsteig

Welche Rechte hat man, wenn man lange auf den Zug warten muss?

Früher war angeblich alles besser, da redeten alle vom Wetter – nur die Bahn nicht, die fuhr immer. Und pünktlich. Heutzutage teilen nicht mehr allzu viele Fahrgäste diese Meinung. Was tun bei Verspätungen? Welche Rechte hat der Bahnkunde?

Während viele von uns auf die berühmte weiße Weihnacht hoffen, sieht man das bei der Deutschen Bahn wohl etwas anders. Für viele Bahnexperten und Passagiere hat sich das Bild der DB verbessert. Diese ist in den letzten Monaten in die Werbe-Offensive gegangen, auch mit der Ankündigung von hohen Investitionen, in Züge, Weichen und Strecken. Doch wie sieht die Realität denn nun wirklich aus, wollten wir wissen und was ist bei Verspätungen zu beachten?

Quer durch Deutschland

Wie auf vielen Bahnhöfen drängen sich früh gegen sieben Uhr auch in Saarbrücken die Pendler auf dem Weg zur Arbeit. Für uns der Beginn einer Zugreise durch Deutschland. Mit dem ICE, dem Intercity und der Regionalbahn werden wir zwei Tage lang die Deutsche Bahn testen. Von Saarbrücken nach Hamburg und wieder zurück über Berlin. Unser erster Zug, ein Regionalexpress, ist gut gefüllt, aber es gibt noch genügend Sitzplätze. Wir haben knapp zehn  Minuten Verspätung. Für die Passagiere hier ist das nichts Ungewöhnliches, erzählen sie uns.

Bahnhof

Klappt der Anschluss?

Das Umsteigen in Mannheim vom Regionalexpress in den ICE ist trotz der Verspätung aber kein Problem. Auch der Zug nach München kommt einige Minuten später an. Und das schon einmal vorweg, so wird es auch bei fast allen anderen Zügen sein. So gut wie keiner ist pünktlich.

Die Sicht der DB

Dabei hieß es in der Zentrale der Deutschen Bahn, sie sei gut gerüstet, auch für den Winter. Doch die Industrie kann bestellte Züge nicht liefern. Und während es Anfang diesen Jahres noch gut aussah, hat sich die Pünktlichkeit  im Fernverkehr seit dem Sommer verschlechtert.

Berthold Huber, Vorstandsvorsitzender von DB Fernverkehr, hat das Ziel ausgegeben, dass über 80 Prozent der Züge pünktlich fahren. Das ist wichtig, erklärt er:„Dann steigt auch die Anschlusspünktlichkeit signifikant an, und das ist ja ganz, ganz wesentlich, dass wir unseren Kunden die Reisekette schließen, das heißt ihnen möglichst viele Anschlüsse gewähren und dies steigt eben, wenn wir stabil über 80 Prozent im Fernverkehr pünktlich fahren.“

Pendler-Leid

Inzwischen befinden wir uns im Zug von München nach Hamburg. Leider ist die Kühlung im Bordrestaurant ausgefallen. Es bleibt bei Kuchen und Tee. Hinter Hannover wird zudem neue frische Ware angeliefert. Alles verläuft einigermaßen planmäßig - für Reisende mit Platzreservierungen. Der Zug ist inzwischen sehr voll und alle Sitzplätze sind belegt.

Am späten Nachmittag im ICE ohne Platzreservierung unterwegs zu sein, ist ein riskantes Spiel. Eine Frau, die im Gang steht, empört sich: „Wir stehen jetzt vielleicht anderthalb Stunden in der Enge. Da müssen sie Waggons dranhängen, denke ich.“

Ein Student schätzt ein: „Vom Service finde ich es eigentlich gut, Verspätungen sind schon häufig.“ Das bestätigt eine andere Dame:„Ich bin gestern nach Aschaffenburg gefahren und jetzt auf dem Rückweg nach Hamburg und in beiden Fällen habe ich über eine Stunde Verzögerung gehabt, weil technische Probleme zu Zugausfällen geführt haben.“

Fahrgast-Rechte

Eine Entschädigung gibt es ab 30 Minuten, und zwar den ICE-Sprinter-Aufpreis. Ab 60 Minuten werden 25 Prozent des Fahrpreises erstattet. Wenn zudem die Ankunftszeit zwischen Null und Fünf Uhr liegt, kann auch ein Bus oder Taxi genutzt werden bis maximal 80 Euro. Bei 120 Minuten Verspätung gibt es 50 Prozent des Fahrpreises zurück. Voraussetzung dafür ist, dass die Deutsche Bahn etwas für die Verspätungen kann, was in zwei von drei Fällen der Fall ist. Und dass ein so genanntes Fahrgastrechte-Formular bei der DB eingereicht wird.

Schlichtungsstelle

Auf unserem Rückweg finden wir in Berlin auch die „soep“, die Schlichtungsstelle bei Streitigkeiten mit der Bahn. Den gab es in diesem Jahr sehr viel weniger, wohl auch durch den letzten milden Winter. Die Deutsche Bahn hat in diesem Jahr bis Oktober 30 Prozent weniger  Entschädigungsanträge erhalten, insgesamt waren es 670.000.

Edgar Isermann, der Leiter der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr, sieht das Hauptproblem darin, dass es für die Folgekosten keine klaren Erstattungs- und Entschädigungsregelungen erklärt er: „Hier ist Kulanz gefragt. Unsere Erfolgsquote bei der Schlichtung liegt bei knapp 90 Prozent unserer Fälle, d.h. in 90 Prozent der Schlichtungsfälle gibt es eine Einigung zwischen dem Reisenden und dem Bahnunternehmen.“

Am frühen Abend kommen wir schließlich wieder in Saarbrücken an. Fazit: Wir haben alle unsere geplanten Züge erreicht.  Auch knappe Umsteigezeiten waren kein Problem, denn alle Züge hatten rund zehn Minuten Verspätung. Wir haben immer Platz gefunden, hatten aber auch reserviert. Eine Fahrt ohne wirklichen Stress, das muss man mit dem Auto zumindest erst einmal schaffen.

Stand: 10.12.2012 16:58 Uhr

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