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KFZ-Versicherung: Neuberechnung der Typklassen

KFZ-Versicherung

Bei vielen Versicherern werden die KFZ-Typklassen neu berechnet.

Bei der nächsten Rechnung für die KFZ-Versicherung sollte man genau hinschauen: Es gibt Änderungen bei den Haftpflicht- und Kaskopaketen. Grund ist die Neuberechnung der Typklassen.

Rund 43 Millionen Autos sind in Deutschland angemeldet – und somit auch versichert. Die Höhe der Versicherungsbeiträge richtet sich nach zahlreichen Kriterien, die sich von Anbieter zu Anbieter unterscheiden. Wichtig ist immer: Wie lange fährt der Versicherungsnehmer unfallfrei (Schadensfreiheitsklasse), in welcher Region ist sein Wagen angemeldet (Regionalklasse), und um welches Automodell handelt es sich (Typklasse). Die Typklassen gibt es jeweils separat für die Haftpflicht-, Voll- und Teilkaskoversicherung.

Was ist neu?

Zum Jahreswechsel - bei Neuzulassungen bereits jetzt - hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rund die Hälfte aller Fahrzeuge neuen Typklassen zugeordnet. Dies heißt bei der Haftpflicht in gut 55 Prozent der Fälle Hochstufungen (also Preiserhöhungen), bei den Kaskoversicherungen in etwa zwei Dritteln der Fälle Herabstufungen (also Preissenkungen).

Tarifvänderungen

Der Grund für diese Veränderungen: Bislang wurden die Typklassen vor allem von der Fahrzeugart und der Fahrweise der Nutzer beeinflusst. Je mehr Schäden bei einem bestimmten Modell, desto höher die Typklasse. Künftig rechnen die Versicherer aber das Alter der Versicherten heraus. Es soll fairer werden. Keiner soll über Gebühr zur Kasse gebeten werden, nur weil zum Beispiel jüngere, risikobereitere oder unerfahrenere Fahrer mit dem gleichen Automodell häufiger die Versicherung in Anspruch nehmen.

Keine Panik!

Die Umstufung der Typklassen kann in vielen Fällen Tariferhöhungen bedeuten – aber oft auch Preissenkungen. Hinzu kommt: Nach einer Studie der Stiftung Warentest vom September 2012 könnten 80 Prozent aller KFZ-Versicherungsnehmer deutlich weniger zahlen. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten.

Erste Sparchance: Der Leistungsumfang der aktuellen Versicherung

Versicherungen beziehen vieles in die Berechnung der Beiträge ein: Fährt man etwa pro Jahr jetzt weniger Kilometer oder fällt der 22-jährige Sohn als Fahrzeugnutzer weg, weil er jetzt sein eigenes Auto hat, sollte man dies seiner Versicherung melden – satte Nachlässe sind möglich. Und wenn beispielsweise das neu gekaufte Auto ein gewisses Alter erreicht hat, sollte man sich fragen, ob es wirklich noch die Vollkasko-Versicherung sein muss.

Zweite Sparchance: Unverhoffte Rabattkriterien

Und es gibt weitere Kriterien zur Preissenkung, mit denen der Laie nicht unbedingt rechnet. So gibt es Versicherer, die Nachlässe gewähren, weil jemand eine Bahncard oder eine Dauerkarte für den öffentlichen Nahverkehr besitzt. Sie rechnen wohl damit, dass solche Autobesitzer weniger fahren und somit auch weniger Schäden produzieren. Genauso kann man Nachlässe herausholen, wenn man ein Fahrsicherheitstraining absolviert hat und das der Versicherung mitteilt. Versichert sich ein Fahranfänger außerdem beim gleichen Unternehmen wie seine Eltern, die seit Jahrzehnten keine Schäden zu regulieren hatten, kann auch dies die Beiträge deutlich senken. Und es gibt manchmal Rabatte, wenn man seinen Vertrag nicht in der Filiale, sondern über das Internet abschließt.

Dritte Sparchance: Versicherungswechsel

Nicht zuletzt bleibt natürlich die Option des Versicherungswechsels. Die allgemeine Kündigungsfrist ist der 30. November, also ist hier momentan etwas Eile geboten. Wenn die Versicherungsprämie für das nächste Jahr höher ausfallen sollte, kann von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch gemacht werden, und zwar innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids von der Versicherung.

Je nach Anbieter können sich die Tarife für einen vergleichbaren Leistungsumfang teils erheblich unterscheiden – wobei man gerade bei der Kaskoversicherung genau hinschauen sollte, ob der neue Versicherer auch bei näherem Hinsehen gleichwertige Konditionen bietet. Vergleichsportale im Internet sind hier durchaus ein nützliches Hilfsmittel, doch sollte man sich nicht auf ein einziges Portal verlassen, denn keines von ihnen bezieht alle Anbieter in den Vergleich ein – und nicht zuletzt leben solche Portale in der Regel von den Provisionen der Versicherer. Eine objektivere, aber kostenpflichtige Alternative ist hier die Online-Auswertung der Stiftung Warentest.

Vierte Sparchance

Manchmal ist ein Anbieterwechsel auch gar nicht nötig, denn die Konkurrenz ist groß: Ein höflicher Anruf beim bisherigen Versicherer genügt oft, um sich Rabatte zu sichern. Besonders effektiv ist es hier, das Wort „Anbieterwechsel“ zu gebrauchen und dabei – noch überzeugender – konkrete Konkurrenzangebote zu nennen. Viele Versicherungen wollen ihre Kunden nicht verlieren – auch deshalb, weil der umkämpfte Bereich KFZ als Einstiegsgeschäft für andere Versicherungssparten gesehen wird.

Fazit

Die kürzlich erfolgte Umstufung der Typklassen bringt für viele Autofahrer Tarifveränderungen mit sich, oftmals auch Preiserhöhungen. Da man die Typklasse seines Fahrzeugs aber nicht ändern kann, sollte man diese Neuerung vor allem als Chance sehen, sich eingehender mit dem Thema zu befassen – man hat gute Chancen, durch angepassten Leistungsumfang, Aushandlung von Rabatten oder Anbieterwechsel deutlich mehr zu sparen, als man im Vorfeld vielleicht hatte draufzahlen sollen.

Links zum Thema:

Typklassenabfrage des GDV:
http://www.gdv-dl.de/typklassenverzeichnis.html

Online-Auswertung der Stiftung Warentest für KFZ-Versicherungen (kostenpflichtig):
http://www.test.de/Autoversicherung-Guenstige-Tarife-fuer-Ihr-Fahrzeug-1575560-0/

Beispiele für Tarifrechner:

https://www.check24.de/kfz-versicherung

http://versicherung.testsieger.de/kfz/?gclid=CLnFq_bJq7MCFdExzQod2jsAkA

https://www.transparo.de/versicherungen/kfz-versicherung

Stand: 21.11.2012 16:24 Uhr

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So, 11.11.12 | 16:30 Uhr