SENDETERMIN So, 09.12.12 | 16:30 Uhr

Neuwagenrabatte: Was ist möglich?

Neuwagen im Autohaus

In den vergangenen Monaten wurden wenige Neuwagen verrkauft.

Der Markt für Neuwagen stagniert, die vergangenen Monate brachten mäßige Verkaufszahlen. Da reagieren die Hersteller mit Rabattaktionen. Aber bekommt man auch die versprochenen Prozente? Wie sollte man verhandeln?

Der Neuwagenmarkt in Deutschland entwickelt sich seit Monaten schleppend. Die Anbieter reagieren darauf mit starken Rabattierungen. Nach einer Marktanalyse der Universität Duisburg-Essen wurden im September 2012 Neuwagen im Schnitt 13 Prozent unter dem Listenpreis verkauft. Bei den 30 gängigsten Modellen waren es sogar 18,5 Prozent. Laut Petra Gorisch von der Rechtsabteilung des ADAC Nordrhein ist das nur scheinbar ein Widerspruch: Wenn sich ein bestimmtes Automodell besonders gut verkauft, profitieren Hersteller und Hersteller von hohen Absatzzahlen und sind deshalb auch motiviert, diese hoch zu halten.

Listenpreis: Muss nicht sein!

Ganz unabhängig vom gewünschten Modell gibt es heute aber zahlreiche Möglichkeiten, beim Neuwagenkauf „Prozente“ herauszuholen. Petra Gorisch bringt es auf den Punkt: „Wer heute den Listenpreis zahlt, hat schlichtweg zu viel Geld.“ Schon seitens der Hersteller gibt es derzeit zahlreiche Rabattaktionen, beispielsweise in Form von Benzingutscheinen, Angeboten zu zinsloser Finanzierung, Gebrauchtwagenüberzahlungen und Leasingangeboten. 

Mit versteckter Kamera im Autohaus. Uns interessierte, wie viel Rabatt man beim Autohaus um die Ecke herausholen kann. Mit versteckter Kamera schickten wir unsere Lockvögel Diana und Horst Krüger, beide Mitte 50, in drei Kölner Autohäuser. Sie sollten sich nach relativ bescheiden ausgestatteten Varianten gängiger Automodelle erkundigen.

Ergebnis: Teils satte Rabatte

Gemessen am Listenpreis hätten sie auf einen neuen VW Golf – nach mehrfachem Nachhaken – neun Prozent Nachlass bekommen, bei einem Skoda Octavia Kombi quasi ohne jede Verhandlung 16 Prozent, bei einem Ford Fiesta sogar 22 Prozent – der allerdings ist eine Tageszulassung und bereits seit Mai im Besitz des Autohauses.

Tageszulassungen: "Einmal neues Auto zum Mitnehmen"

Autokauf-Expertin Gorisch hat noch folgende Tipps für die Krügers – und natürlich alle Neuwageninteressenten: So sind Tageszulassungen eine absolut legitime Möglichkeit, mit starkem Preisnachlass ein (fast) neues Auto zu erwerben. Es kommt dabei nur auf die Details an. Ursprünglich waren mit diesem Ausdruck Autos gemeint, die eine Zeitlang auf das Autohaus zugelassen und auch von dessen Mitarbeitern genutzt werden, um z.B. Kunden nach Hause zu fahren.

Inzwischen jedoch werden oft auch Fahrzeuge als stark vergünstigte Tageszulassungen verkauft, die noch keinen Kilometer auf dem Tacho haben. Außerdem haben diese Fahrzeuge abgesehen vom Preisnachlass natürlich auch den Vorteil, dass der Kunde sie nicht erst bestellen und dann monatelang auf sie warten muss, sondern gleich mit ihnen nach Hause fahren kann. Andererseits kann er sich Farbe, Polster und sonstige Ausstattung natürlich nicht aussuchen, sondern muss nehmen, was gerade da ist. Die Höhe des Rabatts allein sollte einen also nicht zum Spontankauf hinreißen, denn auch der günstigste Preis nützt auf Dauer nichts, wenn man am Ende im falschen Auto sitzt.

Wichtig: Informiert ins Verkaufsgespräch gehen!

In jedem Fall ist es wichtig, sich im Vorhinein darüber im Klaren zu sein, welches Auto man will, auf welche Extras man Wert legt und mit welchen Kosten sie verbunden sind. Entscheidet man sich beispielsweise für Xenon-Scheinwerfer, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass sie nicht nur in der Anschaffung meistens teurer sind, sondern auch in der Wartung, da die zugehörigen Lampen nur in der Werkstatt ersetzt werden können.

Neuwagen

Welche Rabatte sind bei Neuwagen im Moment möglich?

Fast jedes Modell gibt es in verschiedenen Ausstattungslinien – die Basisausstattung ist am günstigsten, bringt aber auch die wenigsten Extras serienmäßig mit. Höhere Linien sind grundsätzlich teurer, aber meistens immer noch günstiger, als wenn man die Basis um die Extras aufrüsten würde, die die nächste Stufe bereits hat. Um zu ermitteln, welches Ausstattungspaket mit welchen Extras die eigenen Wünsche am preiswertesten erfüllt, helfen die Konfigurationsseiten der Autohersteller: Hier kann man sich seinen Neuwagen Schritt für Schritt zusammenstellen und sich schon mal den Listenpreis berechnen lassen – eine solide Faktengrundlage für die Verhandlung.

Beim Verkäufer: Der erste Eindruck bestimmt das Gespräch

Viele Verkäufer testen bereits zu Beginn eines Gesprächs, wie gut ihr Kunde informiert ist. Der VW-Verkäufer in unserem Test stellte unseren Lockvögeln zum Beispiel gleich eine anspruchsvolle Frage zur Antriebstechnik. Wer durch seine Antwort verrät, dass er das gefragte Automodell und seine Ausstattungsvarianten nicht gut kennt und grundlegende Informationen erst erfragen muss, gibt dem Verkäufer eher die Chance, Dinge an den Mann zu bringen, über die man sich später nur ärgert.

Das erste Angebot ist selten das letzte

Der Skoda-Händler bot bereits ohne Nachfrage einen Rabatt von etwa 16 Prozent bzw. gut 4000 Euro auf das gewünschte Modell. Das klingt üppig. Trotzdem meint ADAC-Expertin Gorisch: „Wer hier nicht noch mal nachhakt, verliert bares Geld, denn ein Händler würde niemals bereits im ersten Satz und von sich aus bis an die Schmerzgrenze gehen.“ Bis einem ein Verkäufer also klar zu erkennen gibt, dass kein Verhandlungsspielraum mehr vorhanden ist, sollte man also den Mut haben, weiter nachzufragen, denn schließlich machen bei einer Anschaffung wie einem Auto auch wenige Prozente schon hohe Beträge aus.

Gemeinsam ist man stärker

Es empfiehlt sich durchaus, zu zweit in ein Verkaufsgespräch zu gehen. Zwei Kunden können sich gegenüber dem Verkäufer die „Bälle zuwerfen“ und das Gespräch so besser in ihrem Sinne lenken. Aber auch hier empfiehlt sich gute Abstimmung: Wenn beispielsweise die Ehepartner im Gespräch Uneinigkeit über einzelne Ausstattungsmerkmale verraten, kann der Verkäufer versuchen, das für sich auszunutzen.

Gute Zeiten für Neuwagenkäufer: Internetvergleiche und EU-Importe

Wie bei allen Verkaufsverhandlungen sind konkrete Konkurrenzangebote auch im Gespräch mit dem Autoverkäufer oft das entscheidende Ass im Ärmel: So sind über das Internet deutschlandweite Angebotsvergleiche für alle erdenklichen Neuwagen möglich. Schließlich lohnt es oft auch, sich mit dem Thema EU-Importe befassen: In etlichen anderen europäischen Ländern werden bestimmte Neuwagen wesentlich günstiger verkauft als in Deutschland, zum Beispiel, weil sie geringer besteuert werden. Auch hier lassen sich satte Rabatte herausholen – über den Import oder indem man sich entsprechende Angebote ausdruckt und sie dem örtlichen Händler vorlegt. Unter diesem Eindruck lässt ein Autohaus vielleicht noch bereitwilliger mit sich reden.

Links:

ADAC-Datenbank zum Thema Neuwagenkauf – mit Informationen zu 7500 Automodellen: http://www.adac.de/infotestrat/fahrzeugkauf-und-verkauf/neufahrzeuge/default.aspx

Preisvergleichsportale für den Neuwagenkauf (Beispiele):
http://www.meinauto.de/neuwagen
http://www.autoaid.de/neuwagen
http://www.autopricedirect.eu/DE
http://www.autohaus24.de/konfigurator

Stand: 10.12.2012 16:59 Uhr

Sendetermin

So, 09.12.12 | 16:30 Uhr

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