Inhalt.
Hauptnavigation.
Suche.
Bild vergrößern bzw. verkleinern
Bildunterschrift:
Wie verhält man sich im Ausland im Restaurant richtig?
]
Wie isst man Spaghetti in Italien? Oder Hähnchen in Frankreich? Was ist wo total verpönt? Und was denken unsere Nachbarn eigentlich über die Sitten der Deutschen?
Andere Länder, andere Tisch-Sitten! Im Urlaub erntet man schnell mal ein Kopfschütteln, wenn man die Gepflogenheiten im Gastland nicht kennt. Das gilt nicht nur für ferne Länder, sondern bereits für unsere europäischen Nachbarn. Wir haben uns umgeschaut, welche Benimmregeln im französischen und italienischen Restaurant gelten.
Im Sommer ganz entspannt draußen sitzen, da kommt es bei den Tischsitten auf die Feinheiten nicht so genau an. Doch was sollte man abends in einem Restaurant in Frankreich wohl besser nicht tun? Bei unserer Umfrage auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken erhielten wir bereits viele richtige Antworten: Zum Mittagessen keine Cola trinken, da die Franzosen eine Wein-Nation sind und sich bereits mittags ein Gläschen gönnen. Oder: Nicht schmatzen und schlürfen, obwohl zum Beispiel in China gerade das angesagt ist. Eine weitere Antwort lautete: Man sollte nicht quasi im Teller drinhängen und das Essen "reinschaufeln". Stimmt, eine Erziehungssache bereits im Kleinkindalter.
Doch was ist denn nun wirklich ein "No Go" in Frankreich? Im Land der strengsten Tischsitten hat sich inzwischen auch einiges gelockert, die Franzosen wollen sich im Restaurant entspannen, sich auf das Essen und die Gespräche konzentrieren und nicht ständig auf Regeln achten. Einige Umgangsformen sollte man als Ausländer in Frankreich aber dennoch kennen, vor allem, wenn es sich um eine "feine Gesellschaft" handelt:
Mit einem energischen "Hallo!!!" den Kellner an den Tisch zu rufen, ist ein heftiger Fauxpas. Man nimmt Augenkontakt auf und gibt diskret ein Zeichen.
Auch ein Suppenteller kann zum Fettnapf werden: Pusten, Schlürfen, Schmatzen gehören tatsächlich zu den Tabus, auch allzu große Gier - lieber etwas im Teller lassen als ihn kippen!
Das Baguette wird nicht geschnitten - man darf und sollte es brechen, damit aber auf keinen Fall den Suppenrest aufnehmen!
Wenn Hähnchenschenkel so richtig kross sind, ist es ein Genuss, einfach reinzubeißen. Zu Hause kein Problem, aber im Restaurant? Auch wenn es umständlich ist: Messer und Gabel zu benutzen ist die bessere Wahl. Hähnchenflügel beispielsweise darf man dagegen ruhig in die Hand nehmen und knabbern, da für Besteck zu wenig Fleisch dran ist.
Zum Thema Trinkgeld: Das funktioniert nicht so wie bei uns, indem man aufrundet. In Frankreich ist es üblich, sich bis auf den letzten Cent alles genau rausgeben zu lassen und das Trinkgeld dann auf dem Tisch liegen zu lassen. Zwischen fünf und zehn Prozent der Gesamtsumme wäre eine freundliche Geste.
Noch ein Tipp: Deutsche Gäste sind oft sehr ungeduldig. Franzosen nehmen sich für das Essen im Allgemeinen viel Zeit. Und sie essen spät, besonders im Urlaub. Als Gast macht man sich sehr unbeliebt, wenn man vor Öffnung eines Restaurants bereits vor der Tür wartet und quasi drängelt, dass die Tür endlich geöffnet wird. Wenn man einen Tisch bestellt hat: Es kann sein, dass er vorher an Gäste vergeben wurde und diese noch nicht ganz fertig sind. Dann einfach an die Bar gehen und schon mal einen Aperitif trinken, der Tisch wird auf jeden Fall bald frei!
Bild vergrößern bzw. verkleinern
Bildunterschrift:
Der Experte zeigt: So rollt man Spaghetti richtig mit der Gabel auf.
]
Und was sollte man in Italien im Restaurant möglichst vermeiden? Auch hier bekamen wir während der Umfrage viele richtige Antworten: Falsch sei es zum Beispiel, beim Spaghetti-Essen den Löffel zu benutzen. Oder kurze Hosen, ein T-Shirt und Tennissocken anzuziehen. Oder einfach ins Restaurant zu stürmen und sich einen Platz auszusuchen. Und so ist es richtig:
Schlabberige kurze Hose, T-Shirt und Tennissocken sind in Italien absolut verpönt. Italiener haben ein ausgeprägtes Gespür für Mode und machen sich gern chic. Darauf sollte man als Tourist Rücksicht nehmen, übrigens nicht nur abends im Restaurant! Spätestens hier jedenfalls gilt für den Mann: Lange Sommerhose und ein Hemd anziehen, es kann auch kurzärmelig sein, und feste Schuhe. Auch Frauen sollten ein schönes Kleid o.ä. in den Koffer packen.
Wenn Sie dann ins Restaurant kommen, sollten Sie an der Tür stehen bleiben und warten, bis der Chef oder ein Kellner auf Sie zukommt und Ihnen einen Tisch vorschlägt. Ein kurzer persönlicher Kontakt ist den Italienern wichtig, bevor man bestellt, übrigens auch beim "Italiener" in Deutschland.
Auch wenn die Klecker-Gefahr gerade beim Spaghetti-Essen groß ist: Die Serviette kommt auf den Schoss und sollte nicht oben in den Hemdausschnitt gestopft werden!
Und jetzt zur Sache selbst: Es ist tatsächlich so, dass in Italien Spaghetti ohne Löffel, also nur mit der Gabel, gegessen werden. Die Technik ist gar nicht so schwer: Die Gabel leicht auf den Teller stellen, drehen und die Spaghetti draufrollen. Nicht zu viele, und sie sollten vollständig aufgerollt sein, damit man sie am Ende nicht in den Mund schlürfen muss. Auch wenn das zu Hause eine Gaudi ist – im Restaurant erntet man dafür keine bewundernden Blicke.
Unbeliebt macht man sich auch, wenn man am Schluss Einzelrechnungen verlangt. In Italien (und auch in Frankreich) ist es üblich, eine Gesamtrechnung auszustellen. Die Runde am Tisch muss selbst sehen, wie sie die Kosten untereinander aufteilt. Übrigens gehört zur Rechnung auch das Coperto, das Gedeck. Es kostet zwischen einem und fünf Euro und beinhaltet auch den Service. So muss man nur noch dann Trinkgeld zahlen, wenn man besonders zufrieden war.
Noch zwei Tipps zu den italienischen Essgewohnheiten: Wer Spaghetti mit Muscheln oder Scampi bestellt, sollte nicht nach Parmesan-Käse verlangen. Das ist beleidigend für den Koch. Bei Spaghetti mit Tomatensauce kann man ruhig etwas Parmesan draufmachen, aber nur ein paar Flöckchen! Der erste Gang (primo) besteht in Italien oft aus Pasta, der zweite Gang (secondo = Hauptgang) aus Fleisch mit Gemüse. Zu Fleisch isst man keinesfalls Pasta, selbst wenn man nur einen Hauptgang bestellt hat!
Weitere Informationen:
www.reiseknigge.eu
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 05.08.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.