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Fluggastrechte – Rettung in Sicht?

Check-In am Flughafen
Mehr Rechte für Flugpassagiere

Immer wieder fallen Flüge aufgrund "höherer Gewalt" aus. Welche Rechte haben die Fluggäste in solchen Fällen? Wann stehen ihnen Entschädigungen zu? Wer setzt sie durch? Kommt bald die Schlichtungsstelle? Was ist jetzt geltendes Recht?

Die Vorfreude auf den Urlaub ist riesengroß, und schon geht der Ärger los. Der Abflug verspätet sich, oder der Flug wird komplett gestrichen. Stundenlanges Warten am Flughafen – häufig ohne hinreichende Information, davon können viele Passagiere berichten. Allerdings müssen Reisende das keinesfalls tatenlos hinnehmen.

Welche Rechte hat man bei Verspätung des Flugs?

Hebt der Flieger nicht rechtzeitig ab, haben Passagiere einen Anspruch auf Mahlzeiten und Getränke. In der Regel gilt: je kürzer die Strecke, desto schneller müssen Reisende versorgt werden. Bei innerdeutschen Flügen sind zwei Stunden akzeptabel, bei langen Flugreisen kann sich die Fluggesellschaft schon mal vier Stunden Zeit lassen. Zudem kann der Passagier auf Kosten der Airline telefonisch oder per E-Mail andere Personen über seine Verspätung informieren.

Bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden haben Flugpassagiere zudem einen Anspruch auf Entschädigung. Wie hoch diese ist, hängt von der Flugstrecke ab. Bei einer Flugstrecke von 1500 Kilometern stehen den Passagieren 250 Euro zu. Bei längeren Flügen bis zu 3500 Kilometer müssen die Airlines 400 Euro als Entschädigung bezahlen. Bei mehr als 3500 Kilometern ist eine Ausgleichszahlung in Höhe von 600 Euro fällig.

Künftig sollen die Airlines noch strenger in die Pflicht genommen werden. So sollen sie auch für geringere Verspätungen als drei Stunden zahlen müssen, nämlich dann, wenn der Passagier dadurch seinen Anschlussflug verpasst. Doch Vorsicht: Die Airline haftet finanziell nur, wenn „keine außergewöhnlichen Umstände“ vorliegen. Einen Vulkanausbruch etwa hat die Airline nicht zu vertreten, einen Schaden am Triebwerk dagegen schon.

Wie können Fluggäste ihr Recht geltend machen?

Viele Fluggesellschaften scheinen wohl gerade deshalb die Ansprüche ihrer Passagiere gerne mit dem Hinweis auf solche außergewöhnliche Umstände wie das Wetter, Streiks, oder politische Unruhen abzuwiegeln. Für den Verbraucher aber ist es schwer nachvollziehen, welche Gründe wirklich ursächlich für die Flugverspätung waren. Für solche Reisende gibt es Hilfe. Junge Start up Unternehmen haben sich gerade auf solche Entschädigungen spezialisiert.

Sie verfügen über große Datenbanken und haben Kenntnis davon, welche Ursache der Verspätung oder Annullierung tatsächlich zu Grunde liegt. Flightright, Euclaim oder Fairplane heißen einige dieser Portale. Das Prinzip ist einfach: Der Kunde geht auf die Homepage des Unternehmens. Fluggesellschaft und Flugnummer gibt er in das Portal ein. Nach Beantwortung einiger Fragen erfährt er innerhalb weniger Minuten, wie seine Chancen stehen. Wenn er möchte, setzt das Unternehmen seine Ansprüche durch, ohne Prozess- und Kostenrisiko. Im Erfolgsfall bekommt das Unternehmen für die Durchsetzung der Rechte etwa 20 bis 30 Prozent Provision, der Rest geht an den geschädigten Passagier.

Kostenlose Schlichtung

Diese Unternehmen sollen demnächst allerdings Konkurrenz bekommen. Nach jahrelangem Gerangel hat der Bundestag beschlossen, dass ab dem 1. November 2013 eine Schlichtungsstelle eingerichtet wird. Bei Streit um Entschädigungen sollen sich Fluggäste dorthin wenden können, und zwar kostenlos.

Verbraucherschützer begrüßen die neue Schlichtungsstelle, die für alle Flüge von und nach Deutschland zuständig ist. Dennoch gibt es auch Zweifel, ob Fluggäste mit dem Schlichtungsverfahren immer besser dran sein werden. Schließlich ist die Schlichtung ein Kompromiss.

Michael Sittig von Stiftung Warentest empfiehlt geschädigten Flugpassagieren ab November erst einmal diese Schlichtungsstelle anrufen und dort um einen Schlichterspruch zu bitten. Wenn dieser Weg aus Kundensicht zu einem schlechten Ergebnis führt, könnte man erwägen, mit einem Anwalt oder mit einem Unternehmen wie EU Claim, Flightright oder Fairplane gegen die Airline vorzugehen.

Weitere Informationen:

www.flightright.de

www.fairplane.de

www.euclaim.de

www.soep-online.de

Stand: 29.05.2013 16:06 Uhr

Sendetermin

So, 26.05.13 | 16:30 Uhr

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Saarländischen Rundfunk produziert.