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Verstopfter Dieselpartikelfilter - Reinigung statt Austausch?

In der Werkstatt
Partikelfilter - austauschen oder reinigen?

Moderne Dieselfahrzeuge sind sinnvollerweise mit Rußpartikelfiltern ausgestattet. Doch die halten selten ein ganzes Fahrzeugleben lang. Was also tun, wenn der Filter voll ist? Neuteile sind teuer – und nicht unbedingt notwendig. Denn Partikelfilter können auch gereinigt und wieder verwendet werden. Aber Achtung: nicht alle Reinigungsverfahren sind empfehlenswert. Wir haben für Sie verglichen.

Moderne Diesel-Pkw sind meistens langlebig, leistungsstark und sparsam. Was viele Autokäufer aber nicht bedenken: In den meisten Dieselfahrzeugen ist heute ein Rußpartikelfilter verbaut, der sich nach 80.000 bis 150.000 Kilometern mit Asche und Ruß zugesetzt hat. Die Folge: Erst nimmt die Fahrleistung ab, schließlich bleibt der Wagen stehen. Die meisten Hersteller und Werkstätten bieten in diesem Fall nur den Ersatz des Filters durch ein Neuteil an, und das kostet samt Einbau – je nach Modell – 1000 Euro oder mehr. Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Kosten drastisch zu senken.

Wie der Filter funktioniert

Bei der Dieselverbrennung entstehen Rußpartikel in verschiedenen Größen, die Schwermetalle und andere Giftstoffe enthalten. Um vorgeschriebene Emissionsgrenzwerte einzuhalten, werden in die meisten Dieselfahrzeuge Partikelfilter verbaut, die Feinstaubpartikel aus den Motorabgasen filtern. Diese Filter bestehen aus einer wabenartigen Keramikstruktur, die von innen mit Edelmetallen wie Platin beschichtet ist.

Für lange Zeit wartet sich der Filter quasi von selbst: Die elektronische Motorsteuerung erkennt, wenn sich der Filter mit Ruß zugesetzt hat und veranlasst dessen Verbrennung. Dabei entsteht Asche, und die lässt sich wiederum nicht verbrennen. Wenn der Filter mit Asche beladen ist, geht es in die Werkstatt zum Tausch gegen ein Neuteil.

Thermisch-mechanische Reinigung

Im Internet stößt man aber sofort auf andere, billigere Möglichkeiten. Zum Beispiel ein thermisch-mechanisches Reinigungsverfahren, wie es eine Firma bei Hannover anbietet. Partikelfilter werden hier in Brennöfen langsam auf Temperaturen um 600° C erhitzt und ebenso langsam wieder abgekühlt – das entfernt den Ruß, ohne die Filter zu beschädigen. Mittels Druckluft und Trockenschnee (also gekühltem Kohlendioxid) wird ebenso schonend die Asche entfernt. Wie der TÜV Rheinland nachwies und zertifizierte, erreichen derartig gereinigte Filter annähernd die Durchlässigkeit des Neuteils. Das heißt: Ein Fahrzeug, in das er verbaut ist, erreicht auch fast die gleichen Fahrleistungen.

Reinigung eines Partikelfilters
Für die Reinigung von Partikelfiltern gibt es verschiedene Verfahren.

Wohlgemerkt: Ein Zertifikat der Abgasreinigungswirkung solcher Filter steht bislang aus. Offenbar jedoch wird auch die Funktionstüchtigkeit als Filter bei dieser Reinigung fast vollständig wieder hergestellt, denn die dafür wichtigen Metalloberflächen werden bei der Reinigung nicht beschädigt. Zudem würde es ein Wagen mit defektem Partikelfilter nicht durch die Hauptuntersuchung schaffen.

Reinigung dauert mehrere Tage

Bei der Reinigung durchläuft ein Filter jeden Verarbeitungsschritt in der Regel mehrmals, so dass das ganze Verfahren meistens drei bis fünf Tage dauert. Dafür kostet die Reparatur mit dieser Filterreinigung nur rund die Hälfte im Vergleich zum Einbau des Neuteils. Wer es eiliger hat, kann außerdem die Dienste eines Partnerunternehmens der Hannoveraner in Anspruch nehmen. Dort werden gereinigte Partikelfilter für alle gängigen Fahrzeugmodelle vorgehalten und auf Anfrage sofort zur entsprechenden Werkstatt geschickt.

Auch an die Umwelt denkt man bei diesem Verfahren: Die anfallenden giftigen Abfälle werden mit Nachweis entsorgt und gehen bei einem Entsorger aus der Region in die kontrollierte Müllverbrennung.

Zurückhaltung bei Ersatzteilen

Vorsicht scheint bei einigen anderen „Reparaturverfahren“ geboten. Zum Beispiel gibt es für viele Fahrzeugmodelle herstellerfremde „No-Name“-Ersatzteile für wenige hundert Euro. Diese Filter bringen meistens gleich zwei Probleme mit sich: Erstens liegt ihr Gesamtpreis oft noch unter dem reinen Materialwert der Edelmetalle in Originalfiltern, welche für die Reinigungswirkung verantwortlich sind.

Ihr Filterwirkungsgrad ist oft weniger als halb so gut wie der von Originalteilen. Außerdem werden diese Teile meist nicht von der Fahrzeugelektronik erkannt. Die Folge: Die regelmäßige Rußverbrennung wird nicht ausgelöst, und so haben sich derartige Filter bereits nach 10.000 bis 20.000 Kilometer wieder zugesetzt – eine neue Reparatur wird fällig.

Chemische Reinigung

Eine weitere Möglichkeit sind chemische Reinigungslösungen für Partikelfilter. Diese Chemikalien sind durchaus effektiv zur Entfernung des Rußes. Sie können daher eine Alternative für Kurzstreckenfahrzeuge sein, bei denen der Motor zu selten die Temperaturen erreicht, die nötig wären, um eine Rußverbrennung auszulösen. Die Substanzen bleiben aber wirkungslos gegen die Asche im Filter.

Manche Werkstätten bieten auch Filterreinigung mit Chemie und Dampfstrahler an. Letzterer kann die Wabenstruktur des Filters beschädigen und ihn damit unbrauchbar machen. Außerdem werden die Reinigungslösungen samt darin enthaltenen Schadstoffen oft nicht fachgerecht entsorgt und versickern sozusagen im Boden – eine echte Umweltsünde.

Auf Zertifikate achten

Wer bei der Reparatur seines Diesels also um die hohen Kosten eines neuen Partikelfilters herumkommen möchte, ohne seinem Geldbeutel, dem Fahrzeug oder der Umwelt zu schaden, sollte darauf achten, welche Werkstatt welches Reinigungsverfahren anbietet und ob durch Zertifikate Effektivität und Umweltverträglichkeit nachgewiesen werden.

Weitere Informationen

Ermittlung der Abgas-Plakette von Fahrzeugen mittels Zulassungsbescheinigung oder Fahrzeugschein:
www.gtue.de/apps2/feinstaub/plakette.php

TÜV-Zertifikat des vorgestellten thermisch-mechanischen Reinigungsverfahrens:
www.dpf-clean.de/images/pdf/2011-07-11-tv-zertifikat.pdf

Stand: 18.06.2013 15:34 Uhr

Sendetermin

So, 21.04.13 | 16:30 Uhr

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Saarländischen Rundfunk produziert.