SENDETERMIN So, 17.02.13 | 16:30 Uhr

Stotterstart - Warum die neuen Fernbusse nur langsam Fahrt aufnehmen

Fernbuslinien dürfen der Bahn Konkurrenz machen.

Fernbuslinien dürfen der Bahn Konkurrenz machen.

Der Fall des Bahnmonopols auf Fernverbindungen sorgte bei vielen Busunternehmern für Feierlaune. Seit dem Jahresbeginn dürfen sie der Bahn endlich Konkurrenz machen. Doch viel passiert ist seitdem nicht. Es blieb oft bei Ankündigungen. Immerhin: Im Süden der Republik rollen die ersten Busse. Wir haben nachgeschaut, was die neuen Verbindungen bringen – und nachgehakt, warum bisher nicht mehr auf dem Busreisemarkt passiert ist.

Nach dem Fall des Bahn-Monopol

Bis 2012 gab es nur wenige innerdeutsche Fernbuslinien. Grund war ein Uralt-Gesetz von 1934. Dies sollte die staatlich finanzierte Eisenbahn vor Konkurrenz schützen. Anbieter von Buslinien erhielten nur dann eine Konzession für eine Fernbuslinie, wenn die Angebote billiger und bequemer waren als die der Deutschen Bahn. Für Busse, die ins Ausland fahren, galt diese Regel nicht. Deshalb gab es länderübergreifend bereits einen regen Fernbusverkehr. 2013 nun ist das Bahnmonopol gefallen. Fernbus-Unternehmen können nach der neuen Regelung ihr Liniennetz auch in Deutschland frei ausbauen. Einzige Bedingung: Die Länge der Strecke muss größer sein als 50 Kilometer.

In den Medien ist das Thema Fernbusse seit Monaten Schlagzeilen wert. Dementsprechend jubelt die Branche - die neue Transportmöglichkeit nutzten angeblich bald schon mehrere hunderttausend Reisende. Doch wie gut sind die neuen Fernbuslinien knapp zwei Monate nach der Liberalisierung des Marktes tatsächlich? Und: wie sehen die Reisemöglichkeiten aus? Welcher Veranstalter fährt wohin? Auf welchen Fernstrecken existiert ein Bus? Wo kann ich zusteigen?

Trotz vieler Ankündigungen ist es zurzeit noch schwierig, neue Strecken im Internet zu finden. Anbieter wie Flixbus oder „DeinBus“ z.B. fahren fast nur im Süden der Republik. 

Ratgeber Auto - Reise - Verkehr hat zwei Strecken getestet:

1.  Heilbronn – Frankfurt

Diese Verbindung bietet das Unternehmen „DeinBus“ an und besteht erst seit wenigen Tagen. Abfahrt ist am so genannten „Busbahnhof“ - einem Platz direkt neben dem Heilbronner Hauptbahnhof. Dieser Busbahnhof besteht aus einem einzigen, verschmierten und verdreckten Wartehäuschen ohne Hinweistafeln, Informationen oder einen Busplan. Der Fernbus jedoch kommt überpünktlich! Auch der Service ist gut – das Gepäck lädt der Fahrer ein. Wer online noch kein Ticket gekauft hat, kann das beim Fahrer nachholen, dann kostet es jedoch mehr.

Die Strecke Heilbronn – Frankfurt ist, im Internet gebucht, ab 13 Euro zu bekommen. Mit der Bahn kostet ein Ticket zum Normaltarif dagegen mindestens 37 Euro. Und: Man spart Zeit, der Bus braucht laut Fahrplan nur rund zwei Stunden, damit ist er schneller als die meisten Züge. Weil die neuen Fernbusse keine Pause machen, nutzt, wer mal „muss“, die Toilette im Fahrzeug. Die ist zwar eng, aber sauber. Wer Durst bekommt, kann beim Fahrer etwas kaufen. Die Sitze sind bequem und bieten genügend Beinfreiheit - die Fahrgäste gaben nur positive Bewertungen ab. Der Bus kommt pünktlich in Frankfurt an.

2.  München - Friedrichshafen

Der Busbahnhof in München mit Supermarkt, Café, Bäckerei und Fahrkartenverkauf im Obergeschoss lässt keine Wünsche offen. Eins tiefer befinden sich die Abfahrtssteige der Busse. Die Strecke München-Friedrichshafen wird von „MeinFernbus“ bedient. Der Fahrpreis beträgt 13 Euro. Das ist deutlich günstiger als mit der Bahn - der Normaltarif beträgt dort 44 Euro.

Auch hier gab es nur positive Stimmen zu Service und Komfort, es verlief ebenfalls alles reibungslos und pünktlich.

Fazit:

Mancherorts ist das Verkehrsmittel Fernbus schon jetzt eine echte Alternative.

Es bedarf noch einiger Anlaufzeit

Die Fernbus-Unternehmen wollen speziell junge und ältere Kunden gewinnen. Bastian Roet vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer: „Wir gehen davon aus, dass es Menschen sind, die vom Auto in den Bus umsteigen, dass es Menschen sind, die ökologisch unterwegs sein wollen, aber auch Bahnkunden, die die Direktverbindung eines Fernbusses zu schätzen wissen.“

Ob die Fernbusse in Deutschland das Zeug haben, den Reisemarkt aufzumischen, ist noch nicht abzusehen. Seit das Bahnmonopol gefallen ist, hoffen viele Fahrgäste auf günstige und komfortable Städteverbindungen. Bisher fehlt aber ein flächendeckendes Fernbusliniennetz. Außerdem sind geeignete Busbahnhöfe mit guter Infrastruktur noch die Ausnahme. Warum war der Start der Fernbusunternehmen bisher eher ein Stotterstart?

Reisende am Busbahnhof

Bei den getesteten Verbindungen mussten die Reisenden nicht lange am Busbahnhof warten.

Ingo Mayr-Knoch von „DeinBus“ dazu: „Man darf sich das nicht so vorstellen, dass man einfach den Schalter umlegt, und es fahren viele Busse. Man muss das alles organisieren - man braucht als Busunternehmer eine Genehmigung, man braucht Buspartner, muss die Haltestellen organisieren - ein bisschen Anlaufzeit braucht das schon.“

Größter deutscher Fernbusunternehmer ist bisher Die Bahn. Sie sieht die Konkurrenz fürs Erste gelassen und will ihr eigenes Liniennetz nicht weiter ausbauen.

Links:

www.flixbus.de

www.deinbus.de

www.meinfernbus.de

Stand: 20.06.2013 16:33 Uhr

Sendetermin

So, 17.02.13 | 16:30 Uhr

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Saarländischen Rundfunk produziert.