SENDETERMIN So, 17.08.14 | 16:30 Uhr

Critical Mass – zwischen Party und Protest

Radfahrer
Die neue Bewegung Critical Masses

In Berlin, Hamburg, Frankfurt, Saarbrücken, Freiburg und vielen anderen Städten radeln Menschen in großen Gruppen einmal im Monat durch die Innenstadt, um ungehindert ihren Spaß zu haben und Aufmerksamkeit zu bekommen. Critical Mass nennt sich diese Aktionsform, die nicht selten die Gemüter der Autofahrer erhitzt.

Tatsächlich aber haben die Radfahrer die Straßenverkehrsordnung auf ihrer Seite.  Denn kommen mehr als 16 Personen zusammen, sind sie ein Verband. Die Radler können dann nebeneinander herfahren, gelten quasi als ein Fahrzeug. Wenn der Erste bei grün fährt, darf der Letzte sogar bei rot über die Kreuzung. Auch benutzungspflichtige Radwege darf ein Verband ignorieren.

Chaos wird in Kauf genommen

In den meisten Städten findet die Aktion am letzten Freitag im Monat statt. Über das Internet wird ein Treffpunkt vereinbart, der in verschiedenen Foren und bei Facebook verbreitet wird. Anders als zum Beispiel bei einer Demo gibt es hier weder eine geplante Route noch einen Organisator oder Ansprechpartner. Beim Radeln im Verband sind dann alle gleichermaßen verantwortlich. Das bedeutet, wenn einer an der Spitze links fahren will, fährt er links, wenn er rechts fahren will, geht es eben rechts lang, sofern sich genügend Leute anschließen. Das Ziel ist dabei vorher nicht klar. Chaos und Verwirrung werden dabei in Kauf genommen.

Es geht den Radlern jedoch nicht nur darum, Spaß zu haben. Sie wollen auf ihre Situation im Straßenverkehr aufmerksam machen, die von einem gleichberechtigten Miteinander noch weit entfernt ist. Tatsächlich ist der Radverkehr in Berlin zum Beispiel in den letzten Jahren um das Doppelte auf 15 Prozent des Straßenverkehrs gestiegen. Dabei stehen ihnen aber nur drei Prozent der Fläche zur Verfügung, so eine aktuelle Studie der „Agentur für clevere Städte“.

Gleichberechtigung auf der Straße

Der Berliner Senat hat das Problem erkannt und sich vorgenommen, bis 2020 eine Gleichberechtigung zu schaffen. Auch die Berliner Polizei hat sich den Problemen der Radler verstärkt angenommen. Seit vier Wochen setzt sie eine Fahrradstaffel ein. Die ist nicht nur dafür da, Rad fahrenden Verkehrssündern besser beizukommen, sondern sie soll vom Rad aus auch einen besseren Blick für die Belange der Radfahrer entwickeln, damit Hindernisse beseitigt werden können.

Die zwanzig Rad fahrenden Polizisten sind ein Anfang. Berlin hat 5400 Straßenkilometer. Das Radwegenetz endet bereits nach zweihundert Kilometern.
Bis eine Gleichberechtigung von Autofahrern und Radfahrern erreicht ist, wird es sicher noch viele Critical Masses geben.

Infos und Links:

Die Critical Masses sind nicht zentral organisiert, sondern leben davon, dass sich verschiedene Leute engagieren. Die Webseiten sind entsprechend vielfältig. Am einfachsten googelt Critical Mass in der jeweiligen Stadt, oder man sucht bei Facebook unter Critical Mass und der entsprechenden Stadt.

Eine von mehreren Seiten in Berlin: www.critical-mass-berlin.de

Alle Städte sind zu finden unter:  http://itstartedwithafight.de

Theoretiker und Mitorganisatoren von verschiedenen Fahrradaktionen jenseits der Critical Mass: www.alle-macht-den-raedern.de

Stand: 17.08.2014 17:28 Uhr

Sendetermin

So, 17.08.14 | 16:30 Uhr

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Saarländischen Rundfunk produziert.