SENDETERMIN So, 08.09.13 | 16:30 Uhr

Dienstwagen-Privileg

Steuerzahler finanzieren Autokauf

geparkte Dienstwagen
Limousinen mit Steuervorteil

Hätten Sie gedacht, dass mindestens jeder dritte Neuwagen ein "Dienstwagen" ist? Dienstwagen sind nämlich lukrativ: Arbeitgeber und Mitarbeiter sparen Sozialabgaben und Steuern. Dem Steuerzahler allerdings gehen Milliarden verloren. Jedes Jahr.

Dienstfahrrad - in Freiburg ein Statussymbol

Daniela U. fährt ein Statussymbol - findet sie. Statt eines Dienstwagens darf es für sie ein Dienstfahrrad sein wie für viele ihrer Kollegen beim Freiburger Energieversorger Badenova. Das Dienstfahrrad gilt wie ein Dienstwagen als Teil ihres Gehalts. Das ist auch finanziell attraktiv.

Splitscreen Dienstwagen Dienstfahrrad
Priviligierte Dienstfahrzeuge

Denn die Dienstfahrräder genießen seit neuestem den gleichen Steuervorteil wie Dienstwagen. Privat gekauft, käme dasselbe Rad deutlich teurer. Deshalb haben sich viele gleich ihr Traum-Fahrrad gegönnt. Das motiviert wie ein Dienstwagen - zumindest in Freiburg i. Br. So ein Dienstrad sticht zumindest hier das Auto aus.

Kaum Kosten durch Steuervorteile

Anderswo steht die Dienstkarosse als Anerkennung für Mitarbeiter höher im Kurs. Denn Dienstfahrzeuge sind hierzulande steuerlich sehr lukrativ für die Mitarbeiter. Wer das Dienstfahrzeug auch privat nutzt, muss lediglich 1 Prozent des Listenpreises zusätzlich versteuern. Das lohnt sich. Für ein 40.000-Euro-Dienstauto werden lediglich 400 € im Monat auf das Steuereinkommen aufgeschlagen. Für viele Dienstwagenfahrer ist das alles an Kosten. Würde der Wert des Autos ganz normal als als Gehalt ausgezahlt, wären weit mehr Steuern fällig. Gegner der 1-Prozent-Regel sprechen von Milliardenverlusten für den Staat.

Meist Oberklasse-Wagen privilegiert

Damian Ludewig vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft kritisiert, dass vom Dienstwagen-Privileg eine kleine Bevölkerungsschicht profitiere, die sowieso recht gut situiert sei. Und die breite Masse müsse es von ihren Steuern mitfinanzieren.

Autoindustrie verweist auf Arbeitsplätze

Schild VDA
Arbeitssplätze in Gefahr?

Dienstwagen sind oft teurere, größere Modelle - weil sie repräsentativer sind und sich nach dieser Steuerregel besonders lohnen. Gerade diese Oberklasse-Autos werden in Deutschland gebaut. 60 Prozent der Auto-Werker sind damit beschäftigt. Deshalb warnt der Verband der Deutschen Automobilindustrie davor, dass ein „Drehen an der Steuerschraube“ deutsche Arbeitsplätze kosten könne.

Alle Parteien für 1-Prozent-Pauschalsteuer

Bundesadler
Was sagen die Parteien?

Wir wollten vor der Bundestagswahl von den Parteien wissen: Bleibt die Dienstwagen-Steuer wie sie ist? Was ist mit der Gerechtigkeit?

CDU: An der 1-Prozent-Pauschalsteuer will die Partei nicht rütteln. Die sei praktikabel und diene der Steuervereinfachung.

FDP: Auch der Koalitionspartner will die Steuer nicht verschärfen. Angestellte mit Mittelklasse-Dienstwagen, die auf ihr Auto angewiesen sind, wolle man nicht zusätzlich belasten.

SPD: Sie will die 1-Prozent-Pauschale ebenfalls nicht abschaffen, aber mit Detailregelungen ein bisschen zum Spritsparen anregen, bei großen Autos zumindest.

Die Linke: Sie bläst fast ins gleiche Horn: Mehr Steuergerechtigkeit durch Belastung verbrauchsstarker Dienstwagen.

Die Grünen: Auch sie wollen die 1 Prozent-Pauschale beibehalten. Allerdings: Ist der CO2-Wert zu hoch, soll der Wagen steuerlich schlechter gestellt werden. Genauso wie bei Luxus-Yachten.

Höhere Steuern für hohen CO2-Ausstoß

Damian Ludewig vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft verweist auf andere europäischen Ländern. Großbritannien, Frankreich und Belgien beispielsweise hätten auch den CO2-Ausstoß als Bemessungsgrundlage bei den Dienst- und Firmenwagen mit einbezogen.

Staatlich geförderte Dienstwagen bleiben

Dienstwagen auf Parkplatz
Werden sie bald umweltschonender?

In Deutschland ist auch das unnötig, sagt die Autoindustrie. Firmenwagen-Flotten würden inzwischen schon von sich aus auf bessere Verbrauchs- und CO2-Werte achten.

Fazit: Weder Regierung noch Opposition wollen das Dienstwagen-Privileg abschaffen. Nur Luxus-Fahren in der Oberklasse soll sich verteuern - sagt die Opposition. Staatlich geförderte Privatfahrten für Privilegierte wird es also auch in Zukunft geben.

Stand: 09.09.2013 10:13 Uhr

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Südwestrundfunk produziert.