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Nasse Fahrbahn

Unterschätzte Rutschgefahr

Verkehrsschild 80 bei Nässe

Tempo 80, bei Nässe

Tempolimits bei Nässe sollen Unfälle verhindern, aber muss man sich daran halten? Ab wann ist eine Straße denn nass und wann nur feucht? Außerdem können auch bestimmte Fahrbahnbeläge die Gefahr mindern. Die sind aber teurer als herkömmlicher Asphalt.

Keine gesetzliche Regel

Obwohl die Straßenverkehrsordnung den öffentlichen Verkehr streng und umfassend regelt, findet sich darin zum Thema Nässe keine Festlegung. Der Fachanwalt für Verkehrsrecht Dieter W. Rosskopf hat jedoch eine einfache Definition aus der Rechtsprechung: "nass ist die Straße dann, wenn sie ganz überzogen ist mit Wasser, vielleicht auch nur mit einem dünnen Wasserfilm. Ist das nicht der Fall, steht Wasser nur in Pfützen oder Spurrillen oder vereinzelten Flächen ist der Nässebegriff nicht erfüllt."

Gefahr: Aquaplaning!

Pkw beim Wasserfahrtraining

Aquaplaning zum Üben

Wie gefährlich ist Wasser auf der Fahrbahn eigentlich? Wir testen es auf einem Spezialgelände. Der Fahrer fädelt das Auto in eine Schiene ein, die Aquaplaning-Strecke. Ein Becken simuliert einen Wasserfilm, wie er bei Starkregen auf Autobahnen auftreten kann. Einfahrt mit Tempo 60. Schon bei diesem geringen Tempo verliert das Antriebsrad die Haftung, ein Wasserkeil trennt den Reifen von der Fahrbahn. Das Fahrzeug schwimmt auf, wäre nicht mehr lenkbar. Lebensgefahr!

Geschwindigkeitsbeschränkung als Lösung

Tempolimits bei Nässe sollen diese Gefahr mindern und Unfälle verhindern. Das ist gut so. Allerdings: warum gelten die Limits nicht bei Regen überall, sondern immer nur für kurze Abschnitte? Ist die Gefahr dann vorbei?

Wir fragen am Karlsruher Institut für Straßenwesen nach und erfahren: Spezielle Tempolimits gibt es häufig dort, wo ältere Autobahnen viele und enge Kurvenwechsel haben, denn bei Regen sind Kurven eine besondere Falle:

Prof. Ralf Roos erklärt: "Wenn man von einer Rechtskurve in eine Linkskurve oder umgekehrt eine Straße trassiert, muss sich die Straße verwinden, das heißt, man hat überall in solchen Situationen auch einen Bereich, wo die Querneigung null ist, wo das Wasser nicht abfließen kann."

Umbau wäre erforderlich

Wirklich beseitigen könnte man die Gefahr nur, wenn man in diesen Bereichen den Fahrbahnverlauf verändern würde. Warum geschieht das nicht, gebaut wird auf den Autobahnen doch genug? Zuständig sind die Regierungspräsidien, zum Beispiel in Stuttgart. Reinhard Gruhler vom Regierungspräsidium Stuttgart sagt dazu: "Wir versuchen immer, diese Probleme zu beseitigen und überlegen uns Maßnahmen, die wir machen können, es kostet, wenn man eine Fahrbahn umtrassieren muss, entsprechend viel Geld und das dauert einfach."

Asphaltproben im Labor

Bei Asphalt gibt es Unterschiede

Der Umbau von Fahrbahnen wäre also zu teuer und ist oft auch planungsrechtlich gar nicht möglich. Doch es gibt auch viele Aquaplaning-Stellen, die man sehr wohl entschärfen könnte. Der Asphalt ist entscheidend, weiß man am Institut für Materialprüfung in Rottweil. Die Wissenschaftler analysieren viele Asphalt-Proben und haben festgestellt: Oft ist die Fahrbahndecke regelrecht glattpoliert und bei Nässe nicht mehr griffig genug.

Tempolimit statt Sanierung?

Peter Schellenberg vom Institut für Materialprüfung erklärt: "Wenn man feststellt, dass die Fahrbahn keine ausreichende Griffigkeit hat, ist man von Seiten des Straßenbaulastträgers gefordert, sofort Maßnahmen zu ergreifen, damit keine Unfälle passieren."

Und was machen die Straßenbaulastträger? Reicht das Geld zur Reparatur nicht, wird jedenfalls auch zur juristischen Absicherung erst mal die Geschwindigkeit reduziert.

Reinhard Gruhler vom Regierungspräsidium Stuttgart sagt dazu: "Wenn die Griffigkeit schlechter wird, müssen wir die Geschwindigkeitsbegrenzung machen. Das wird bei Nässe wesentlich schlechter und schwieriger und deswegen ist bei Nässe eine erhöhte Gefahr."

Dabei gibt es Fahrbahnbeläge, die das Aquaplaningrisiko minimieren könnten, so genannte Flüsterasphalte. Der direkte Vergleich macht es deutlich: Standardbeläge sind extrem dicht, das Wasser steht wie auf Beton. Der "Flüsterasphalt" ist offenporig, schluckt Lärm und auch Wasser wird abgeleitet.

Peter Schellenberg vom Institut für Materialprüfung erklärt: "So hat man in der Praxis bei dem offenporigen Asphalt auch keine Sprühfahnenbildung mehr und ein geringeres Problem mit Aquaplaning." Teilweise gibt es den Belag schon, aber eben längst nicht überall.

Reinhard Gruhler vom Regierungspräsidium Stuttgart sagt zum Flüsterasphalt: "Er ist teurer und hat einfach nicht die Stabilität, die ein anderer Belag hat. Wir können offenporigen Asphalt bauen und wenige Jahre später muss man das ganze schon wieder korrigieren und wieder Baumaßnahmen machen, da wäre der Autofahrer ganz wenig begeistert davon."

Fazit: Um Geld zu sparen und um nicht so oft bauen zu müssen, nimmt man eben den gefährlicheren Asphalt und warnt via Tempolimit vor Aquaplaning. Diese Warnungen sollten Autofahrer allerdings sehr ernst nehmen, denn an den Stellen ist es dann wirklich gefährlich.

Dazu kommt: "Ein Problem kann es bei der Kaskoversicherung geben, die für den eigenen Schaden verantwortlich ist, die wird sich unter Umständen auf grobe Fahrlässigkeit berufen", sagt der Verkehrsrechtler Dieter W. Rosskopf.

Deshalb: Bei Nässe wirklich die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhalten. Man kann schließlich schnell auf dem falschen Asphalt landen.

Stand: 25.11.2012 18:52 Uhr

Sendetermin

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