SENDETERMIN So, 26.08.12 | 16:30 Uhr

Kinder im Flugzeug

Crashtest-Dummys im Flugzeug
Crashtest-Dummys im Flugzeug | Bild: SWR

Babys werden den Eltern bei Flugreisen bei Start und Landung oftmals auf den Schoß geschnallt, gesichert nur mit einem so genannten "Loop Belt", einem Schlaufengurt. Der wird am Gurt der Eltern festgemacht. Aber wie sicher sind die "Loop Belts" und wie sicher sind die normalen Beckengurte für größere Kinder? Nicht nur der TÜV machte erschreckende Erkenntnisse.

Schlaufengurte

Die Crash-Tests des TÜV zeigen Erschreckendes. Martin Sperber vom TÜV Rheinland fasst es zusammen: "Bei diesen Versuchen, die wir gefahren haben, zeigt sich sehr deutlich, dass der Loop Belt komplett durch alle Weichteile des Kindes hindurch gewandert ist, bis hinten an die Wirbelsäule. Wenn man das umsetzt auf den lebenden Menschen, heißt das, dass es tödliche Verletzungen für das Kind gewesen wären."

Die vermeintliche Sicherheit durch den Schlaufengurt ist im Ernstfall eine tödliche Falle und ist trotzdem vorgeschrieben für Kinder bis zu 2 Jahren.

Ältere Kinder

Auch ältere Kinder sind gefährdet. Ab drei Jahren bekommen sie einen eigenen Sitzplatz und werden mit dem normalen Beckengurt gesichert. Doch der ist für Erwachsene gedacht. Bei kleinen Kindern liegt er zu hoch und schneidet in die Weichteile. Wie im Auto bräuchten sie eine ihrer Größe entsprechende Sitzerhöhung. Vor allem bei Turbulenzen, Startabbrüchen und Notlandungen droht Kindern besondere Gefahr und sowas kommt leider immer wieder vor.

Bekannte Gefahr

In den USA ist der Loop Belt wegen seiner Gefährlichkeit verboten, in Deutschland war er nicht erlaubt, bis ihn die EU 2008 zugelassen hat. Doch selbst das Luftfahrtbundesamt ist nicht überzeugt davon und fordert stattdessen geeignete Kindersitze fürs Flugzeug.

Spezieller Flugzeug-Kindersitz
Spezielle Kindersitze könnten helfen | Bild: SWR

Zwar sind seit Jahren speziell für Flugzeuge konstruierte Kindersitze auf dem Markt. Lufthansa etwa hat einen solchen Sitz schon 2008 vorgestellt, doch bis heute ist er nicht im Einsatz.

Wir fragen bei 5 Gesellschaften nach, warum das so ist:

Tuifly, Condor und Germanwings verweisen auf die EU-Regelung.

Lufthansa gibt immerhin einen Grund an: "Der logistische Aufwand ist nicht leistbar..."

AirBerlin verweist an den Branchenverband. Der behauptet: Loop Belt und Beckengurt seien ausreichend, die Sicherheit gewährleistet. Die Versuche des TÜV seien Crashtests mit Extremwerten, die in der Realität nicht anzunehmen seien. Auch das Bundesverkehrsministerium wiegelt ab: "Derartige Maximalbelastungen sind in der Flugpraxis unwahrscheinlich."

Doch die TÜV-Tests wurden nach den geltenden Vorschriften für Fluggastsitze durchgeführt, übrigens im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. Der TÜV fordert daher weiterhin: "...dass alle Insassen einen Sitzplatz haben und alle Kinder, Kinder bis zu einem Alter von fünf bis sechs Jahren, ein geeignetes altersgerechtes Kindersitzsystem nutzen. Damit hebt man das Sicherheitsniveau der Kinder auf das gleiche Level wie bei einem Erwachsen“, so Martin Sperber vom TÜV Rheinland.

Autokindersitz im Flieger
Autokindersitz im Flieger | Bild: SWR

Von Verkehrsministerium und Fluggesellschaften im Stich gelassen, bleibt Eltern nur die Möglichkeit, den eigenen Auto-Kindersitz mitzubringen. Aber Achtung: Er muss ein entsprechendes Zertifikat haben und fürs Flugzeug zugelassen sein. Außerdem muss man den mitgebrachten Sitz bei den Fluggesellschaften im Vorfeld anmelden. Auch für Kleinkinder ist damit immer ein eigener Sitzplatz nötig - der kostet natürlich extra. Aber das sollte Eltern die Sicherheit ihres Nachwuchses wert sein.

Stand: 07.11.2012 19:50 Uhr

Sendetermin

So, 26.08.12 | 16:30 Uhr