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Ein generelles Tempolimit für deutsche Autobahnen führt immer wieder zu Diskussionen an Stammtischen und in der Politik. Die Standpunkte könnten kaum gegensätzlicher sein. Schluss mit der Polemik. Wir machen die Probe aufs Exempel - mit einer Wettfahrt von Flensburg nach Füssen.
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Gleiche Pkw, lange Strecke
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Zwei Fahrer mit zwei Autos haben eine Aufgabe. Von Flensburg bis Füssen fahren sie einmal ganz durch Deutschland. Dirk Loitz ist Fahrlehrer, hat einen 500 PS Fahrschul-Mercedes daheim und will ordentlich Gas geben. Ralph Müller ist ebenfalls Fahrlehrer und außerdem Spritspartrainer. Er fährt Tempo 130 und will dabei fast genauso schnell sein. Bei Tempo 210 gegen Tempo 130 sind theoretisch mehr als 3 Stunden Vorsprung möglich. Aber wie viel schafft man in der Praxis und was passiert beim Spritverbrauch?
In Dänemark liegen beide noch gleichauf, denn wie fast überall auf der Welt gilt auch hier ein Tempolimit. Dann der fliegende Start: bei der Einfahrt nach Deutschland gibt Dirk Loitz so richtig Gas. Er meint, man sollte auf den Strecken, auf denen man wirklich noch schnell fahren kann, auch schnell fahren dürfen. Mehr als 90 Prozent der Straßen seien geschwindigkeitsbeschränkt, so die Autolobby, rechnet aber alle Wohn- und Geschäftsstraßen mit. Schaut man nur auf Autobahnen, so geht, von Baustellen abgesehen, auf der Hälfte aller Strecken sehr wohl Vollgas.
Ralph Müller dagegen fährt freiwillig 130. Für ihn ist das nicht zu schnell und nicht zu langsam sondern eine Wohlfühlgeschwindigkeit.
Zugleich sei es auch viel sicherer, meint der Spritspartrainer.
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Rasen mit Tempo 200
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Dirk Loitz dagegen glaubt, die Sicherheit hänge vom Fahrer ab, nicht vom Tempo. 130 sei zum Einschlafen, bei 200 sei er konzentrierter. Man müsse aber höllisch aufpassen und vorausschauend fahren, da alles sehr schnell gehe.
Die Autolobby meint, schnell fahren sei nicht gefährlicher und verweist auf die vielen Unfälle im Ausland, wo es Tempolimits gibt. Ob das entsprechend für Deutschland gilt, wollen wir bei der Polizei in Hildesheim wissen. Auf der Autobahn bei Hildesheim war früher Vollgas erlaubt. Jetzt gilt hier Tempo 120. Wir lassen uns die Unfallstatistik geben:
In den drei Jahren nach dem Aufstellen der Schilder 2008 hat sich die Zahl der Unfälle hier im Vergleich zu den drei Jahren davor um 18 Prozent verringert. Die Zahl der Leichtverletzten sank sogar um 50 Prozent, so ein Sprecher der Polizei. Das ist ein klares Argument für ein Tempolimit.
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Tempo 120 zur Sicherheit?
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Bei Hildesheim, 336 Kilometer nach dem Start, beträgt der Vorsprung des Schnellfahrers gerade einmal 20 Minuten. Und vorerst geht es mit dem verordneten Tempo 120 weiter. Dirk Loitz wirkt unzufrieden. Ralph Müller sieht sich bestätigt und konzentriert sich aufs Spritsparen. Er habe nur vier Mal bremsen müssen, weil Fahrzeuge vor ihn fuhren. Ansonsten versucht er den Abstand so groß wie möglich zu halten, um wenig bremsen zu müssen. Bremsen verbraucht Energie, die vorher mit Gas geben teuer erkauft wurde, erklärt der Spritsparexperte.
Inzwischen wartet auf seinen vorauseilenden Kollegen eine Zwangsbremsung. Vor Frankfurt staut sich der Verkehr. Auf der vereinbarten Route wäre der Vorsprung schnell weg. Deshalb fährt er 25 Kilometer Umweg. Doch die schnelle Fahrt verbraucht Sprit. Sein Vorsprung durch die Tempofahrt schmilzt dahin und die Kosten gehen in die Höhe.
Damit die Strecke gleich bleibt, nimmt auch der langsamere Fahrer die 25 Kilometer Umweg, obwohl der Stau sich vor ihm schon auflöst. Ein klarer Nachteil für ihn. Dafür kann er seinen Kollegen an der Tankstelle stehen sehen.
Wie viel die Tempofahrt schluckt und was dies für die Umwelt bedeutet, wollen wir beim Umweltbundesamt in Langen erfahren. Hier, nach mehr als der Hälfte der Strecke, genauer gesagt bei 727 Kilometern, hat der Schnellfahrer nur 30 Minuten Vorsprung.
Das Problem: Bei hohen Geschwindigkeiten steigt die Belastung übermäßig an. Lars Mönch vom Umweltbundesamt erklärt, dass man dann bis zu 50 Prozent Mehrverbrauch haben kann. Das liegt daran, dass der Strömungswiderstand bei hohen Geschwindigkeiten massiv wirkt und dadurch der Kraftstoffverbrauch deutlich steigt.
In unserem Vergleich hat die schnellere Fahrt bislang rund 30 Prozent mehr Sprit verbraucht. Der relativ kleine Vorsprung wird also teuer bezahlt an der Tankstelle.
Durch das starke Verkehrsaufkommen und viele Baustellen mit Geschwindigkeitsbeschränkungen wird der schnelle Fahrer abgebremst. Er ist sich nicht mehr sicher, ob er viel Vorsprung herausholen kann. Wie sieht es denn allgemein aus,
machen Tempofahrten den Verkehr tatsächlich schneller? Oder sorgt möglicherweise erst das Abbremsen von Tempo 200 für Staus? Wir fragen an der Hochschule Neu-Ulm nach. Hier, nach 1.009 Kilometern hat der Schnellfahrer 46 Minuten Vorsprung.
An der Hochschule arbeitet einer der seltenen Spezialisten für Stauforschung. Professor Michael Grabinski fährt persönlich gerne schnell. Die Forschung aber habe ergeben, dass bei rund 100 Stundenkilometern die meisten Autos auf der Straße optimal fahren könnten. Das ist sogar deutlich langsamer als 130. Dazu komme ein weiterer Effekt, der eher für Tempo 130 spreche. Staus entstehen auch durch Geschwindigkeitsänderungen. Wer mit hohem Tempo angefahren komme, bremse in der Regel stärker als der Vorausfahrende. Würde er weniger stark bremsen, gäbe es einen Unfall und exakt gleich abzubremsen schaffe kaum jemand. Wenn also jeder etwas stärker bremst als sein Vordermann, entstehe ein Stau.
Kurz vor dem Ziel gibt Dirk Loitz nochmals kräftig Gas. Der Spritsparexperte fährt dagegen weiter 130 und will mit einer Tankfüllung ankommen. Dafür macht er sogar die Klimaanlage aus, geht weiter mit dem Tempo runter. Hier rächen sich die 25 Kilometer Umweg wegen des Staus. Am Ende fährt er so sparsam, dass die Reichweite sogar von 0 Kilometern wieder hoch auf 5 Kilometer springt. Und er schafft es, kommt nach 1.115 Kilometern mit nur einer Tankfüllung in Füssen an.
Der Schnellfahrer hat die theoretischen 3 Stunden Vorsprung nicht geschafft. Am Ende sind es 64 Minuten Vorsprung, dafür aber hat er 110 Liter statt 70 Liter Benzin verbraucht. Das macht einen Unterschied von rund 70 Euro.
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 28.10.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.