SENDETERMIN So, 04.08.13 | 16:30 Uhr

Ratgeber geprüft: Blitze

Wie sicher sind Autos bei Gewitter?

Blitz am Nachthimmel
Blitz am Nachthimmel

Wie sicher ist man beim Blitzeinschlag im Auto? Darf man Metallteile berühren? Was passiert mit der Elektronik? Und wie ist es im Cabrio? Unsere Reporterin Susanne Gebhardt hat den eine Millionen-Volt-Test im Auto gemacht.

Im Hochspannungslabor der Uni Stuttgart wird rund um Blitzschutz und zur Energieübertragung geforscht. Die Maschinen hier können rund eine Million Volt Hochspannung erzeugen. Hier wollen wir mit dem Team von Prof. Stefan Tenbohlen herausfinden, wie gefährlich ein Blitzeinschlag im Auto tatsächlich ist.

Erster Versuch

Beim ersten Versuch bleiben die Experten und Reportern Susanne Gebhardt noch hinter einem Drahtgitter. Das Drahtgeflecht ist ein letzter Schutz, falls der Blitz doch irgendwo ungeplant einschlägt. Im Auto soll zuerst noch niemand sitzen, da die Airbags beim Einschlag ausgelöst werden könnten. Das wäre gefährlich.

Außerdem wird es beim Blitz sehr laut, also Ohren zuhalten für alle.

Blitzeinschlag im Pkw
Blitzeinschlag im Pkw

Nach einem lauten Knall und viel Rauch scheint auf den ersten Blick noch alles in Ordnung zu sein. Doch das Auto springt nicht mehr an. Der Blitz hat die Elektronik beschädigt. Das könnte im fahrenden Auto gefährlich werden. Auch die Airbags können aufspringen. Diesmal allerdings gehen sie nicht hoch. Zur Sicherheit sprengen wir sie kontrolliert.

Der Experte im Labor zeigt, wo der Blitz oben ins Dach eingeschlagen ist und wie der Strom über die gesamte Karosserie abgeflossen ist. Am rechten Vorderrad ist er dann zur Erde übergeschlagen.

Das wäre auch während der Fahrt nicht gefährlich, da die Reifen durch den Blitzeinschlag nicht platzen, so der Experte.

Zweiter Blitz im Auto

Da der Blitz draußen bleibt und nicht ins Auto eindringt, traut sich Reporterin Susanne Gebhardt beim nächsten Versuch ins Auto. Sicherheitshalber sitzt sie ganz still, die Hände im Schoß und ohne die Karosserie zu berühren.

Obwohl sie in dem Faradayschen Käfig wirklich sicher ist, erschrickt sie wieder von dem lauten Knall. Darin liegt auch eine Gefahr, wenn ein Blitz während der Fahrt einschlägt. Man kann sich erheblich erschrecken und möglicherweise unkontrolliert reagieren. Außerdem könnte die Elektronik ausfallen und beispielsweise das ABS nicht mehr funktionieren.

Eine-Million-Volt-Versuch

Im nächsten Versuch geht es zu wie im richtigen Leben: Eine Million Volt und in ganz normaler Autofahrerhaltung. Dabei darf der Arm sogar ans Fenster. Nur hinaus dürfte er nicht ragen, da der Blitz sonst in den Arm einschlagen könnte. Wieder passiert den Insassen im Fahrzeug nichts.

Blitz im Cabrio

Blitzeinschlag im Cabrio
Blitzeinschlag im Cabrio

Nun folgt der Härtetest - im Cabrio mit offenem Dach. Im Auto sitzend sind die Köpfe der Tester jedoch zu hoch. Der Experte erklärt, dass der Blitz sich immer den höchsten Punkt zum Einschlag sucht. Damit wäre es im Cabrio zu gefährlich und das Risiko zu hoch, dass der Blitz im Kopf einschlägt.

Deshalb muss eine Schaufensterpuppe als Versuchsperson herhalten. Da sie jedoch aus Kunststoff besteht, wird die Leitfähigkeit des menschlichen Körpers mit einem Draht simuliert.

Wieder wird ein Blitz mit einer Million Volt ausgelöst - direkt über dem Kopf. Ob ein Stoffverdeck offen oder geschlossen ist, macht dabei keinen so großen Unterschied. Ein Mensch hätte den Einschlag nicht überlebt. Die fließende Energie war 50.000 Mal stärker als ein bereits tödlicher Stromschlag.

Im Cabrio ist man also bei einem Gewitter nicht sicher. Im geschlossenen Wagen kann man sogar den Arm ein wenig im offenen Fenster ablegen. Da beim Blitzeinschlag im Auto aber einiges ausfallen kann, was während der Fahrt gefährlich wäre, sollte man besser anhalten, wenn ein großes Gewitter aufzieht.

Nachtrag: Zuschauer haben uns zum Thema Blitze im Auto vom 4. August 2013 eine Nachfrage geschickt - hier die Antwort:

Wie gefährlich ist es in Kunststoff-Wohnmobilen bei Gewitter?

Es kommt zum Glück so gut wie nie vor, aber es gibt durchaus eine Gefahr: Dazu Prof. Stefan Tenbohlen, Uni Stuttgart: Es gibt Camper-Modelle aus Kunststoff, die keinen schützenden Metallrahmen haben. Dort wird es gefährlich, wenn sie auf freier Fläche stehen, der Blitz also einschlagen kann. Dann wirkt kein sogenannter Faradayscher-Käfig-Effekt. Besonders gefährlich wird es, wenn Sie auf dem Wohnmobil eine Photovoltaik-Anlage oder Satellitenschüssel installiert haben. Dann können Sie sich über die elektrischen Leitungen den Blitz tatsächlich ins Wohnmobil herein holen.

Unser Tipp: Suchen Sie sich in dem Fall mit dem Wohnmobil eine Laterne oder stellen sie sich neben ein Haus - dann sind Sie sicherer, schließlich schlägt der Blitz normalerweise immer in den höchsten Punkt der Umgebung ein.

Stand: 08.09.2013 11:04 Uhr

Sendetermin

So, 04.08.13 | 16:30 Uhr

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Südwestrundfunk produziert.