SENDETERMIN So, 30.03.14 | 16:30 Uhr

Fahrraddiebstahl

Alarmanlagen für Drahtesel

Drei Fahrradalarmanlagen
Fahrradalarmanlagen

Nicht nur Elektro- auch normale Fahrräder werden in der Anschaffung immer teurer. So ein hochwertiges Rad sollte man dann auch entsprechend sichern, beispielsweise mit einer Alarmanlage. Halten Fahrrad-Alarmanlagen, was sie versprechen

Rund 300.000 Fahrräder werden durchschnittlich pro Jahr in Deutschland gestohlen. Für ein Standardschloss brauchen Diebe nur ein paar Sekunden. Nicht nur Betroffene überlegen, wie sie ihr Rad sichern können.

Der Technikexperte Stephan Behrendt vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub wird für uns Fahrradsicherungen auf ihre Schwachstellen hin testen und versuchen, wie ein Fahrraddieb die Systeme zu überlisten.

Kabelschloss mit Alarmfunktion

Unser erster Kandidat: Ein Kabelschloss mit Alarmfunktion für knapp 36 Euro. Die Halterung des Schlosses lässt sich problemlos anbringen. Aber kann die Alarmanlage einen Fahrraddieb wirklich stoppen? Wenn der Draht durchgeschnitten wird, sollen 120 Dezibel für reichlich Lärm sorgen.

Ob das funktioniert, testen wir mit versteckter Kamera in der Innenstadt. Mit einer handelsüblichen Zange braucht Experte Stephan Behrendt nur einen Versuch.  Doch der Alarm schreckt erst mal ab, zumindest unseren Test-Dieb. Umstehende Passanten schauen zwar kurz auf, aber keiner reagiert auf den Alarm. Dann fährt auch noch zufällig die Polizei vorbei, ebenfalls ohne sich um das Rad zu kümmern.

Der Experte meint, dass diese Alarmanlage vielleicht hilft, wenn man nebenan in der Eisdiele sitzt, den Alarm vielleicht hört und zu seinem Rad rennen kann. Eine zuverlässige Diebstahlsicherung sei dies aber nicht. Außerdem erreiche der Alarm gerade etwas über 100 Dezibel, aber keine 120.

Fahrradalarmanlage

Bei einer anderen Fahrradalarmanlage, für knapp 40 Euro, wird am Rad ein Sender mit zwei Schrauben befestigt. Ist der Sender aktiviert, schlägt ein kleiner Empfänger Alarm, wenn das Rad bewegt wird. Aber: Sender und Empfänger dürfen nicht mehr als 300 Meter voneinander entfernt sein.

Im Versuch wird das Rad zusätzlich mit einem Schloss gesichert. Unser Experte probiert, wie sensibel das Gerät reagiert.

Und tatsächlich geht der Alarm schon bei kleinen Wacklern los. Das ist positiv, aber Fehlalarme könnten auch eine Folge sein, wenn beispielsweise ein anderes Rad daneben angeschlossen wird und das eigene Rad dann leicht bewegt, aber nicht geklaut wird.

Am Empfänger ertönt im Alarmfall ein sehr leises Piepsen, das bei anderen Umgebungsgeräuschen leider nur schwer wahrnehmbar ist. Bis man reagieren kann, ist der Dieb wohl schon weggefahren.

Fahrradlampe mit GPS-Tracker

Die Fahrradlampe muss zuerst am Computer aufgeladen und ein Ortungssystem aktiviert werden. Die Lampe besitzt eine eigene Sim-Karte, die im Falle eines Diebstahls dem Fahrradbesitzer eine SMS mit Standortdaten schicken soll. Allerdings dauert allein die Installation bereits eine Stunde. Rücklicht und Sim-Karte kosten zusammen 171 Euro. Hinzu kommen monatliche Tracking-Gebühren von knapp 5 Euro.

Nachteil: Als Rücklicht ist die Lampe, die so am Fahrrad nicht auffällt, nach Straßenverkehrszulassungsordnung (StvZO) nicht zugelassen. Man bräuchte als eine zweite, zugelassen Lampe.

Doch wie gut und zuverlässig funktioniert die GPS Funktion nach einem Diebstahl? Schon nach rund 90 Sekunden kommt eine Nachricht vom GPS-Gerät. Den Tracking-Link kann man direkt im Smartphone öffnen. Auf der Karte sind zwei Punkte zu sehen, der eigene Standort und der des Rades. Dann heißt es, dem Pfeil zu folgen. Da sich das Rad jedoch weiter bewegt, gleicht das ganze einer Schatzsuche.

Weiteres Problem: Wenn das GPS keinen Empfang hat, funktioniert die Ortung nur übers Mobilfunknetz. Dann wird es ungenau.

Im Praxistest wurde das Rad rund zehn Minuten bewegt. Dabei war eine Verfolgung praktisch nicht möglich. Erst nach dem Abstellen war es zu finden, immerhin.

Fazit: Trotz unausgereifter Technik schneidet die Spylamp noch am besten ab.  Die beiden Alarmanlagen fürs Rad fallen bei unserer Stichprobe durch.

Meist ist ein herkömmliches, stabiles Bügelschloss die sicherste Lösung, um sein Fahrrad nicht gestohlen zu bekommen. Ein vernünftiges Bügelschloss kostet normalerweise mindestens 40 Euro, in der Regel eher 80 Euro.

Stand: 30.03.2014 18:37 Uhr

Sendetermin

So, 30.03.14 | 16:30 Uhr

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Südwestrundfunk produziert.