SENDETERMIN So, 06.07.14 | 16:30 Uhr

Reboard-Kindersitze

Was hat sich getan?

Kindersicherheit im Praxis-Check
Kindersicherheit im Praxis-Check

Kleine Kinder sollten im Auto sicher untergebracht werden, am besten rückwärts sitzend. Bereits Ende 2012 haben wir über die "Reboard-Sitze berichtet und warum es zu wenig Angebote gibt. Was hat sich seitdem bei Kindersitzen getan?

Wir begleiten Niels Linge vom ADAC an einem Feiertag auf dem Parkplatzgelände des Zoos Osnabrück. Erfreulicherweise machen es hier viele Eltern richtig: Der Kindersitz ist gut befestigt auf der richtigen Position hinter dem Beifahrersitz. Da sollte ein Kind sitzen.

Doch auch gravierende Fehler fallen auf, wie zum Beispiel ein Baby, das von den Eltern in einen zu großen Sitz gesteckt wurde, mit dem normalen Gurt gesichert. Bei einem Unfall könnte das Baby so stranguliert werden. Außerdem ist der Nacken, den das Kind gerade so halten kann, ungeschützt. Der Nacken bräuchte Unterstützung. Da ist eine Babyschale besser und sicherer.

Rückwärts ist besser

Reboard-Kindersitz im Crashtest
Reboard-Kindersitz im Crashtest

In der Babyschale sitzen Kinder außerdem rückwärts. Ein Sicherheitsplus, so sagen Unfallforscher. Auch größere Kinder bis etwa vier Jahre seien mit Sitzen entgegen der Fahrtrichtung deutlich sicherer unterwegs. Aber die sehen wir bei dieser Stichprobe nirgends, obwohl viele Eltern die Sicherheitsvorteile dieser so genannten Reboarder kennen.

Die Erklärungen sind unterschiedlich: Das Kind würde das Rückwärtsfahren nicht mögen oder die Preise seien zu hoch, sind die häufigsten.

Doch ein Kleinkind, das rückwärts mitfährt, ist bei einem Frontalaufprall besser geschützt als in einem nach vorne gerichteten Kindersitz. Der Reboarder wirkt wie ein Schutzschild. Das Kind wird abgefangen, die Aufprallenergie verteilt, die Gefahr schwerer Wirbelsäulenverletzungen minimiert.

Als wir Ende 2012 schon einmal über dieses Thema berichteten, war das Angebot an Reboard-Systemen noch äußerst dünn. Das hat sich mittlerweile geändert. Wir finden jetzt immerhin 17 Modelle im Angebot, für Kinder bis 18 Kilo oder viereinhalb Jahre zu Preisen zwischen 300 und 500 Euro. Einige Hersteller haben also reagiert.

Doch welche Rolle spielen die sicheren Sitze im Handel? Das wollen wir gemeinsam mit Nancy Auweiler herausfinden. Die Mutter von vier Kindern ist im Reboard-Kindersitz-Verein aktiv. Dieser Elternverein setzt sich seit Jahren für mehr Aufklärung über die Reboard-Sitzsystem ein.

Angebote ja, Empfehlungen nein

In Spezialgeschäfte für Kinderzubehör lassen wir uns beraten, mit versteckter Kamera. Das Resultat ist ernüchternd: Man empfiehlt uns vorwiegend Sitze in Fahrtrichtung. Um Sicherheitsmerkmale geht es oft nur am Rande, eher um lange Nutzung und günstige Preise.

Neue Norm, neuer Sitz

Reboard-Sitz der neuesten Generation
Reboard-Sitz der neuesten Generation

So wird zum Beispiel ein spezieller Reboard-Sitz, einer der neuesten Generation, zwar in einem Laden auffällig präsentiert, bei der Beratung, die wir bei dieser Stichprobe erhalten,  spielt er aber keine Rolle, obwohl er im aktuellen Test des ADAC und der Stiftung Warentest hervorragend abgeschnitten hat. Es ist das erste Rückhaltesystem, das eine neue EU-Norm erfüllt, die ECE 129, auch i-size genannt, die für Kindersitze strengere Sicherheitsmerkmale vorschreibt.

Ziel der Norm ist, das künftig solche Kindersitze in alle Autos passen. Das ist jedoch Zukunftsmusik, denn da müssen auch die Autobauer mitmachen. Ein verbindliches Datum für einen i-size-Sitzplatz im Auto gibt es jedoch nicht.

Wir wollen wissen, welche Autobauer bereits auf die neue Norm reagiert haben. Viele antworten erst gar nicht.

Honda erklärt, bei ihnen "wurden derzeit noch keine Modelle abschließend nach den Bestimmungen des i-Size-Passus  geprüft."

Ford schreibt uns: "Rein rechtlich ist die Verwendung von ECE-129 Kindersitzen in Fahrzeugen, die nicht nach i-Size homologiert wurden, in Deutschland noch nicht zulässig."

Reboard-Kindersitze
Reboard-Kindersitze

Erforderlich ist nämlich auch noch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung. Die meisten EU-Länder haben ihre Gesetze längst angepasst, Deutschland noch nicht. Unverständlich, zumal die EU-Norm schon seit einem Jahr in Kraft ist. Vom Bundesverkehrsministerium erfahren wir: Bis Ende 2014 soll das erledigt sein.

Auch wenn sich Auto-Hersteller und Gesetzgeber noch Zeit lassen, Eltern sollten es nicht. Für Kinder bis vier Jahre sollten Reboarder die erste Wahl sein. Auch die bisherigen Reboard-Sitze, die noch nicht der neuen Norm entsprechen, dürfen weiterhin verwendet werden. Sie sind zwar teurer als viele vorwärts gerichtete Sitze, aber eben auch in vielen Fällen sicherer.

Stand: 07.07.2014 11:00 Uhr

Sendetermin

So, 06.07.14 | 16:30 Uhr

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Südwestrundfunk produziert.