SENDETERMIN So, 25.05.14 | 16:30 Uhr

Auto als Datenkrake

Service am Kunden oder Schnüffelei?

Datenübertragung aus Fahrzeugelektronik
Datenmengen der Fahrzeugsystem

Zahlreiche Datenskandale zeigen, dass mit Daten sensibel umgegangen werden sollte. Doch wo und vor allem wie wir Auto fahren, das sind interessante Daten für Versicherungen, Unfallforscher, Werbestrategen. Und - diese Daten sind abrufbar!

ABS, ESP, Spurwarner, Abstandsregler, Müdigkeitswarner, Notbremssysteme, Regensensoren: Rund 100 Steuergeräte und Kleincomputer verarbeiten in einem modernen Fahrzeug über eine Million Daten in jeder Sekunde, die für den Betrieb gebraucht werden, aber auch gespeichert und ausgelesen werden können, beispielsweise für die nächste Modell-Entwicklung oder zur Fehlerdiagnose.

Serviceinformationen

Datenfluß im Pkw
Datenfluß im Pkw

Für Prof. Dr. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft gehe es bei diesen Systemen den Herstellern auch darum, Kunden frühzeitig über bestimmte, notwendige Reparaturen zu informieren.

Die Hersteller sammeln und speichern inzwischen jedoch viel mehr Daten, als unbedingt nötig und bei einigen werden sie inzwischen zur Auswertung direkt an die Zentralen gesendet. So verschicken Autos sogar selbst Kurznachrichten, dass etwa die Bremsflüssigkeit gewechselt werden müsse und die Servicezentrale ruft den Kunden zur Terminvereinbarung an.

Damit sollen Kunden gebunden werden, die jedoch zuvor der Datenübertragung vertraglich zustimmen müssen.

Kommunizierende Fahrzeuge

Autobahn mit Schilderbrücken
Autos kommunizieren

Auch die zunehmende unfallträchtige Verkehrsdichte ist eine der großen Herausforderungen. Fahrerassistenzsysteme sollen helfen und das Fahren immer mehr automatisieren. In wenigen Jahrzehnten, so die Zukunftsvision, werden sich die Fahrzeuge ganz allein durch den Verkehr bewegen. Die ersten Schritte sind längst erfolgt - mit so genanntem car-to-car-Datenaustausch. Dabei werden beispielsweise Geschwindigkeit, Standort und sogar Querbeschleunigungsprofile übermittelt, damit  andere gewarnt werden, wenn es etwa eine Glatteisstelle gibt, bei der Autos quer rutschen.

Diese Daten verraten jedoch auch viel über den Fahrer: Ist er allein unterwegs, in der Stadt oder auf dem Land? Ist der Wagen möglicherweise überladen und wurden Tempolimits eingehalten? Das Auto weiß heute eigentlich alles über seine Fahrer.

Datenflut und Datenhunger

Diese Informationen interessieren die Versicherungen und Behörden, Entwickler, Verkäufer und Dienstleister brennend.

US-Entwicklungen, bei denen Sitze den Gesundheitszustand des Fahrers festhalten können, deutsche Firmen, deren Algorithmen ermöglichen, an der Sprechhaltung die psychische Verfassung der Insassen zu erfassen, Apps, die sämtliche Vorlieben der Kunden bis hin zum Musikgeschmack aufzeichnen, das alles ist bereits Realität. Umfassende Persönlichkeitsprofile werden so möglich, mit entsprechend zugeschnittenen Angeboten.

Multimediales Autoradio
Daten zu allen Lebenslagen

Autobauer und Internetdienstleister kämpfen um diesen milliardenschweren Markt. Heute schon können manche Hersteller das Auto via Datenautobahn öffnen und starten. Hilfreich, wenn man den Schlüssel verloren hat. Sie könnten es aber auch blockieren, wenn man Rechnungen nicht zahlt. Jeder Eingriff ist möglich und genau da liegen auch die technischen Probleme.

Es muss sichergestellt sein, dass die Daten nur im gewünschten Zusammenhang verwendet werden und die erhaltenen Daten auch zuverlässig und nicht manipuliert sind. Außerdem muss der Datenzugang des Fahrzeugs gesichert sein, damit Hacker nicht das Navigationssystem oder gar die Bremse manipulieren können.

Im Moment weiß niemand, was mit all den Daten geschieht und geschehen wird.Die Macht über die Daten gehört eigentlich dem Autofahrer. Ob der aber in Zukunft wirklich den Überblick behalten kann, ist eher unwahrscheinlich..

Stand: 25.05.2014 16:30 Uhr

Sendetermin

So, 25.05.14 | 16:30 Uhr

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Südwestrundfunk produziert.