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Ärger auf dem Bau: Starnberg

Haben auch Sie Ärger auf dem Bau?
In der Serie "Ärger auf dem Bau" möchten wir Ihnen typische Problem von der Baustelle vorstellen. Die Bauherren und auch die Bauunternehmer und Handwerker sollten dabei Gelegenheit bekommen, Ihren Standpunkt der Dinge darzulegen. Wenn auch Sie uns ihren aktuellen Fall schildern möchten, dann schreiben, oder mailen Sie uns.

Ärger auf dem Bau: Starnberg
Das Holzhaus der Familie Bartesch sollte ein besonders gesundes, ökologisches werden. Noch bevor es überhaupt fertig war rückten Arbeiter in Ganzkörper-Schutzanzügen an, um es zu sanieren. Diagnose: Schimmel in weiten Teilen des Gebäudes. Das ist zumindest die Diagnose des Gutachters, den Rainer Bartesch beauftragt hatte. Was war passiert?

Wetterkarte mit einer bayernweiten Unwetterwarnung (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Wetterkarte mit einer bayernweiten Unwetterwarnung. ]
In 2011, dem Baujahr des Hauses, regnete es viel und reichlich in Bayern, auch in Maising in der Nähe vom Starnberger See, wo die Barteschs ein Grundstück erworben hatten. Im Mai 2011 begannen die Bauarbeiten am Haus.

Rainer Bartesch: "Schon in dem ersten Tag des Aufstellens des Gebäudes, da war eine Unwetterwarnung bayernweit und wir haben die Zusicherung gehabt, dass das Haus abgedeckt wird. Ist nicht passiert, sondern es hat das ganze total zusammen geregnet. Also es war wirklich komplett nass, komplett durchnässt."

Und es regnete weiter.
Rainer Bartesch: "... mit jedem Regen und auch nachdem es aufgehört hat zu regnen und ein, zwei Tage kein Regen da war, ist trotzdem noch Wasser aus der Wand gekommen."

Rainer Bartesch zog einen Experten hinzu, Gerhard Schoberth vom Verband Privater Bauherren. Der gibt dem Bauunternehmer die Schuld."Hier ist etwas passiert, was eigentlich jedem Unternehmer klar ist, nämlich dass das Gebäude offen da steht bei starkem Niederschlag, der Regen voll überall eindringen kann wo es nur möglich ist. Das weiß eigentlich jeder, dass das nicht geht."

Das Dach des Hauses wurde nicht vor Regen geschützt (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Das Dach des Hauses wurde nicht vor Regen geschützt. ]
Wurde das Haus in der Bauphase also nicht richtig geschützt? Der Bauunternehmer, die Firma Holzbau-Karg, bestreitet das über ihren Rechtsanwalt."Das Bauwerk wurde ordnungsgemäß gegen Regenfälle geschützt. Während der Zeit der Hausmontage kam es jedoch zu starken Unwettern mit heftigen Regengüssen und Sturmböen, die .. dazu führten, dass Regenwasser in das Kellergeschoss eindrang. ... Das Bauwerk hat hierdurch jedoch ... keinen Schaden genommen."

Der Boden steht komplett unter Wasser (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Der Boden steht komplett unter Wasser. ]
Fotos des Bauherren zeigen das Wasser. Ob das Haus nach den Regengüssen "fachgerecht getrocknet" wurde, auch darüber streiten Bauherr und Bauunternehmer bis heute.

Schließlich wurde das Dach mit Dämmplatten geschlossen. Trotzdem sei aber noch Wasser eingeflossen, moniert der Bauherr. Es sei noch fünf Wochen lang über die weiterhin oben nicht dicht verschlossenen Seitenwände Wasser in das Haus geströmt. Nach gut drei Wochen habe er den ersten Schimmelschaden im Keller entdeckt. Rainer Bartesch belegt den Schaden mit Fotos, die er während der Bauphase gemacht hat. Ein von ihm beauftragter Gutachter bestätigt den Schimmelbefall. Der Rechtsanwalt des Bauunternehmers erklärt dazu: "... dass unser Mandant erhebliche Zweifel daran hegt, ob überhaupt ein Schimmelbefall stattgefunden hat. (...)"

Ein grüner Schimmelbelag hat das Holz befallen (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Ein grüner Schimmelbelag hat das Holz befallen. ]
Was für Rainer Bartesch offensichtlich war, wurde vom Bauunternehmer bestritten.
Rainer Bartesch: "Es ist nichts passiert. Er hat dann immer gesagt, ja, er macht was, aber es war einfach als ob ich an eine Wand hinreden würde. Es war einfach nicht auszuhalten."

Für Gerhard Schoberth ist es eher Alltag, dass "nichts passiert", wenn Bauherren von ihrem Bauunternehmer Nachbesserungen verlangen.
Gerhard Schoberth: "Also man macht also zunächst einmal gar nix. Vielleicht gewöhnt er sich ja dran und – aber sofort umbauen, machen wenige. Man versucht erst einmal die Zeit spielen zu lassen. Das ist oft so."

Und viele Bauunternehmer können sich das auch erlauben, weil ihre Kunden schon Vorauszahlungen geleistet haben. So sieht es Gerhard Schoberth im Fall der Familie Bartesch: Auch er habe zu hohe Vorauszahlungen im Bauvertrag zugestimmt und dann auch geleistet.

Gerhard Schoberth vom Verband Privater Bauherren (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Gerhard Schoberth vom Verband Privater Bauherren. ]
Gerhard Schoberth: "Bei richtiger Vertragsgestaltung hätte er sofort die Möglichkeit gehabt zu sagen: Moment mal, da zahl ich jetzt erst mal nicht – so lange bis die Mängel beseitigt, oder die Elemente sogar ausgetauscht sind. Da er aber jetzt schon so viel Geld bezahlt hatte kommt er natürlich immer in die Situation, dass er versucht noch möglichst viel für sein Geld zu bekommen und den Unternehmer bedrängt er solle doch handeln. Ein wirkliches Druckmittel hat er aber keins mehr, das hat er schon aus der Hand gegeben."

Der Schimmel wird bekämpft  (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Der Schimmel wird bekämpft. ]
Schließlich erklärte sich der Bauunternehmer doch zur Sanierung des Kellers bereit. Dies geschah aber, nach Ansicht von Rainer Bartesch und seiner Gutachter, nicht fachgerecht. Mittlerweile verkehren Bauherr und Bauunternehmer nur noch über ihre Rechtsanwälte. Gutachter Schuberth schätzt den Schaden "über den Daumen gepeilt auf ca. 120.000 €."

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 24.06.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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Sendetermin
So, 24.06.12 | 16:30 Uhr