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Mehr als die Hälfte aller bestehenden Wohnbauten – gut 20,1 Millionen – entstanden zwischen 1949 bis 1978. Diese Gebäude erzeugen gut 56 Prozent aller klimaschädlichen Emissionen. Wie man Bestands-Wohnimmobilien aber wirtschaftlich, baulich und energietechnisch erfolgreich umwandeln kann, zeigt das Pilotprojekt Energy-Plus-Home der Technischen Universität Darmstadt.
Mehr Energie erzeugen als verbrauchen
In Mühltal bei Darmstadt reihen sich Eigenheime aus den 70er Jahren aneinander. Unscheinbare Fassaden und kleine Fenster sind ein typisches Merkmal dieses Bautyps. Vielerorts wird noch mit Öl geheizt. Direkt nebenan fällt ein Flachbau mit weißer Putzfassade und teilweise dunklen Eternitplatten verkleidet optisch auf. Auf dem Dach befindet sich eine integrierte Photovoltaikanlage, die als zentrale Energiequelle dient. 146 schwarze monokristalline Solarmodule mit je 22 Hochleistungs-Solarzellen wandeln die Kraft der Sonne in Strom um.
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Das Energy-Plus-Home.
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Das vollkommen sanierte Bestandshaus heizt mit selbst produziertem Strom und erzielt sogar noch einen Überschuss, mit dem ein Elektromobil das ganze Jahr über betankt werden kann. Etwa 9.900 Kilowattstunden insgesamt pro Jahr beträgt die Leistung, fast ein Drittel davon wird als Überschuss ins öffentliche Netz gespeist. Mit Hilfe regenerativer Energien – neben Photovoltaik, ein Wärmetauscher und eine Wärmepumpe – und zusätzlich gedämmten Innen- und Außenwänden sowie einer Dreifachverglasung der Fensterflächen ist das Plusenergiehaus klimaneutral und betriebswirtschaftlich kostengünstig.
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Prof. Dr. Karsten Tichelmann von der Technischen Universität Darmstadt.
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Überschaubare Umbaukosten
"Wir haben nicht auf herkömmliche Techniken hinsichtlich der Energieeffizienz zurückgegriffen", berichtet Prof. Dr. Karsten Tichelmann von der Technischen Universität Darmstadt.
Dabei haben die Experten diese aber für das Bestandsgebäude optimiert. Knapp 40.000 Euro hat die energetische Umwandlung gekostet. Dabei hat sich der Mehrwert der Immobilie wiederum um ca. 50.000 Euro erhöht. Im ehemaligen 20 Quadratmeter große Öltankkeller befindet sich heute ein Wellnessbad – zusätzliche Wohnfläche schafft mehr Rendite!
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Dank der großen Fenster ist das Haus lichtdurchflutet.
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Wichtig war auch die bessere Tagesbelichtung: Im Gegensatz zu dem Altbau verfügt das Plusenergiehaus jetzt über drei Mal so viele Fensterflächen. Damit entspricht der Umbau auch einem zeitgemäßen Wohnstandard und dem Wunsch nach mehr Helligkeit.
Ansprechendes Design für eine zukünftige Bausanierung
"Uns war es auch sehr wichtig, dass das Bestandshaus nachher modernen Wohnformen entspricht und nicht wie ein hoch gezüchteter, energieeffizienter Neubau aussieht", erklärt Prof. Dr. Karsten Tichelmann.
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Der Wohnbereich.
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Sich nur energieeffizienten Vorgaben zu unterwerfen und architektonische Verbesserungen der Technik unterzuordnen war von Anfang nicht das Planungsziel. Außerdem verschwanden dunkle Holzbalkendecken und die Raumhöhe konnte dadurch bis zu fünf Meter erhöht werden. Dachfenster und weiß getünchte Wände verbessern jetzt die Helligkeit. Kleine Zimmer wurden zusammengelegt und bilden heute großzügigere Räume. Zwei Jahre wird nun praxisnah geforscht. Eine Familie wohnt ständig im Plusenergiehaus.
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Mit dem zentralen Panel wird das Haus gesteuert.
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Die relativ hohen Investitionskosten von 1.800 Euro pro Quadratmeter sind auf den hohen Ausbaustandard zurückzuführen. Auf hochwertige Böden, Fliesen und ein Panel mit zentraler Schaltung können Bauherren gegebenenfalls verzichten. Und die stehen bereits Schlange: Das Plus-Energy-Home ist vor allem auch für Wohnungsgesellschaften interessant. Denn nur mit einer effektiven energetischen Umrüstung ganzer Bestandssiedlungen ist eine nachhaltige Energiewende dauerhaft möglich.
Autor: Klaus Kuderer
Links:
www.twe.architektur.tu-darmstadt.de
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 24.06.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.